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Das liebe Geld

Studenten kennen viele Spar-Tricks. Beim Thema Versicherung und Vorsorge sind sie jedoch unsicher

22.10.2004

Von Tilmann Warnecke

Berliner Studenten sind Spitze, wenn es ums Geld geht. 808 Euro nehmen sie durchschnittlich pro Monat ein. Damit gehören sie laut der jüngsten Sozialerhebung des Studentenwerkes zu den Reichen an den Hochschulen hierzulande, verglichen mit den bundesdeutschen Durchschnittskommilitonen. Allerdings sind die Berliner auch bei ihren Ausgaben ganz vorne mit dabei: Allein für Miete und Wohnnebenkosten gehen gleich 272 Euro wieder weg. Das ist bundesweit ebenfalls ein Spitzenwert, obwohl Berlin doch eigentlich als Stadt der billigen Wohnungen gilt.

Ihr Geld zusammenhalten müssen deswegen auch die Studenten in der Hauptstadt. Die kleinen Tricks des Sparens kennt jeder nach einigen Wochen: Im Theater den Studentenausweis vorzeigen und die Hälfte zahlen, nur abends zum Ermäßigungstarif im Hallenbad schwimmen gehen, das Stadtmagazin zum reduzierten Preis abonnieren. Bei den großen Geld-Themen herrscht viel größere Unsicherheit. Steuern? Muss man hoffentlich nicht zahlen, da der Steuerfreibetrag über dem eigenen Verdienst liegt. Spätestens wenn es um Versicherungen und Vorsorge geht, bestehe ein großer  Beratungsbedarf, sagt Helmut Gründl.

Der Wirtschaftswissenschaftler lehrt Versicherungs- und Managementrisiko an der Humboldt-Universität. Er hat beobachtet, dass in letzter Zeit immer häufiger Studenten zu ihm kommen, um nicht nur Tipps für die nächste Klausur, sondern auch Ratschläge für die Ordnung der eigenen Finanzen einzuholen. Zu Recht: Wählen Studenten einen Versicherungsschutz, der ihrer Situation angemessen ist, können sie viel Geld sparen, sagt Gründl.

Einen Überblick über die vielen Angebote zu bekommen, erscheint zunächst schwer – zumal viele Banken und Versicherungen auf dieKlientel Studenten überhaupt nicht eingestellt sind, wie Untersuchungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergaben.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Studierende sollten nur existenzbedrohende Risiken abdecken, rät Helmut Gründl. Für wirklich wichtig hält er neben der Krankenversicherung nur eine private Haftpflichtversicherung. Das ist die Versicherung, die einspringt, wenn man nach einem Schadensfall selber viel Geld zahlen muss – sei es, dass man auf dem Höhepunkt einer Party versehentlich ein Regal des Gastgebers samt Stereoanlage, DVD-Player und Laptop umreißt und alle Geräte auf einmal nicht mehr funktionieren, oder man, viel schlimmer, einen Unfall verursacht. „Wenn man in einem solchen Fall dem Opfer ein Leben lang eine monatliche Rente von 5000 Euro zahlen muss, ist das eigene Leben finanziell auch schnell ruiniert“, erklärt Gründl.

Der Versicherungsexperte rät Studierenden deswegen, eine Haftpflichtversicherung mit einer möglichst hohen Deckungssumme abzuschließen. „Eine Versicherung mit einer Deckung von fünf Millionen Euro ist nicht viel teurer als eine über eine Million“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Solche Schadensummen mögen für viele erst einmal utopisch hoch erscheinen. Experten weisen aber darauf hin, dass auch in Deutschland Schadenersatzforderungen inzwischen deutlich steigen. „Studenten sind zwar im Regelfall bei den Eltern mitversichert. Dennoch sollte man bei den Eltern unbedingt nachfragen, wie es um deren Versicherung bestellt ist“, empfiehlt Gründl. Laut Untersuchungen sei über ein Drittel der Bevölkerung nicht versichert – „eine erstaunlich hohe Zahl.“ Darüber hinaus benötigen Studenten eine eigene Haftpflichtversicherung, die bereits berufstätig waren oder verheiratet sind.

Und was ist mit der Vielzahl der anderen Versicherungen, die einen gegen potenzielle finanzielle Verluste schützen sollen? Die schmälern das knappe Studentenbudget so sehr, dass die ausgezahlte Summe in einem Schadensfall die vorherigen Ausgaben in den wenigsten Fällen wieder reinholen, erklären übereinstimmend Experten bei der Berliner Verbraucherzentrale und der Stiftung Warentest.

