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Denk dich dünn

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

Denk dich dünn

Sportpsychologen haben ein Programm entwickelt, wie Kinder leichter abnehmen können

Heute fasten, morgen joggen und übermorgen beides haben: Traumfigur gepaart mit körperlicher Fitness. Gegen ihre Trägheit und Masse gehen Millionen von Männern und Frauen und auch immer mehr Kinder und Jugendliche an. Eine Ausnahme ist der Kampf gegen das Übergewicht in jungen Jahren schon lange nicht mehr. Hierzulande wiegt jeder dritte Jugendliche und jedes fünfte Kind zu viel. Wie viele Erwachsene kapitulieren allerdings auch viele Jugendliche früher oder später beim mühsamen Abspecken überzähliger Pfunde. Nur manche schaffen es. Doch warum ist das so? Warum gelingt es den einen, ihr Ziel zu verfolgen, während andere kläglich daran scheitern?

Sportpsychologen der Humboldt-Universität nahmen diese Fragen als Ausgangspunkt für ein Projekt, das Ende dieses Jahres zum Abschluss kommt. Mit S.T.E.P.S. - Selbststeuerungs-, Trainings- und Ernährungs-Programm mit Spaß - riefen die Wissenschaftler ein Programm für übergewichtige Jugendliche ins Leben. Da die bisherigen Maßnahmen nicht zu fruchten scheinen, betont S.T.E.P.S. neben den klassischen Elementen aus sportlichem Training und Ernährungsberatung vor allem den psychologischen Aspekt des Abnehmens: Fettzellen schrumpfen zuerst im Kopf.

Das Konzept der Selbststeuerung beruht auf neuen Ansätzen zur Persönlichkeits- und Motivationspsychologie. "Das Erlernen von Selbststeuerung bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe. Die Jugendlichen sollen ihre Probleme von Übergewicht und mangelnder Fitness von innen heraus und mit eigener Kraft lösen. Sie sollen lernen, Entscheidungen zu treffen und sie gegen innere und äußere Widerstände umzusetzen", erklärt Projektleiter Hanno Strang das Grundprinzip.

Im Projekt werden die Jugendlichen daher zusätzlich von sechs angehenden Psychologinnen begleitet - den so genannten Coaches. Mit dem Coaching verfolgen sie eine Kommunikationsmethode, die nicht anleitet oder gar belehrt, sondern den Teilnehmern hilft, eigene Wünsche zu formulieren, daraus Ziele zu entwickeln und diese zu verfolgen. Durch eine spezielle Form des Fragens und Diskutierens gelangt der Gecoachte zu einer neuen Bewusstseinshaltung. "Er übernimmt selbst Verantwortung für seine formulierten Ziele und wird motiviert, Wünsche in konkrete Handlungen umzusetzen", beschreibt Trainerin Inga Weidlich den Lernprozess. Die Coaches erstellen von jedem der Jugendlichen ein persönliches Profil. Dadurch werden jene mentalen Schwachstellen erkannt, die bislang verhinderten, ungünstige Verhaltensweisen selbstbestimmt zu ändern oder Versuchungssituationen zu widerstehen.

Bei diesen Defiziten, meist ein Mangel an Kraft und Willen, gilt es anzusetzen. In den wöchentlichen Einzelberatungen zeigen die Coaches den 42 jugendlichen Teilnehmern, wie man Fitnessziele richtig setzt. Die Jugendlichen lernen vor allem, wie sie emotionale Kräfte erschließen können, die dauerhaft an sportliche Betätigung und an gesundes Essverhalten binden. "Für jemanden, der den Sport ständig aufschiebt", so Inga Weidlich, "kann es schon die im Vorfeld gepackte Sporttasche sein, die dann als Tagesbegleiter den Sport immer wieder ins Bewusstsein rückt."

Positive Gefühle spielen eine wesentliche Rolle bei diesem Prozess. Die Jugendlichen erfahren, wie gut es sich anfühlt, der Chipstüte zu widerstehen. Wenn man die Torte links liegen lässt und statt dessen in den Apfel beißt. Wie erhebend das Gefühl, nach dem Sport völlig kaputt unter der Dusche zu stehen. "Das Gefühl der tiefen Befriedigung, das geschafft zu haben, was man sich vorgenommen hat", sagt Projektteilnehmerin Yvonne auf dem Weg zu ihrem neuen Ich. Kann man diese Gefühle vor jeglichem Hindernis abrufen, ist der Grundstein für eine lebenslange Verhaltensänderung gelegt.

Zwei Mal in der Woche steht Sport auf dem Programm - das Sport- und Freizeitzentrum Siemensstadt stellt den Teilnehmern alle Einrichtungen zur Verfügung. Eine anschließende Ernährungsberatung zeigt, dass auch gesundes Essen schmeckt. Die meisten Teilnehmer können die Traumfigur schon fühlen.

Eva Königsmann


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22.10.2004
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