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Kuba? Deutschland!

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
22.10.2004

Kuba? Deutschland!

Warum ein Amerikaner schon ein Jahr länger als geplant in Berlin studiert

Eddie BruceEigentlich wollte ich nur ein normales Studienjahr im Ausland machen. Nun lebe und studiere ich seit über zwei Jahren in Berlin - und gleich vorneweg: Es gefällt mir sehr gut hier, ich liebe Berlin. Nach meinen B.A.-Abschluss in den USA studiere ich nun an der Humboldt-Universität Europäische Ethnologie und werde bald meine Magisterarbeit beginnen. Dass ich hierher gekommen bin, war ein bisschen Zufall. Eigentlich wollte ich zuerst nach Kuba, weil ich besser Spanisch als Deutsch konnte. Aber als Amerikaner dort ein Visum zu bekommen, ist sehr kompliziert. Und da ich auch zu Hause schon von Berlin und der Humboldt-Universität gehört hatte, bin ich schließlich hier gelandet.

Das Studium hier ist schon ziemlich anders als in der USA - man ist freier, der Leistungsdruck auf die Studenten ist nicht so groß. Das liegt allein schon daran, dass das Studieren hier nicht soviel Geld kostet. Auch Wohnen und das Leben an sich sind wesentlich günstiger als beispielsweise in New York.

"Zu mir passt eine deutsche Uni,
denn ich arbeite gern selbständig"
Eddie Bruce-Jones, Gaststudent
(Foto: B. Prusowski )

Das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten ist hier anders und prinzipiell nicht so eng wie in den USA - auch wenn ich das Glück habe, an einem kleinen und sehr familiären Institut mit sehr netten Professoren zu sein.

Ein DAAD-Stipendium war am Anfang ein gutes Fundament. Jetzt bin ich froh, dass ich mit meinem HiWi-Job, Übersetzungen und Sprachunterricht gut über die Runden komme. Zu mir persönlich passt das deutsche Studiensystem sehr gut, denn ich arbeite gerne selbstständig. Wer aber stärkere Strukturen braucht und die Sprache nicht spricht, für den ist die Umstellung hier gar nicht so leicht.

Berlin ist eine tolle und weltoffene Stadt, aber wegen meiner Hautfarbe hatte ich hier leider auch einige unschöne Erlebnisse. Pöbeleien in der U-Bahn, Nebenjobs, die mir ganz direkt mit Verweis auf meine Hautfarbe verwehrt wurden. Leute fragen mich oft, wann ich wieder nach Hause fahre - wäre ich Afro-Deutscher und Deutschland meine Heimat, ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer tolerieren könnte.

Es gab auch positive Überraschungen: Berlin ist eine so große Stadt, trotzdem habe ich mich relativ sicher gefühlt. Dazu kommen die vielen netten Menschen, die ich an der Uni und darüber hinaus kennen gelernt habe. Auch ich hatte meine Stereotypen und Vorurteile über Deutschland - viele sind widerlegt worden.

Aufgezeichnet von Philip Kusch.

Eddie Bruce-Jones wurde jetzt zum DAAD-Preisträger gekürt.


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22.10.2004
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