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Hunger nach Ungewissheit

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

Hunger nach Ungewissheit

Warum eine Deutsche für ein Semester nach Spanien geht

Schon zu Beginn meines Studiums der Sozialwissenschaften vor zwei Jahren stand für mich fest, dass ich früher oder später ein Auslandssemester belegen möchte. Den Aufenthalt früh zu planen war auch gut so, denn die Bewerbungsverfahren sind relativ langfristig angelegt. Im Vordergrund stand dabei für mich, eine neue Sprache zu lernen, und dies lässt sich im regen Uni-Leben auf relativ einfachem Weg erreichen. Schon in Berlin habe ich am Sprachenzentrum der Humboldt-Uni jeweils einen Spanisch-Kurs im Semester belegt, und somit stand meiner Bewerbung um einen Platz in Barcelona eigentlich nichts mehr im Weg.

Die Stadt habe ich durch Freunde, die dort leben, zum ersten Mal kennen gelernt. Wer schon einmal dort gewesen ist, weiß wohl, welches schwer zu definierende Bauchgefühl mich in meiner Entscheidung beeinflusst hat. Außerdem bietet die Partneruniversität im Rahmen der Politikwissenschaften auch Jura-Kurse an. Das passt sehr gut zu meinem Studienschwerpunkt in Berlin. Als Erasmus-Student bekomme ich ein monatliches Stipendium, was allein natürlich nicht ausreicht. So habe ich im Vornherein viel gearbeitet und werde zudem von meinen Eltern unterstützt.

Eine Unterkunft in Barcelona zu finden, ist an sich nicht schwer, da nach jedem Semester viele Austauschstudenten kommen und gehen. Allerdings liegen die Mieten weit über dem studentenfreundlichen Durchschnitt in Berlin.

Besonders freue ich mich auf die vielen neuen Eindrücke und Menschen. Es reizt mich - ob im Kontakt mit Einheimischen oder anderen Austauschstudenten - so manches Vorurteil zu bereinigen, das man von Land und Leuten hat. Gerade als Austauschstudent repräsentiere ich sehr stark meine eigene kulturelle Herkunft und bin gespannt, wie "typisch deutsch" ich mich in der ein oder anderen Situation verhalten werde.

Letztendlich erscheint mir diese Aufgabe auch als wesentlich spannender als etwa ein Studienwechsel von Nord- nach Süddeutschland. Auf viele Aha-Momente habe ich mich schon eingestellt. Wer weltoffen und mobil sein will, lässt sich gern darauf ein. Ich habe mich entschieden, die goldene Mitte zwischen Schein-Erwerb und Leben einzuschlagen, denn schließlich lässt sich ein Semester im Ausland durch keine Vorlesungsreihe ersetzen.

So ist es also der Hunger nach ein bisschen mehr, der mich antreibt, einen neuen Lebensabschnitt ganz in Eigenregie und mit viel Ungewissheit zu gestalten. Einen Platz an der Sonne und die Aussicht auf ein ereignisreiches Jahr habe ich an meinem Studienort ja schon sicher!

Julia Czernitzky


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22.10.2004
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