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Selbstverständlich international

Fotos: B. Prusowski, privat (1)
 Dotse Yigbe
Seit zwei Jahren habe ich Kontakt zu Wissenschaftlern am Seminar für Afrikawissenschaften. Anders als an anderen Universitäten finden hier Lehrveranstaltungen sowohl über die englischsprachige als auch die französischsprachige afrikanische Literatur statt. Das ist etwas Besonderes. Nun für ein Jahr an der HU zu forschen, ist eine schöne Erfahrung. Unter anderem deshalb, weil hier um 1920 der Afrikaforscher Dietrich Westermann gelehrt hat. Er hat nach Aufenthalten in Togo ein Wörterbuch Ewe-Deutsch/Deutsch-Ewe verfasst. Auf seine gesammelten Schriften stütze ich mich bei meinen Untersuchungen über die Schriftsprache meines Landes. Dass ich mich am Institut mit Kollegen aus Nigeria und Südafrika austauschen kann, freut mich sehr. In Lomé sind solche Kontakte eher unwahrscheinlich.

Dotse Yigbe wurde in Togo geboren. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung untersucht er, welchen Einfluss deutsche Missionare in Togo bei der Entstehung einer Schriftkultur hatten.

An die HU gekommen bin ich, weil ich hier genau das Arbeitsgebiet gefunden habe, das ich immer machenIngeborg Baldauf wollte: Sprachen und Kulturen Mittelasiens. Als wenig später das Zentralasien-Seminar gegründet wurde, entstand ein Studienbereich, der weltweit wohl einmalig ist. Dessen Expertise ist auch auf politischer Ebene gefragt. Wir arbeiten zum Beispiel daran mit, dass ehemalige Minderheitensprachen in Afghanistan zu Staatssprachen weiter entwickelt werden. Die Universität hat uns sehr dabei unterstützt, hervorragende Lehrkräfte aus der Mongolei, Tibet oder Tadschikistan anzuwerben. Mehr als die Hälfte unserer Studierenden und zwei Drittel meiner Kollegen kommen aus dem Ausland. Leider macht es die Politik Wissenschaftlern und ihren Familien schwer, nach Deutschland einzuwandern – und erwartet zugleich, dass die Hochschulen mit internationalem Personal punkten.

Ingeborg Baldauf wurde in Österreich geboren. Seit 1995 lehrt die Wissenschaftlerin an der HU.

Mihyun Kang Ich bin direkt nach der Promotion aus Südkorea an die HU gekommen. Hier forschen Experten meines Fachgebietes, das sich sowohl mit Problemen der diskreten Mathematik als auch der theoretischen Informatik befasst. Ich kannte Deutschland nur von einem Kurzurlaub. Ich sprach Englisch, aber nur ein wenig Deutsch. Mittlerweile debattiere ich mit Studierenden und Kollegen in beiden Sprachen. Dass ich in meinen Vorlesungen nur wenige Frauen sehe, hat mich überrascht. In Korea ist Informatik auch bei Studentinnen sehr beliebt, weil Absolventen beste Jobchancen haben. Ähnliches gilt für die Mathematik. Internationalität spielt bei uns eine große Rolle. An der internationalen Graduiertenschule „Method for Discrete Mathematics“ zum Beispiel begegnen sich Doktoranden und Experten aus aller Welt.

Mihyun Kang promovierte am Korea Advanced Institute of Science and Technology. Seit 2001 lehrt und forscht die Südkoreanerin am HU-Institut für Informatik.

Michael C. Burda Als ich 1993 an die HU gekommen bin, war eine Mischung aus persönlichen Gründen und wissenschaftlicher Neugier im Spiel. Den politischen und ökonomischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa und den deutschen Wiedervereinigungsprozess zu beobachten, war für mich unwiderstehlich. Von Anfang an hatten wir in der Volkswirtschaftslehre sehr viele ausländische Studierende. Seit mehreren Jahren sorgt ein internationales Masters-Programm dafür, dass auf Englisch gelesen wird. Das ganze Hauptstudium findet in englischer Sprache statt. Die deutschen Studierende halten es für eine Selbstverständlichkeit – weil sie selber im Ausland waren oder ins Ausland gehen werden. Unsere Absolventen sind außerdem international tätig, vor allem jene, die eine wissenschaftliche Laufbahn gewählt haben.

Michael C. Burda, Professor für Wirtschaftstheorie, ist in den USA geboren und lehrte an führenden Wissenschaftseinrichtungen in Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Fotos: B. Prusowski, privat (1)