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Wissen macht erfinderisch

Aus Studierenden werden Gründer, aus Forschung wird Produkt: Von der „Humboldt-Innovation“ profitiert die ganze Universität – und die Gesellschaft.

Die universitären Säulen Forschung und Lehre schaffen neues Wissen – nicht nur in den Köpfen der Studierenden. Das Wissen, das Universitäten generieren, ist für die nachhaltige Entwicklung einer Volkswirtschaft, für das Entstehen neuer Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit einer Region ausschlaggebend. Zudem trägt das geistige Kapital aus Wissenschaftsinstitutionen auch zur gesellschaftlichen Entfaltung bei.

Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung. Geht es nach den Vorstellungen der Politik, so sollten Anwendung und Verwertung von Forschungsergebnissen gar zur dritten Säule jeder Universität werden.

Die Hochschulen sind sich dessen bewusst. Überall zeichnen sich wachsende Aktivitäten rund um den Wissenstransfer ab.

Der Weg vom Forschungsergebnis oder von der Idee aus einem universitären Projekt zum fertigen Produkt ist nicht immer einfach, leicht können Reibungsverluste entstehen. Denn Wissenschaftler und Unternehmer sprechen meistens nicht die gleiche Sprache. Außerdem ist universitäre Forschung nach wie vor grundlagenorientiert und nicht ausdrücklich auf die Anwendung fokussiert. Andererseits ist die Industrie häufig nicht risikofreudig und aufgeschlossen gegenüber Erfindungen, die aus den Universitäten kommen.

Um den Wissenschaftstransfer erfolgreich und professionell zu gestalten, hat sich die Humboldt-Universität zu Berlin 2005 zu einem besonderen Schritt entschlossen: Sie hat die Humboldt-Innovation GmbH (HI) gegründet – eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Universität. Sie ist die direkte Schnittstelle zur Wirtschaft und kann im Tandem mit dem Servicezentrum Forschung mit geballter Expertise auf die jeweiligen Bedürfnisse von Wissenschaftlern wie Unternehmern eingehen. Die HI steht den Forscherinnen und Forschern mit Rat und Wissen zur Seite – und sie übernimmt den bürokratischen Part. Die Wissenschaftler können sich ganz auf die Forschung konzentrieren.

Ausgründungen sind der sichtbarste Indikator eines erfolgreichen Wissens- und Technologietransfers. Seitdem die HI aus der Taufe gehoben wurde, sind mit ihrer Hilfe über 50 neue Unternehmen entstanden – mit mittlerweile über 500 Arbeitsplätzen. Etwa 25 Millionen Euro aus privatem Kapital, Mitteln des Bundes und der Europäischen Union sind in die Jungunternehmen und damit die Stadt Berlin geflossen. 2012 war die HI mit sieben Bewilligungen an erster Stelle beim Exist-Gründerstipendien-Ranking. Ein beachtliches Ergebnis, vor allem für eine Universität, die keine ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen hat. Diese Zahlen zeigen auch: Die Förderung unternehmerischen Denkens an der Hochschule zahlt sich aus.

Um das Potenzial an forschungsbasierten Spin-offs und studentischen Start-ups zu erschließen, bieten Universität und HI eine Vielzahl an Serviceleistungen an. So unterstützen beispielsweise zwei Gründungsberater bei der Entwicklung des Geschäftmodells, der Suche nach Mitgründern und Mitarbeitern sowie bei der Akquise von Förderprogrammen und Anschlussfinanzierungen. Daneben stellt die Universität den Humboldtianern auf den Campus Mitte und Adlershof zwei Gründerhäuser zur Verfügung. Diese bieten den Raum und das kreative Umfeld, um innovative Ideen in erfolgreiche Geschäftskonzepte weiterzuentwickeln. Neben Infrastruktur und Beratung wird jedes Team von einem Mentor unterstützt, der meist ein Professor oder eine Professorin der HU ist.

