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DER NACHWUCHS KOMMT: Kinder und Karriere

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

DER NACHWUCHS KOMMT: Kinder und Karriere

"Ich arbeite jetzt viel effektiver"

Prof. Elke Hartmann mit KindernJuniorprofessorin Elke Hartmann ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden. Einige Kollegen sind skeptisch.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Kind! Haben sich Ihre Kollegen genauso gefreut wie Sie?

Nein, das kann man nicht sagen. Einige schon, vor allem Frauen. Sonst ist mir aber eher Entsetzen entgegen geschlagen.

Warum?

Teils, weil die Kollegen sich um meine Karriere sorgen. Teils aus der Sorge, dass der Lehrplan nicht mehr in dem nötigen Umfang aufrechtzuerhalten ist, wenn ich ein halbes Jahr Elternzeit nehme.



Elke Hartmann mit Kindern (Foto: D. Ausserhofer)

Das klingt nicht so, als ob für eine junge Wissenschaftlerin Kinder und Karriere vereinbar sind.

Das wichtigste sind zuverlässige Partner, die für die Kinder da sind, wenn die Mutter nicht verfügbar ist: Vater, Oma, Tagesmutter, Babysitter. Ich habe mir eine meistens gut funktionierende Infrastruktur geschaffen, die eine lückenlose Betreuung möglich macht. Schwierig wird es , wenn jemand nicht nach Plan einspringen kann - und das ist ziemlich oft der Fall.

Die Bedenken, dass Wissenschaftlerinnen mit Kindern nicht voll leistungsfähig seien, halten sich dennoch hartnäckig.

Seit ich Kinder habe, bin ich besser organisiert: Ich plane meine Arbeitszeit im Voraus und habe ständig eine Prioritätenliste im Kopf. Ich arbeite viel effektiver als in der Zeit, in der ich mich nicht mit meiner Familie abstimmen musste. Natürlich ist dieses ständige Bemühen, die verfügbare Arbeitszeit voll auszunutzen, auch anstrengend. Manchmal fühle ich mich wie ein Roboter: Da bleibt oft keine Zeit für ein Schwätzchen mit Kollegen.

Kann es sein, dass das Atmosphärische im Unialltag oft vernachlässigt wird?

Es ist schon vorgekommen, dass mir Kollegen mit süffisantem Lächeln einen "schönen Feierabend" gewünscht haben, wenn ich um 16.15 Uhr aus dem Büro stürzte, um meinen Sohn aus dem Kindergarten abzuholen. Die wissen nicht, dass ich dann in der Regel noch zwei "Schichten" vor mir habe: Spielen, Essen machen, Kinder ins Bett bringen, danach wieder Schreibtisch, bis es wirklich nicht mehr geht.

Wie könnte die Universität Mütter besser unterstützen?

Unnötig zeitintensive Gremiensitzungen machen mich inzwischen richtig ärgerlich, vor allem, wenn sie erst ab 18 Uhr stattfinden. Es gibt Wochen, da sehe ich meine Kinder mehrere Tage hintereinander eigentlich nur morgens. Eine Art Ikea-Kinderparadies in der Uni wäre da gut, wo man die Kinder für zwei Stunden hinbringen könnte. Aber das ist wohl nur eine Phantasie, die nicht durchführbar ist.

Was muss sich noch ändern?

Vor allem die Einstellung vieler Kollegen. Viele arbeiten eigentlich ununterbrochen und denken: Wissenschaft betreibt man nur dann ernsthaft, wenn man sich 24 Stunden am Tag mit einem Thema beschäftigt. Das habe ich auch getan, bevor ich Kinder hatte. Inzwischen schätze ich die Auszeiten, zu denen mich die Familie zwingt. Am Wochenende arbeite ich gar nicht, sondern genieße die Zeit mit der Familie. Ich bin dennoch davon überzeugt, dass ich wissenschaftlich nicht weniger leiste als in der Zeit ohne Kinder.

Wird Ihnen die Doppelbelastung manchmal auch zu viel?

Ab und zu kämpfe ich mit einem schlechten Gewissen: In der Uni, weil ich nicht bei den Kindern bin, auf dem Spielplatz, weil ich nicht bei der Arbeit bin. Die Fähigkeit, Familiäres und Berufliches ohne schlechtes Gewissen zu delegieren, muss ich noch verbessern. Doch bis ich das geschafft habe, sind die Kinder wahrscheinlich schon aus dem Haus.

Die Fragen stellte Cornelia Raue.

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22.10.2004
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