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Wenn die Bank zum Kunden kommt

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

 

Wenn die Bank zum Kunden kommt

Studenten sagen voraus, wie das Geldgeschäft der Zukunft aussieht - und gewinnen einen Preis

Von Ljiliana Nikolic

Geld im Supermarkt abheben oder einen Kredit im Coffeeshop aufnehmen? Was in anderen Ländern teilweise schon gang und gäbe ist, könnte auch hierzulande bald Wirklichkeit werden. Davon sind fünf Wirtschafts-Studenten der Humboldt-Universität überzeugt. "Zukünftig wird nicht der Kunde zur Bank, sondern die Bank zum Kunden kommen, an den Ort des Konsums", sagen sie voraus. Mit diesem Zukunftskonzept gewannen sie den Postbank Finance Award 2003/2004, für den die Bank wissen wollte, wie sich die Privatkundenbank in der Zukunft entwickeln wird.

Rolf und Dirk Höring, Tomas Jandik, Marco Klinge und Markus Mündecke analysierten für den Wettbewerb die Bank der Vergangenheit und Gegenwart. Sie machten eine Umfrage unter ihren Kommilitonen und trafen dann eine Vorhersage. "Die Bank wird mit ihren Standardprodukten, wie Girokonto und Kredit, stärker im täglichen Leben präsent sein als bisher, ohne dass der Kunde sie unbedingt wahrnehmen muss", sagt Marco Klinge. Beispielsweise mit Kreditangeboten im Handel oder mitarbeiterlosen Filialen in Einkaufszentren, wo Standardgeschäfte abgewickelt werden können. Zurzeit dünnen die Banken ihre Filialnetze eher aus, und die Geldinstitute werden aus ihren angestammten Bereichen verdrängt. "Ein Beispiel dafür ist die Autobranche, die nicht nur Autos, sondern auch Kredite hauseigener Banken anbietet", erklärt BWL-Student Dirk Höring.

"Die Allianzen mit anderen Anbietern und Unternehmen mit großen Vertriebsnetzen werden zukünftig von Bedeutung für den Erfolg einer Bank sein", sagen die fünf Studenten. Für kompliziertere Produkte, wie Altersvorsorge und Vermögensverwaltung, werde es auch weiterhin Beratungsfilialen geben, zu denen der Kunde bei Bedarf kommen wird.

49 studentische Teams haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. Sie mussten eine 50-seitige wissenschaftliche Arbeit vorlegen. "Wir haben uns bemüht, wissenschaftlich fundiert, originell, aber auch umsetzbar zu sein", erklärt Marco Klinge, der im sechsten Semester Betriebswirtschaftslehre studiert und bereits an seiner Diplomarbeit sitzt.

"Es war nicht einfach, bei laufendem Hochschulbetrieb die Arbeit zu machen", sind sich die Studenten einig. Einige Klausuren konnten sie aus Zeitmangel nicht mitschreiben. Gelohnt hat sich die Teilnahme fürs Studium dennoch. "Wir haben bei der Bearbeitung des Themas viel gelernt: zum Beispiel, wie man sich optimal zeitlich koordiniert, Arbeitslasten sinnvoll aufteilt oder gemeinsam innovative Konzepte entwirft", unterstreicht Markus Mündecke.

Über den Gewinn freuen sich nicht nur die Studierenden, sondern auch Ernst Maug, Stiftungsprofessor für Konzermanagement, der das Team unterstützt hat. Er erhält für seinen Lehrstuhl 80 Prozent des mit 40 000 Euro dotierten ersten Preises zur Verbesserung von Studium und Lehre. Das Geld soll unter anderem für die Modernisierung der IT-Ausstattung genutzt werden. Der Rest fließt in die Geldbeutel der Studierenden.

Von dem Wettbewerb profitieren vielleicht auch die Kunden der Postbank. Diese hat die Gewinner zur Vorstellung ihrer Arbeit in die Führungsetage eingeladen und will machbare Idee durchaus in die Tat umsetzen. Dass die Studierenden auf dem richtigen Weg sind, zeigte sich bereits kurz nach Ende des Wettbewerbs. "Die Royal Bank of Scottland ist mit Tchibo in Verhandlungen getreten, um ihre Produkte dort anzubieten", sagt Marco Klinge.

Informationen im Internet:

www.postbank.de/finance-award

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