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„Das System Bachelor ist gerechter“

So bewerten Absolventen die neuen Studiengänge

„Ein vorgegebener Stundenplan – grauenhaft“, dachte sich Sabine Krause, als sie ihren Bachelor-Studiengang Erziehungswissenschaften zum Wintersemester 2002/03 begann. Sie hätte sich ihren akademischen Tagesablauf lieber selbst zusammengestellt. Es folgten sechs intensive Semester. „Wir mussten elf Module studieren, das bedeutet 11 Modulprüfungen und ein beziehungsweise zwei Zwischenprüfungen in sechs Semestern, die alle für die Endnote relevant sind“, erinnert sie sich. „In den ersten Semestern hatte jeder von uns etwa 170 Seiten Fachtexte wöchentlich zu lesen, die Veranstaltungen vor- und nachzubereiten, Referate und Hausarbeiten zu schreiben und – so ganz nebenbei – noch ein oder zwei Nebenfächer zu studieren.“

Doch auch wenn der Arbeitsaufwand weit intensiver ist als in den alten Studiengängen, viele Studierende können dem neuen System gerade deshalb auch viel Positives abgewinnen. „Das alte System, bei dem Vieles auf Freiwilligkeit beruht, verleitet zum Verschleppen“, sagt Katharina Scherber, die am Geographischen Institut ihren Bachelor gemacht hat. Die Anwesenheitspflicht wie auch die Tatsache, dass jedes Modul mit einem Leistungsnachweis abgeschlossen wird, motivierte die Studentin, die vom Diplom- zum Bachelor-Studiengang wechselte. Auch die Studierbarkeit bewertet Scherber positiv. Die Organisation von Kernfach und ihrem Nebenfach Biologie sei machbar gewesen.

„Das Bewertungssystem im Bachelor-Studiengang ist gerechter als in den Diplomstudiengängen“, findet Rainer Lissewski, ebenfalls Bachelor-Absolvent in der Geografie. „Jede Note, die man während des Studiums erhält, fließt auch in die Endbewertung ein, beim Diplom zählt nur die Diplomnote.“ Schon kurze Zeit nach seinem Bachelor-Abschluss hat der Geograf einen Job als Gewässerökologe bekommen. Geärgert habe er sich über überfüllte Seminare. „Um in der Regelstudienzeit fertig zu werden, musste ich aus Platzgründen manchmal auch Seminare belegen, die ich nicht so relevant fand.“

„Europaweit vergleichbare Studiengänge und der erste Abschluss bereits nach sechs Semestern möglich! Ich war gleich vom Bologna-Prozess begeistert“, sagt Heike Delling. Als die Landwirtschaftlich-Gärtnerische-Fakultät (LGF) als erste an der Universität die Einführung der neuen Studiengänge vorbereitete, hat sie diesen Prozess als studentische Vertreterin in der Ausbildungskommission der Fakultät begleitet. Mittlerweile ist sie von der Praxis nicht immer überzeugt, zweifelt aber nicht daran, dass „Bologna“ der richtige Weg ist. „Die Agrar-Studiengänge sind schon deutschlandweit so unterschiedlich, dass ein Semester an einer anderen Uni oder auch im Ausland ohne Zeitverslust kaum zu bewerkstelligen ist“, kritisiert die Master-Absolventin. Damit werde aber das eigentliche Ziel von Bologna unterlaufen. Auch findet sie nicht jedes Fach Bachelor-tauglich, beispielsweise die Lehrerausbildung. „Für eine Berufschullehrerin mit Bachelor-Abschluss im Fach Gartenbau gibt es kein Berufsfeld.“ Ljiljana Nikolic