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Abb.: Philipp Plum

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„Mehr Präsenzlehre und mehr persönlicher Austausch”

Wie die Planungen für das Wintersemester aussehen, darüber gibt Eva Inés Obergfell, Vizepräsidentin für Lehre und Studium, im Interview Auskunft.

 

 

Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Obergfell

Prof. Dr. Obergfell, Vizepräsidentin für Lehre
und Studium, Foto: Matthias Heyde 

Frau Obergfell, Sie haben an der Humboldt-Universität ein Konzept für die Lehre im Wintersemester 2021/2022 vorgelegt. Was sind die wesentlichen Punkte des Konzepts?

Prof. Dr. Obergfell: Im Fokus des Konzepts steht die Ermöglichung von unterschiedlichen Präsenzangeboten, insbesondere unter dem Stichwort Blended Learning. Wir wollen für das Wintersemester wieder wesentlich mehr Präsenzlehre und mehr persönlichen Austausch. Wir wollen unsere Universität nach drei pandemiebedingt weitgehend digitalen Semestern wieder öffnen. Dafür sehen wir sowohl klassische Präsenzlehrveranstaltungen in kleinen bis mittelgroßen Lehrveranstaltungen vor als auch Formate, die nur zu ausgewählten Terminen im Semester Präsenzelemente beinhalten. Wichtig ist mir, dass wir damit vor allem Lehrveranstaltungen in Präsenz stattfinden lassen, in denen der direkte Austausch essentiell ist – wie etwa Forschungskolloquien für Studierende, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Mit unseren Planungen möchten wir insbesondere auch allen Studierenden, die unsere Universität in ihrem Studium wegen der Pandemie noch nicht betreten konnten, ein Angebot vor Ort auf unserem Campus an den drei Standorten der Humboldt-Universität unterbreiten.

Wir werden jedoch dort, wo es didaktisch sinnvoll und mit Blick auf noch immer erforderliche, pandemiebedingte Faktoren notwendig ist, weiterhin auch digitale Angebote bereithalten. Dazu gehören zum Beispiel einzelne Teile von Modulen, die wir für all diejenigen Studierenden digital anbieten möchten, die aus verschiedenen Gründen nicht vor Ort sein können – z.B. internationale Studierende oder nichtgeimpfte Studierende aus Risikogruppen.

Warum planen Sie zur Zeit nicht für ein vollständiges Präsenzsemester, wenn momentan fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens wieder geöffnet werden?

Obergfell: Die Humboldt-Universität öffnet auch – sowohl ganz aktuell im Sommersemester als auch noch weitaus mehr im kommenden Wintersemester. Allerdings müssen wir mit Blick auf die Organisation des Wintersemesters eine gewisse Vorbereitungszeit bedenken. Unsere Lehrplanung muss jetzt erfolgen, da sie gut durchdacht und austariert sein will und bis zum 1. August feststehen muss. Dann nämlich wollen wir unsere Studierenden konkret darüber informieren können, welche Lehrveranstaltung wann und wie stattfindet. Das ist wichtig, damit die Studierenden noch genügend Zeit haben, ihren individuellen Stundenplan zu erstellen, wieder hier nach Berlin anzureisen und ggfs. auf Wohnungssuche zu gehen.

Während wir aber jetzt planen müssen, liegen uns zugleich nicht ausreichend belastbare Informationen zum Pandemieverlauf vor – z.B. über den Fortschritt der Impfkampagne (insbesondere unter Studierenden) und die Entwicklung der Infektionszahlen im Herbst. Ich denke da auch an die unsicheren Aussagen, die wir momentan zur Verbreitung und Auswirkung der Delta-Variante und möglichen weiteren Mutationen haben. 

Deswegen gehen wir aktuell davon aus, dass wir uns auch im Wintersemester noch an Abstandsregelungen halten müssen. Schon allein, weil diese Abstandsvorgaben unsere Raumkapazitäten aber erheblich einschränken, können wir zu diesem Zeitpunkt kein komplettes Präsenzsemester planen. Das Konzept halte ich vor diesem Hintergrund insgesamt für einen verantwortungsvollen und dennoch optimistischen Weg zur Ermöglichung von mehr Austausch und Begegnung vor Ort an unserer Universität.

