Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Wenn der Kommilitone Dozent wird

Für Projekttutorien gibt es Tariflohn

Engagement ist gut. Und wenn es dafür noch einen tariflichen Stundenlohn gibt, umso besser. Wem lange Sitzungen in Fachschaftsräten und Hochschulgruppen auf Dauer nicht reichen, wer aber trotzdem seinen Kommilitonen ein bestimmtes Thema näher bringen will, der kann sich selbst zum Dozenten machen. Mit eigenem Seminarraum, Literaturlisten und einem Hinweis im Vorlesungsverzeichnis: Projekttutorien sind von Studierenden organisierte Lehrveranstaltungen, in denen weitestgehend selbstbestimmt gelehrt und gelernt werden soll.

Die jungen Dozenten bekommen fast elf Euro Stundenlohn. Thema der Seminare kann alles sein, was sich in den regulären Veranstaltungen der Professoren und Dozenten nicht wiederfindet und wissenschaftlichen Standards genügt.

Genehmigt werden Projekttutorien, wenn sie vertiefend auf ein interdisziplinäres Thema eingehen. Die Studenten müssen sich vorher selbst nach Räumen und Lehrmitteln erkundigen, die Unileitung segnet die Veranstaltungen dann ab. Bei der Interessenvertretung der Studierenden, dem ReferentInnenrat, sind Projekttutorien beliebt: „Hier könnt Ihr Euren Fragen und Eurer Kreativität Ausdruck verleihen sowie Themen erarbeiten, die an Euren Instituten zu kurz kommen“, teilt der Refrat mit. Studierende, die im Sommersemester 2009 mit einem Projekttutorium starten möchten, können bis zum 14. November dieses Jahres Anträge in der „Unterkommission Projekttutorien“ der Studienabteilung einreichen.

Dort ist Alexandra Fettback für die Betreuung der Seminare zuständig. „Meist sind die Projekttutorien spezieller als die Seminare der Professoren“, sagt Fettback. 24 Lehrveranstaltungen laufen jedes Semester. Meist wurden aber mehr als doppelt so viele im Vorfeld beantragt.

Häufig begeistern sich Studierende so sehr für bestimmte Themen, dass sie mehr erfahren wollen, als in den regulären Seminaren behandelt wird. „Mich haben die DDR und die Flucht in den Westen schon seit langem interessiert“, sagt Jana Reimann-Grohs, die im 7. Semester Europäische Ethnologie studiert. Um sich dem Thema zu nähern, hat sie im vergangenen Semester ein Projekttutorium zum Berliner Aufnahmelager Marienfelde organisiert: „Im Westen angekommen? Das Notaufnahmelager Marienfelde als Zwischenstation.“

Projekttutorien seien gerade bei politisch interessierten Studenten beliebt, heißt es beim Refrat. Durch die Bachelorstudiengänge bleibe kaum noch Zeit für Ehrenämter. Deshalb sei es umso besser, dass Projekttutorien von der Unileitung belohnt werden: Die Teilnahme wird als Studienbaustein anerkannt. Ihr Seminar würde Jana Reimann-Grohs aber auch so nicht vergessen: Demnächst soll es ein kleines Buch mit Zeitzeugen-Interviews aus Marienfelde geben. hah

Mehr im Internet: