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Wie die Intensität der Mimikry und Empathie zusammenhängen

Dr. Hanna Drimalla hat den Dissertationspreis Adlershof 2019 erhalten und erforschte in ihrer Dissertation, wie die Intensität der Mimikry, der Nachahmung eines Gesichtsausdrucks, und Empathie zusammenhängen.

Wer mit dem Dissertationspreis Adlershof ausgezeichnet wird, entscheidet sich erst nach einem Vortrag vor Laienpublikum: Wer konnte seine Forschung am anschaulichsten, am lebendigsten, am fesselndsten den Laien vermitteln? Auf der Veranstaltung im Februar trat Hanna Drimalla neben zwei anderen Anwärtern auf den Preis an. Auf die verständliche Darstellung von Forschungsergebnissen war sie da längst gut vorbereitet: Während ihres Studiums hatte sie jahrelang wissenschaftsjournalistisch gearbeitet. „Ich finde Wissenschaftskommunikation extrem wichtig“, sagt die 33-Jährige, „gerade in Zeiten von Fake News und Populismus. Man sollte möglichst früh anfangen, Forschung zu vermitteln, Zusammenhänge verständlich zu machen und Chancen und Risiken bedacht zu erklären. Dann hätten wir vielleicht auch weniger absurde Diskussionen mit Klimawandelleugnern oder Impfgegnern.“ Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz, in dem sie forscht, gebe es „viel Hype und viele Ängste und Sorgen.“

Hanna Drimalla ist Psychologin und Informatikerin. Während ihres Informatik-Studiums hatte sie früh bemerkt, dass es viele Möglichkeiten gibt, Methoden der Informatik für die Psychologie zu nutzen. „Das wird aber noch erstaunlich wenig gemacht“, sagt sie. In ihrer Dissertation hat sie die beiden Bereiche miteinander verknüpft: Mensch und Maschine. Ihre Doktorarbeit hat sie am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität verfasst. Sie erforscht darin, wie die Intensität der Mimikry, also der Nachahmung eines Gesichtsausdrucks, und Empathie zusammenhängen. Fühlen Menschen, die Trauer, Freude oder Verzweiflung anderer nachahmen, auch stärker mit ihnen? Und umgekehrt: Spiegeln diejenigen, die mehr mitempfinden, das auch intensiver in ihrem Gesichtsausdruck wider?

Welchen Gesichtsausdruck zeigen Menschen in einer Unterhaltung?

In ihren Studien konnte sie einen Zusammenhang nachweisen: „Menschen, die den Gesichtsausdruck stark nachahmen, fühlen stärker mit dieser Person mit und sind auch besser im Emotionenerkennen.“ Dazu hat Hanna Drimalla die Muskelaktivität der Probanden gemessen und computerbasierte Verfahren eingesetzt: Sie hat die Menschen gefilmt und dann den Gesichtsausdruck automatisiert analysieren lassen. Das hat sie auch bei Menschen im Autismusspektrum gemacht, die häufig Schwierigkeiten im Emotionenerkennen haben. „Wir haben festgestellt: Diese Menschen zeigen auch eine andere Mimikry. Wir haben sie dann aufgefordert, bewusst Mimikry zu machen, um zu sehen, ob ihnen das beim Emotionenerkennen helfen könnte. Aber das war nicht der Fall, es war eher störend.“

Im Rahmen ihrer Promotion hat die Wissenschaftlerin zwei Tests entwickelt. Der eine misst, wie gut jemand Emotionen erkennen kann, der andere misst das Interaktionsverhalten. Sie hat untersucht: Welchen Gesichtsausdruck zeigen Menschen in einer Unterhaltung? Wie ist ihr Blickverhalten? Wie klingt ihre Stimme? „Das haben wir dann computerbasiert analysiert, und daran konnten wir bei der Mehrheit der Teilnehmer feststellen, ob sie im Autismusspektrum sind oder nicht. Was mich dabei überrascht hat: Die Genauigkeit der Computer war vergleichbar mit der von Psychotherapeuten, die sich die Videos angeschaut haben.“ Hanna Drimalla will mit diesem Verfahren den Prozess der Autismus-Diagnostik, der sehr komplex ist und viel Expertise erfordert, stärker standardisieren und leichter zugänglich machen. „Natürlich ersetzt so ein Test kein mehrstündiges diagnostisches Gespräch“, meint die Wissenschaftlerin, „aber er kann ein hilfreiches Werkzeug sein.“

Obwohl die Herangehensweisen der beiden Disziplinen Psychologie und Informatik sehr unterschiedlich sind, könne es gelingen, gemeinsame Projekte zu stemmen. „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Psychologische Phänomene genauer, und standardisiert automatisch messen zu können und sie dadurch besser zu verstehen, fand ich extrem spannend.“ Aktuell arbeitet Hanna Drimalla als Postdoktorandin am Digital Health Center des Hasso-Plattner Instituts der Universität Potsdam, ihr Schwerpunkt ist Digital Mental Health. Die Methoden ihrer Promotion entwickelt sie dort weiter, um psychische Risikofaktoren wie Stress und Einsamkeit besser automatisch erkennen zu können.

Autorin: Vera Görgen

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Dissertationspreis Adlershof 2019 verliehen

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