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Juniorprofs - berufen aus Überzeugung

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

Juniorprofs - berufen aus Überzeugung

Von Hans-Jürgen Prömel

Juniorprofessur, ja danke! Das Bundesverfassungsgericht hat zwar im Juli die 5. Novelle des Hochschulrahmengesetzes und damit den neuen Karriereweg über die Juniorprofessur für "nichtig" erklärt. Doch die Humboldt-Universität hält auch weiterhin an dem Erfolgsmodell Juniorprofessur fest.

Die Fakten sprechen für sich: Die ersten beiden Juniorprofessoren der Humboldt-Universität, die im Mai 2002 ihr Amt antraten, haben bereits Rufe an andere renommierte Universitäten erhalten: Der Informatiker Anusch Taraz hat einen Ruf an die TU München auf eine C3-Professur angenommen. Der Mathematiker Peter Bank sitzt auf gepackten Koffern, um an die Columbia University zu gehen - beide unhabilitiert, Anfang 30 und nach nur knapp zweieinhalb Jahren als Juniorprofessoren.

Eine Umfrage unter den Juniorprofessoren der Humboldt-Universität bestätigt diese Sprungbrettperspektive: Nach durchschnittlich nur anderthalb Jahren haben bereits weitere sechs Juniorprofessoren einen Platz auf Berufungslisten für Lebenszeitprofessuren erzielt - einige von ihnen auch mehrere. Und dies, obwohl sich erst etwa ein Drittel bereits auf eine unbefristete Professur beworben hat. Für die kurze Laufzeit des Nachwuchsförderprogramms ist dies ein beachtlicher Erfolg. Umgekehrt hat die Humboldt-Universität mit der 35-jährigen Claudia Kemfert kürzlich erstmals eine Juniorprofessorin auf eine C4-Professur berufen.

Die Umfrage unter den Juniorprofessoren zeigte auch, dass alle Befragten diesen Berufsweg wieder einschlagen würden. 87 Prozent fühlen sich als Juniorprofessoren völlig selbstständig in Forschung und Lehre. Sehr zufrieden ist die Mehrheit der Juniorprofessoren aber auch mit der Unterstützung, die ihnen von Seiten der Humboldt-Universität entgegen gebracht wird. Im letzten Semester hat die Universität beispielsweise erstmals ein spezielles Weiterbildungsseminar zum Thema Zeitmanagement angeboten.

Umgekehrt ist die Humboldt-Universität sehr zufrieden mit ihren Juniorprofessoren. Die erfolgreiche Integration der jungen Kollegen in Forschungsprojekte wie die hohe Akzeptanz ihrer Lehre sind offensichtlich. Wesentlich für diese gute Bilanz ist, dass die Einführung der Juniorprofessur an der Humboldt-Universität eine Überzeugungstat war. Die positive Zwischenbilanz bestärkt uns auf diesem Weg. So hat die Universität in diesem Jahr beschlossen, Stellen für Juniorprofessoren im Strukturplan der Universität in einem Verhältnis zu Professoren von 1:4 zu verankern. Der nächste Schritt muss nun die Schaffung eines Tenure Track Systems sein. Denn ohne die Option, dass die besten dieser Wissenschaftler an der Humboldt-Universität bleiben können, ist das Modell der Juniorprofessuren auf Dauer weder für die Juniorprofessoren noch für die Humboldt-Universität interessant.

Der Autor ist Vizepräsident für Forschung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Umfrage im Internet:

www.hu-berlin.de/juniorprofessuren/JPUmfrage.pdf

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22.10.2004
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