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Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Forschen & lehren | Arbeiten im Homeoffice: „Man sollte im Bett keine E-Mails checken“

Arbeiten im Homeoffice: „Man sollte im Bett keine E-Mails checken“

by Ljiljana Nikolic posted on 03.04.2020 09:15 last modified 06.08.2020 11:18

Die Arbeitspsychologin Prof. Dr. Annekatrin Hoppe beschäftigt sich mich mit der Frage, wie Menschen bei der Arbeit gesund und motiviert bleiben können. In einem BMBF-Projekt hat sie ein Online-Tool entwickelt, das Beschäftigten bei der Arbeit im Homeoffice hilft.

Frau Hoppe, wie priorisiert man seine Aufgaben angesichts von der zurzeit nahezu unmöglichen Trennung zwischen Privatem und Dienstlichem?

Zunächst einmal ist es wichtig, Zeiten für die Arbeit und die Freizeit festzulegen und den Tag gut zu strukturieren. Das machen uns die Schüler*innen im home schooling mit ihren Stundenplänen gerade gut vor. Für die eigene Arbeitszeit kann helfen, jeden Abend einen Plan für den nächsten Tag zu erstellen und Zeiten für die Aufgabenbearbeitung festzulegen. Dabei ist es wichtig zu schauen, welche Aufgaben eine hohe Priorität haben und was warten kann. Gerade wenn – so wie jetzt – sehr viele E-Mails eingehen, weil Diskussionen per E-Mail geführt werden oder ständig neue Informationen eintreffen, kann man die wichtigen Aufgaben leicht aus den Augen verlieren.

Eine klassische Methode aus dem Zeitmanagement ist die „Eisenhower Methode“, bei der man lernt, Aufgaben zu priorisieren. Aufgaben, die wichtig und dringlich sind (sogenannte A-Aufgaben), sollte man mit Priorität bearbeiten. Aufgaben, die weder wichtig noch dringend sind (sogenannte D-Aufgaben), kann man ruhig eine Weile liegen lassen. Das ist im Homeoffice genauso wichtig wie im Büro.

 

Wie richtet man seinen Arbeitsplatz im Homeoffice ergonomisch ein?

Dafür bin ich keine Expertin. Wichtig sind jedoch die Komponenten Tischhöhe in Relation zum Stuhl, die Einstellung des Bildschirms, externe Maus und Tastatur sowie gute Lichtverhältnisse. Gute Tipps gibt es zum Beispiel auf der Website der DGUV. Viele Dinge kann man ganz leicht umsetzen. Und wenn es ad hoc heißt, unter den Laptop ein Buch zu legen, damit der Kopf nicht so stark abknickt bei der Arbeit am Bildschirm, oder sich eine externe Tastatur zu besorgen.

 

Wie gestaltet man das berufliche Umfeld daheim richtig, also: Wie möchte man erreichbar sein?

Zur Erreichbarkeit gehören zum einen die eigenen Präferenzen und zum anderen die Erwartungen und Verhaltensweisen der Kolleg*innen und Vorgesetzten. Zunächst sollte man für sich selbst überlegen, wann man erreichbar sein möchte. Dabei ist es wichtig, die eigenen Arbeitszeiten festzulegen und dann auch einzuhalten – das heißt keine E-Mails checken oder berufliche Telefonate in der Freizeit führen. Daran schließt natürlich gleich der zweite Punkt an: Wie verhält sich mein Team? Falle ich aus der Norm, wenn ich ab 17 Uhr keine E-Mails mehr beantworte? Erwartet meine Vorgesetzte, dass ich auch am Wochenende erreichbar bin? Im Idealfall sollte – initiiert durch den Vorgesetzten – die Erreichbarkeit in einem Teammeeting zum Thema gemacht werden. Gerade jetzt bei 100 Prozent Homeoffice ist es essenziell, dass über Arbeitszeiten und Erreichbarkeit gesprochen wird, Erwartungen dargelegt und gegebenenfalls Regeln vereinbart werden. Bei einem solchen Meeting sollten auch die Mitarbeiter*innen ihre Präferenzen äußern können.

 

Was ist die größte Herausforderung im Homeoffice?  

Die größte Herausforderung ist die Trennung von Arbeit und Freizeit. Das ist unter normalen Umständen schon schwer und derzeit bestimmt in vielen Situationen – zum Beispiel, wenn Kinder zu Hause sind oder man sehr beengt wohnt – kaum machbar. Dennoch gibt es Möglichkeiten, Grenzen zwischen Arbeit und freier Zeit zu ziehen. Und das ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere psychische Gesundheit. Dabei kann zum Beispiel helfen, Übergangsrituale zu entwickeln wie die Brille aufsetzen, die Arbeitskleidung anziehen oder die Arbeitstasse nehmen, wenn die Arbeit beginnt. So ist für einen selbst klar: Jetzt arbeite ich. Andersherum funktioniert es genauso: Wenn die Brille abgesetzt wird, kann dies ein Ritual dafür sein, dass nun die freie Zeit beginnt. Idealerweise sollte man sich ein Zimmer oder einen Platz in der Wohnung einrichten, der nur zum Arbeiten genutzt wird, um auch räumliche Grenzen aufrecht zu erhalten. Und wie zuvor schon erwähnt: Ganz wichtig ist es, die eigene Erreichbarkeit zu definieren und dann auch einzuhalten. Man sollte keine E-Mails im Bett checken. Studien zeigen, dass sich dies negativ auf die Schlafqualität und das psychische Befinden auswirkt.

 

Die Fragen stellte Hans-Christoph Keller

 

Prof. Dr. Annekatrin Hoppe beschäftigt sich mich mit der Frage, wie Menschen bei der Arbeit gesund und motiviert bleiben können. Dabei geht es auch darum, wie neue Technologien die Arbeit verändern und wie Beschäftigte in Zeiten von ständiger Erreichbarkeit dafür sorgen können, dass ihre freie Zeit schützen und sich gut erholen können. In dem BMBF-Projekt EngAGE hat sie zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe ein Online-Tool, Engage Coach, entwickelt, das Beschäftigten bei der Arbeit im Homeoffice hilft.