Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Vielfalt intelligent managen

Aufbruch mit der School of Education

„Wer kann, der macht, wer nicht kann, lehrt“, spottete einst George Bernard Shaw, und Bertolt Brecht bekundete: „Während meines 9-jährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium ist es mir nicht gelungen, meine Lehrer wesentlich zu fördern.“ Doch auf der anderen Seiten bekannte Martin Luther: „Es gefällt mir kein Stand so gut, ich wollte auch keinen lieber annehmen, als ein Schulmeister zu sein.“ Man kann daraus ersehen, wie unterschiedlich der Lehrerberuf bewertet wird, wie vielfältig und widersprüchlich, aber auch wie beglückend die Anforderungen an diesen Beruf sind.

Wer heute als Lehrerin oder Lehrer ins Berufsleben eintritt, findet eine andere Situation vor als zu seiner eigenen Schulzeit.

Die Bandbreite verwertbaren Allgemeinwissens ist beständig gewachsen, die Methoden des Lehrens und Lernens haben sich – gerade im Medienzeitalter – vielfältig geändert, die soziale Zusammensetzung der Klassen ist entschieden heterogener geworden.

So muss an den Schulen dafür Sorge getragen werden, dass differenzierte Förderangebote für Kinder mit Benachteiligungen erfolgreiche Inklusion ermöglichen. Ebenso aber verlangt Inklusion, dass hochbegabte Kinder und Jugendliche ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert werden. Mit der Erwartung, diese Vielfalt intelligent zu „managen“, sie also nicht nur als Problem, sondern als Chance zu begreifen, verbinden sich komplexe Aufgaben für die Lehrerinnen und Lehrer. Sie darauf bestmöglich vorzubereiten, ist Aufgabe der Universität.

Für die HU ist die Lehrerbildung selbstverständlicher Teil des Anspruchs, eine in Forschung und Lehre exzellente Universität zu sein. So wurde im Juli 2011 eine „Professional School of Education“ (PSE) gegründet, die als fakultätsübergreifende Plattform für die Lehrerbildung eine Brücke von der Schul- und Unterrichtsforschung zur praktischen Lehreraus- und -fortbildung schlägt. An der PSE werden Lehramtsstudierende in Forschungsprojekte einbezogen, sie können Beratungsangebote in Anspruch nehmen oder sich Praktikumsplätze vermitteln lassen. Darüber hinaus werden hier die Studienangebote fürs Lehrerstudium koordiniert, Fortbildungsangebote für Mentoren unterbreitet und fachdidaktische Berufungen in den Fakultäten begleitet.

Derzeit verfügt die Humboldt-Universität über 22 Partnerschulen. Im Humboldt-Schüler-Kolleg beispielsweise begleiten Mentorinnen und Mentoren Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern während ihrer Oberstufenzeit und der Studieneingangsphase. Besonders interessierte Schülerinnen und Schüler können vielfältige Angebote in den Schülergesellschaften der HU nutzen.

Ein herausragender Schwerpunkt der PSE ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. So können besonders begabte Lehramtsstudierende im Fast Track ihr Masterstudium mit einer sich anschließenden Promotion kombinieren. Dieser Karrierepfad wird durch ein Stipendium aus Mitteln der Exzellenzinitiative gefördert – in enger Anbindung an das Programm der Humboldt Graduate School (HGS) der Universität. Gerade für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Unterrichtsforschung sowie der Erziehungswissenschaft ist das wichtig, denn wir brauchen in den Schulen akademisch ausgewiesene Partner.

Alle auf diese Weise mit dem Lehrerberuf verbundenen Herausforderungen und Chancen machen zugleich seinen Reiz aus. Es ist ein traditionsreicher und zugleich moderner Kulturberuf, der dem Thema Bildung verpflichtet ist. Er bietet die Chance, sich der jungen Generation zu widmen und selbst dabei jung zu bleiben. Nicht ohne Grund gibt es seit der Antike die Assoziation der Schulen zu den Gärten und Hainen, den Pflanzstätten von Vernunft und Moral. Und das Seminar, wie wir heute eine akademische Lehrveranstaltung nennen, wurde einst als „Pflanzstätte des Geistes“ verstanden.

Jan-Hendrik Olbertz

Der Autor ist Diplom-Lehrer für Deutsch und Musik, Professor für Erziehungswissenschaft und Präsident der Humboldt-Universität.