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Dr. Netzwerk

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

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Wer eine Professur anstrebt, sollte früh um Kooperationspartner werben

Von Ljiljana Nikolic

Die Frage nach dem richtigen Weg zur Professur treibt viele junge Wissenschaftler nach der Promotion um. Manche hoffen, mit ihren Erkenntnissen die Wissenschafts-Community zu begeistern, andere auf Glück oder den guten Ruf ihres Doktorvaters.

Aber so unkalkulierbar ist die berufliche Laufbahn eines Professors gar nicht. Das geht jetzt aus einer Studie hervor, die zwei Psychologen für das Fach Psychologie vorgelegt haben. "Nicht allein die produktive Leistung, sondern auch die persönliche Vernetzung ist für eine Professur von Bedeutung. Wer kooperiert, wird auch zitiert", bringt es Franz J. Neyer, Oberassistent am HU-Institut für Psychologie, auf den Punkt. Neyer hat das Projekt zusammen mit Frieder Lang, Professor an der Universität Halle-Wittenberg, geleitet.

Wer wenig kooperiert, wird vermutlich erst dann zitiert, wenn die publizierte Arbeit von einem unabhängigen Publikum wahrgenommen wird. Wer viel und frühzeitig mit anderen publiziert, hat eine dreifach größere Chance auf eine Professur berufen zu werden als die weniger gut Vernetzten. Allerdings müssen die Kooperationspartner mindestens in einem anderen Netzwerk aktiv sein, damit sich die eigenen Chancen erhöhen.

Spätere Professoren publizieren außerdem schon nach der Promotion mehr und werden häufiger zitiert als andere Nachwuchswissenschaftler. Sie weisen bereits nach zehn Jahren mehr Publikationen und Kooperationspartner auf als andere an der Hochschule beschäftigte Forscher nach 15 Jahren.

Die Studie ist nicht nur für das Fach Psychologie, sondern auch für andere forschungsintensive Fächer relevant, sagt Neyer: "Wir denken sogar, dass unsere Erkenntnisse ebenso für andere Berufe Gültigkeit haben."

Die beiden Psychologen haben die Karriereverläufe und Kooperationsbeziehungen von 579 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht, die in den Jahren 1980 bis '81 und 1985 bis '86 ihre Promotion im Fach Psychologie an einer deutschen Universität abgeschlossen haben. Das Fach ist für die Fragestellung besonders gut geeignet, da es genügend öffentlich zugängliche Datenbanken gibt.

Insgesamt erreichten 78 der Untersuchten (13 Prozent) nach durchschnittlich 12, 9 Jahren eine Professur. Bereits in den ersten fünf Jahren war nur noch die Hälfte der Promovierten an einer Hochschule tätig. Allerdings strebt auch nicht jeder Promovierte eine Hochschullaufbahn an.

Ins Auge fällt der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Er ist innerhalb der ersten fünf Jahre am deutlichsten. "Immerhin 51,3 Prozent Männer und nur 38,6 Prozent der Frauen sind zu diesem Zeitpunkt noch an einer Hochschule beschäftigt", ist in der Studie zu lesen. Später gleichen sich Frauen und Männer an. Zehn Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer erhielten eine Professur. "Das Ergebnis zeigt, dass die geschlechtsspezifische Selektion nicht wie so oft angenommen bei der Berufung stattfindet, sondern viel früher", verdeutlicht der Wissenschaftler.

Wer eine Professur anstrebt, sollte also früh die Weichen dafür stellen. "Man sollte schon während der Promotion beginnen, nach möglichen Kooperationspartnern Ausschau zu halten und an sichtbaren Ergebnissen arbeiten", rät Franz J. Neyer. Flüchtige Kontakte auf Konferenzen und hastig ausgetauschte Visitenkarten seien für die Karriere weniger von Bedeutung. Wie erfolgreich eine Kooperation ist, hängt von der fachlichen und sozialen Kompetenz der Beteiligten ab. Erfolgreiche Kooperation zeichne sich durch dauerhafte Beziehungen und intensive Zusammenarbeit aus.

Im Vorteil ist, wer während der Promotion an einem forschungsintensiven Institut mit vielen Doktoranden arbeitet. Denn hier ergeben sich mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Schlechte Ausgangsbeziehungen für den Aufbau guter Kooperationsbeziehungen können aber ausgeglichen werden, schreiben die beiden Psychologen. Auch nach zehn Jahren sei es wahrscheinlich noch möglich, die Karriere in die richtige Bahn zu leiten.

Die Ergebnisse der Studie "Kooperationsnetzwerke und Karrieren an deutschen Hochschulen. Der Weg zur Professur am Beispiel der Psychologie" sind in der aktuellen Ausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (Heft 3, 2004) nachzulesen.

FÖRDERPROGRAMME

So baut der Nachwuchs vor

Drei junge Wissenschaftlerinnen und achtzehn Wissenschaftler leiten selbstständige Nachwuchsgruppen an der Humboldt-Universität, weit mehr als an jeder anderen deutschen Universität. Dabei waren sie in der Wahl ihrer neuen Wirkungsstätte vollkommen frei - ein besonderes Gütezeichen für die HU. Die meisten kommen nach ihrer Postdoc-Phase und einem harten Auswahlverfahren bei den Förderern, zum Beispiel der DFG oder der Volkswagen-Stiftung. "Es handelt sich nicht nur um exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sie haben auch noch herausragende Doktoranden und Postdocs an die Universität geholt", sagt Biologie-Professor und Mentor Andreas Herz. Viele Gruppenleiter beteiligen sich außerdem an Sonderforschungsbereichen und anderen Verbundprojekten und werben dabei weitere Drittmittel ein. Ähnlich wie die Juniorprofessoren haben die Leiter der Nachwuchsgruppen bisher nicht die Möglichkeit, nach Ablauf der Förderung per Tenure Track auf permanente Stellen übernommen zu werden. Das hat beide Gruppen veranlasst, mit einem gemeinsamen Finanzierungskonzept an die Universitätsleitung heranzutreten. lil

Infos im Netz: www.hu-berlin.de/forschung/wiss_nachw/wn_nwg.html

 

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