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Abb.: Philipp Plum

Presseportal

Semesterstart: Studium mit Beeinträchtigung

Interview mit Rike Braden, Beraterin für Studierende mit Beeinträchtigung an der HU

Das Team "Studium mit Beeinträchtigung" hilft Studierenden, Schüler:innen und Studieninteressierten mit Beeinträchtigung. Die Beratung findet vertraulich sowie auf Wunsch anonym statt; die Mitarbeiter:innen unterliegen dem Datenschutz und der Verschwiegenheitspflicht. Rike Braden ist Beraterin an der HU für Studierende mit Beeinträchtigung.

An wen richtet sich das Hilfsangebot?

Rike Braden: Beeinträchtigung ist ein sehr weiter Begriff, der den Begriff Behinderung mit einschließt. Wir haben uns für Beeinträchtigung entschieden, da wir festgestellt haben, dass sich viele Studierende bei Behinderung nicht verorten können. Uns ist es wichtig, klar zu machen, dass wir uns nicht nur auf körperliche Beeinträchtigungen beziehen, wie bspw. Personen, die einen Rollstuhl nutzen oder blinde Personen. Denn körperlich sichtbare Beeinträchtigungen machen den kleinsten Anteil unserer Zielgruppe aus. Viel öfter wirken sich chronische und psychische Erkrankungen studienerschwerend aus. Laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks haben elf Prozent der Studierenden eine studienerschwerende Beeinträchtigung. Über 50 Prozent davon sind psychische Erkrankungen.

Wie wird den Studierenden von euch geholfen?

Rike Braden: Wir beraten vor allem zum Nachteilsausgleich. Das ist eine Möglichkeit, die Studierende sowohl bei Studienleistungen als auch bei Prüfungsleistungen in Anspruch nehmen können. Für letztere muss ein Antrag gestellt werden. Eine Prüfung soll so abgelegt werden können, dass es für alle chancengleich ist. Wenn jemand bspw. Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund einer Beeinträchtigung hat, könnte eine Schreibzeitverlängerung hilfreich sein und kann beantragt werden. Die Möglichkeiten sind hier bewusst offen gehalten und werden individuell angepasst. Jedoch stellt lediglich ein Drittel der Studierenden, die einen Anspruch darauf hätten, überhaupt einen Antrag. Der Nachteilsausgleich ist aber nur das zweitbeste Instrument, weil es natürlich am besten ist, wenn die Lehre so inklusiv gestaltet wird, dass ein Nachteilsausgleich gar nicht notwendig ist.

Außerdem beraten wir Studieninteressierte zum Härtefallantrag und, zusammen mit der Beratungsstelle Barrierefrei Studieren vom studierendenWERK Berlin, zu Integrationshilfen. Das können technische Hilfen, wie Sprachprogramme oder Laptops mit bestimmten Funktionen, Büchergeld, Gebärdensprachdolmetscher:innen oder auch eine Studienassistenz sein.

Welche Veränderungen gab es durch Corona bei Eurer Arbeit?

Rike Braden: Die Umstellung auf die Online-Beratung hat anfangs etwas gedauert, wird aber mittlerweile gut angenommen. Dabei gibt es natürlich auch Vorteile, wie die Ortsunabhängigkeit z.B. Dadurch gibt es weniger Barrieren für bestimmte Personen, die zu uns kommen möchten. Andererseits ist die Anmeldung per Mail und Durchführung über Zoom eine neue Barriere, da sie Personen ausschließt, die nicht die technischen Möglichkeiten haben. Eine anonyme Beratung ist derzeit noch besser möglich, wobei diese zuvor auch schon in unseren Telefonsprechstunden möglich war.

Welche Barrieren gibt es in der Online-Lehre?

Rike Braden: Es gibt Studierende, die total gut mit der digitalen Lehre klar kommen und sagen, dass diese sogar Barrieren abbaut. Gerade asynchrone Formate werden sehr gern angenommen. Aber für viele ist es auch schwieriger geworden, bspw. durch die stundenlange Arbeit vor dem Bildschirm.

Für die gehörlosen Studierenden ist es ein großes Problem, wenn die Dolmetscher:innen nicht im selben Raum sind. Bei der Übertragung gibt es oft eine Verzögerung, die es schwer macht, den Inhalten zu folgen. In der Regel wird auch zu zweit gedolmetscht, das heißt, dass die Dolmetscher:innen sich über die Kameras abwechseln müssen. Im kommenden Semester sollen nun auch Untertitel verstärkt zum Einsatz kommen.

Generell ist die Verunsicherung über das kommende Semester das größte Problem derzeit. Für eine inklusivere Online-Lehre sollten mehr Klarheit geschaffen und mehr Formate angeboten werden.

Die Fragen stellte Cosima Kopp.

Weiter Informationen

Studium mit Beeinträchtigung

Veranstaltungen

  • Psychisch fit studieren – Interaktives Online-Forum am 18. November 2020, 16 bis 17.20 Uhr – in Zusammenarbeit mit dem Verein „Irrsinnig Menschlich e.V.“ und dem Team "Studium mit Beeinträchtigung" der HU

Veranstaltunge für Neuimmatrikulierte

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