Was machen Sie, wenn sich der Pandemieverlauf ändert?

Obergfell: Dafür haben wir in unserem Konzept zwei weitere Szenarien vorgesehen, für die wir ebenfalls Vorkehrungen treffen. Das eine Szenario betrifft den Fall einer unwahrscheinlichen, aber z.B. angesichts der Verbreitung von neuen Mutationen nicht auszuschließenden extremen Verschlechterung des Pandemiegeschehens. Dafür sehen wir digitale Rückfallkonzepte vor. 

Das andere, glücklichere Szenario, das wir zum jetzigen Zeitpunkt leider aber ebenfalls noch für unwahrscheinlich halten, betrifft einen sehr positiven Pandemieverlauf mit niedrigen Inzidenzzahlen, einer hohen Impfquote unserer Hochschulmitglieder (vor allem bei den Studierenden) zum Beginn des Wintersemesters sowie einer Aufhebung des erheblich beschränkenden Pandemiebetriebs, d.h. auch einer Aufhebung der Abstandsgebote. In diesem Fall können die durch die Aufhebung von Abstandsregelungen frei werdenden Raumkapazitäten genutzt werden, um noch mehr Präsenzveranstaltungen zu ermöglichen. Gegebenenfalls können dann auch vermehrt große Vorlesungen, dort wo es wünschenswert und organisatorisch möglich ist, wieder vollständig in Präsenz stattfinden.

Werden alle Veranstaltungen hybrid angeboten?

Obergfell: Nein, ganz im Gegenteil. Ein hybrides Lehrangebot im Sinne von Lehrveranstaltungen, die gleichzeitig vor Ort besucht und live gestreamt werden können, ist technisch in der Breite nicht umsetzbar. Dieses Angebot kann nach meiner Kenntnis keine Hochschule mit technisch hinreichender Qualität gewährleisten. Auch aus didaktischer Sicht sind solche hybriden Veranstaltungen wenig sinnvoll, da die Austauschmöglichkeiten zwischen denjenigen, die sich im Hörsaal befinden, und denjenigen, die den Stream von anderen Orten verfolgen, extrem beschränkt und umständlich sind. Um in Ausnahmefällen dennoch ein paar hybride Formate zu ermöglichen bzw. um die Aufzeichnungsmöglichkeiten von Lehrveranstaltungen zu verbessern, haben wir einige Hörsäle entsprechend aufgerüstet und bieten auch ein paar mobile Sets an. Es wird sich dabei aber nur um sehr wenige und eher kleinere Lehrveranstaltungen handeln.

Was bedeutet der Fokus  auf „Blended Learning“ konkret?

Obergfell: Das bedeutet, dass wir auf intelligente Weise digitale Lehre und Präsenzlehre verknüpfen. Wir möchten mit einem verstärkten Präsenzangebot genau diejenigen Elemente von Lehrveranstaltungen in den Fokus nehmen, bei denen der persönliche Austausch besonders wichtig ist und die deswegen vor Ort durchgeführt werden sollen. Je nach Veranstaltungsart kann es dabei sinnvoll sein, Präsenzsitzungen z.B. alle zwei Wochen stattfinden zu lassen. Es kann im jeweiligen Einzelfall didaktisch aber genauso sinnvoll sein, nur eine Sitzung oder mehrere Blocksitzungen im Semester zum Austausch vor Ort anzubieten und den Rest mit didaktisch gut konzipierten digitalen Angeboten zu gestalten. Dies birgt – wie auch Erfahrungsberichte beim HUMBOLDT-Tag der Lehre 2021 gezeigt haben – viele Vorteile zum flexiblen Lernen für Studierende, insbesondere dann, wenn Lerninhalte im eigenen Tempo und der Möglichkeit zum wiederholten Abrufen angeboten werden. 

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