Eine Hausratversicherung sei beispielsweise überlegenswert, aber nicht dringend notwenig, sagt Gründl: „Wenn man es finanziell verkraften kann, dass die Studentenbude abbrennt, kann man darauf verzichten.“ Wer keine teuren technische Geräte zu Hause zu stehen hat, muss sie auch nicht gegen Diebstahl oder Feuerschäden versichern. Die Hausratsversicherung der Eltern gilt zudem ebenfalls für studierende Kinder. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die Studenten momentan gerne angeboten wird, sollten erst Absolventen abschließen.

Studenten können also viel Geld sparen, wenn sie wenige Versicherungen abschließen – Nachteile müssen sie nicht befürchten. Dass Experten wie Helmut Gründl zu einem solchen Schritt raten, mag viele zunächst verwirren. Wird nicht ständig darauf hingewiesen, dass private Vorsorge- und Versicherungsleistungen immer wichtiger werden?

Der einfache Tipp hat einen ebenso einfachen Grund: Das wenige Geld, das Studierende zur Verfügung haben, sollten sie in ihre Ausbildung investieren – und sich nicht, wie bei Versicherungen, vertraglich mit finanziellen Belastungen binden, die sie womöglich gar nicht bezahlen können, wenn sie irgendwann ganz knapp bei Kasse sind. „Man sollte finanzielle Verpflichtungen als Student möglichst gering halten“, sagt Peter Schütt von der Berliner Verbraucherzentrale.

Dieser Meinung ist auch Ulrike Steckkönig, die bei der Stiftung Warentest für das Thema Versicherungen zuständig ist. Sie hat beobachtet, dass Studenten die gleichen Fehler beim Versicherungsschutz machen wie alle anderen auch: „Sie schließen eine Versicherung ab, nur weil gerade ein Vertreter auf der Matte steht.“ Ob der Abschluss sinnvoll ist, überlegten sie oft nicht.

Steckkönig rät Studenten, vor einem Abschluss mehrere Angebote zu prüfen und – wichtiger noch – einen unabhängigen Versicherungsmakler zu konsultieren, der nicht nur eine Gesellschaft vertritt. Manche Finanzdienstleister werben sogar damit, auf eine akademisches Klientel spezialisiert zu sein.Eine bessere Beratung gewährleisten sie nicht zwangsläufig, meint Steckkönig: „Die bekommen oft ein sehr kleines Grundgehalt und leben von der Provision ihrer Abschlüsse. Sie haben deswegen eher ihren eigenen Vorteil als den des Kunden im Blick.“

Und noch etwas können sich Studenten sparen: Übers Alter nachzudenken. Eine private Altersvorsorge schon vor dem Start in den Beruf abzuschließen, hält der Versicherungsprofessor Gründl für eine viel zu große Belastung der Studentenkasse. Und selbst wenn sie wollten, könnte es schwierig werden, sagt Peter Schütt von der Verbraucherzentrale: „Rentenprogramme mit einer Laufzeit über vierzig Jahre gibt es bei mir im Rechner gar nicht.“

Verbraucherzentrale & Co

Informationen zu Versicherungen und Finanzfragen

Wer Fragen zu Versicherungen oder Vorsorgeprogrammen hat, kann sich bei der Verbraucherzentrale Berlin persönlich beraten lassen. Die Beratung kostet zwanzig Euro. Bei bedürftigen Studenten entscheidet die Verbraucherzentrale von Fall zu Fall, ob sie den Rat Suchenden einen Teil oder den gesamten Betrag erlässt. Unter der Nummer 214 85 260 kann man sich jeden Donnerstag ab 9 Uhr einen Termin geben lassen. Die Verbraucherzentrale befindet sich in der Bayreuther Straße 40 in Schöneberg.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen veröffentlicht regelmäßig auf ihrer Webseite Checked4You Untersuchungen, bei denen Finanzprodukte auf ihre Tauglichkeit speziell für Studenten und junge Leute geprüft werden.

Regelmäßig bewertet auch die Stiftung Warentest Versicherungsanbieter und Finanzdienstleister. Die Ergebnisse werden ebenfalls im Internet veröffentlicht.

Für Studenten, die ins Ausland gehen, bietet das Akademische Auslandsamt speziell auf sie zugeschnittene Auslandskrankenversicherungen an.

Bei Fragen zu finanziellen Problemen hilft auch die studentische Sozial-Beratung der HU weiter. Die befindet sich in der Monbijoustraße 3 (Mitte), Raum 5. Die Sprechstunde ist mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Telefon: 2093-2145, E-Mail: beratung.allgemein@refrat.hu-berlin.de

Infos im Netz

www.verbraucherzentrale-berlin.de

www.checked4you.de

www.finanztest.de

www2.hu-berlin.de/aia/hu_studierende/auslandskrank.htm

www.refrat.de/beratung