Mit ihrer Patent- und Lizenzstrategie fördert die HU die Anmeldung und Vermarktung von Patenten. Vor 2002 konnten die Professoren ihre Erfindungen selbst anmelden, heute muss die Hochschule diese anmelden – wenn sie Interesse hat. Dazu wird geprüft, ob es sich wirklich um Innovationen handelt, wie die Marktchancen des Produkts sind oder wie lange es zur Marktreife braucht. Einige der Ausgründungen basieren auf einem Patent der HU. Da Erfindungen in der Regel noch nicht marktreif und somit (noch) eher wenig attraktiv für Industrieunternehmen sind, steht hier vor allem der längerfristige Erfolg im Fokus. Die Universität kann sich über die HI an vielversprechenden Ausgründungen beteiligen und später auch von den Gewinnen profitieren.

Zahlreichen Innovationen und Ausgründungen geht meist jahrelange, akademische Forschungsarbeit voraus – die Grundlagen betreffend oder auch mehr oder weniger angewandt. Einen in der Regel tatsächlich eher angewandten Charakter haben vor allem Projekte der Auftragsforschung und wissenschaftliche Dienstleistungen. Sie helfen dabei, die doch sehr unterschiedlichen Sphären Wissenschaft und Wirtschaft zu verbinden und gemeinsam wirtschaftlich oder gesellschaftlich nutzbare Ergebnisse zu erzeugen. Die Anbahnung und Beschleunigung übernimmt – ähnlich wie ein Katalysator in der Chemie – die Humboldt-Innovation. Sie ermöglicht und beschleunigt eine Verbindung der Partner, nimmt aber an der Reaktion selber nicht teil. Für die Universität bietet dieser Transfer die Möglichkeit, neue Finanzierungsquellen für die Forschung zu erschließen, Feedback zur Anwendbarkeit der universitären Forschung zu erhalten und weitere Karrierekanäle für die Studierenden und Forschenden zu eröffnen.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Wechselspiel ist das Start up Cyano Biofuels, jetzt Teil von Algenol Biofuels USA, das sich 2007 aus dem Institut für Biologie heraus gegründet hat. Das Unternehmen betreibt die Herstellung von Biotreibstoffen und chemischen Rohstoffen aus Algen und steht nach wie vor mit dem Institut für Biologie im wissenschaftlichen Austausch.

Die Praxis aus weit über 1000 Projekten, die inzwischen über die Humboldt-Innovation abgewickelt wurden, zeigt: Wenn sich das Verhältnis zwischen Forschern und Unternehmern erst einmal eingespielt hat, entwickeln sich die Dinge in der Regel zu beiderseitigem Nutzen. So kann ein erstes gemeinsames Projekt auch oft die Initialzündung einer langjährigen Partnerschaft sein.

Und nicht zuletzt – in Zeiten leerer öffentlicher Kassen und knapper Budgets ist die Einwerbung von Drittmitteln wichtig. Auch hier kann die Humboldt-Innovation bisher eine positive Bilanz ziehen: In den vergangenen acht Jahren wurden kumulativ insgesamt rund 28 Millionen Euro Fördermittel und Forschungsaufträge für die Humboldt-Universität eingeworben. Fördermittelgeber sind unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und die Senatsverwaltung Berlin; die Auftraggeber aus der Privatwirtschaft sind überwiegend global agierende Unternehmen und klein- und mittelständische Unternehmen – teilweise auch aus der Region Berlin-Brandenburg.

Und nicht nur das Expertenwissen der Wissenschaftler der Humboldt-Universität wird im Transferprozess vermittelt. In den vergangenen acht Jahren seit ihrer Gründung hat auch die HI eigenes Spezial-Know-how aufgebaut. In den Bereichen Wissens- und Technologietransfer, Innovationsmanagement, Entrepreneurship und Existenzgründung berät sie auch andere Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen und exportiert so das erfolgreiche Transfermodell der Humboldt-Universität. Dass daran nicht nur im eigenen Land Interesse besteht, zeigt unter anderem die wiederholte Einladung nach Paris zum OECD Roundtable on Higher Education in Regional and City Development.

Der Gesellschaft und Wirtschaft das universitäre Wissen zur Verfügung stellen und gleichzeitig die Interessen der Universität wahren – für die Humboldt-Universität ist das zugleich Verantwortung und Realität.

Peter Frensch ist Professor für Psychologie, Vizepräsident für Forschung der Humboldt-Universität und Aufsichtsratsvorsitzender der Humboldt-Innovation GmbH.