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Einheit der Wissenschaft

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
14.04.2003

Einheit der Wissenschaft?

Joachim W. Dudenhausen
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Foto: B. Prusowski

Transit

Kontinuität gibt es für Berlins Hochschulmedizin nur im Wandel

Je nach persönlichem Naturell sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Charité den kommenden Monaten fröhlich, gelassen, nachdenklich oder skeptisch entgegen. Die deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte findet sich wie unter einem Brennglas in der Berliner Hochschulmedizin wieder. Die einzige Konstante ist der Wandel. Administrative Beweglichkeit wird zur politischen Maxime. Dabei ist fast nie das inhaltliche Argument Triebfeder, sondern immer treibt die Geldnot zu politischen Entscheidungen. Aber es gibt noch immer Unentwegte, die gerade in Zeiten knapper Kassen ein kreatives Potenzial sehen. Der Transit zur "Charité-Berliner Hochschulmedizin" muss gemeistert werden, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein. Wissenschaftliche Exzellenz ist nicht planbar, aber das Umfeld, um kreativen Menschen in ihren Arbeitsbereichen eine befriedigende Tätigkeit zu ermöglichen.

Prof. Dr. Joachim W. Dudenhausen ist Dekan der Medizinischen Fakultät Charité.

Janine Ludwig
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Foto: Heike Zappe

Brückenschlag

Von der Übergangsgesellschaft DDR in die Metropole New York

Aufgewachsen in einer "Übergangsgesellschaft" namens DDR, im Plenzdorf'schen "Noch nicht, aber bald", war Übergang für mich immer ein zeitlicher Begriff. Örtlich blieb man, wo man war. Das englische "transition" dagegen bedeutet Transport, Bewegung. Mit der Wende konnte man Grenzen überschreiten und selbst den Ozean. Das tat ich dann auch, indem ich in Kalifornien studierte. Aus der Entfernung wird klar, was sich alles geändert hat, aber auch, was bleibt. Im Ausland merkt man, wie europäisch man ist, wie deutsch sogar. Und nun bin ich in New York. Ich kam aus der Stadt im Wandel in die Metropole, die wie keine andere von Menschen lebt, die Grenzen überwanden, um hier etwas Neues zu schaffen, unter sehr viel schwierigeren Bedingungen als ich. Ich habe das Privileg, hier mit der Unterstützung meiner Universität daran zu arbeiten, dem Klischee vom Brückenschlag Leben einzuhauchen.

Janine Ludwig ist akademische Repräsentantin der Humboldt-Universität zu Berlin in New York.

Vera Knolle
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Foto: B. Prusowski

Aufbruch

Fließend vom Studium in den Beruf überwechseln

In wenigen Monaten beende ich mein Studium. Als Geisteswissenschaftlerin weiß ich sicher, dass ich in der Kunst arbeiten möchte. Schon im Studium habe ich mir dafür meine Kontakte selber geschaffen. Den Übergang ins Berufsleben gestalte ich fließend, aber manchmal ist das natürlich auch nicht so einfach unter einen Hut zu bringen.
Ich glaube, dass es für viele Leute so läuft: Man kommt durch Praktika und eigenverantwortliche Projekte außerhalb der Universität mit den Leuten und Strukturen in Kontakt, die einem eine berufliche Zukunft ermöglichen. Diese außeruniversitären Aktivitäten sind auch so etwas wie "Qualifizierungskatalysatoren". Die Geisteswissenschaften sind, je nachdem wo man persönlich seine berufliche Zukunft sieht, eine Art "Basisausbildung" für künstlerische und kulturelle Berufe geworden.

Vera Knolle studiert Kulturwissenschaft und Philosophie an der Humboldt-Universität. Sie arbeitet als Choreographin und Dramaturgin.

Ella Johansson
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Foto: Mikael Leijon

Überfahrt

In Deutschland arbeiten und skandinavisch denken

Als Schwedin ans Nordeuropa-Institut zu kommen, heißt keine große Grenze zu überschreiten. Treffen Schweden mit anderen Europäern zusammen, neigen sie dazu, ihre provinzielle und informelle Art kritisch zu hinterfragen. Aber gerade die Skandinavisten scheinen diese Eigenart als sympathisch anzusehen. Vielleicht war es sogar die Begeisterung für die vermeintliche "Natürlichkeit", die ihr Interesse für diese Länder geweckt hat. Anderseits geht es auf der akademischen Ebene gerade darum, diese gängigen Vorstellungen zu hinterfragen. Daher schätze ich mehr als Ethnologin und nicht so sehr als Schwedin die Vielfalt der Disziplinen am Nordeuropa-Institut. Dieser intellektuelle Austausch scheint mir der erfolgversprechendste Weg für künftige akademische "Grenzübergänge" zu sein.

Prof. Dr. Ella Johansson hat Ethnologie, Kunstwissenschaft, Archäologie und Philosophie in Lund studiert. Seit dem Wintersemester 2002 lehrt sie als Gastprofessorin für Kulturwissenschaft und Ethnologie am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität.

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
14.04.2003