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Humboldt-Universität zu Berlin

Leonore Scholze-Irrlitz

Leonore Scholze-Irrlitz studierte Volks- und Völkerkunde sowie Geschichte in Berlin und Leipzig und begann anschließend die Arbeit an der Promotion „Moderne Konturen historischer Anthropologie“, einem Vergleich der sozial- und kulturhistorischen Forschungsmethodik bei den Mediävisten Jacques Le Goff, einem Vertreter der französischen Schule der „Annales“ und Aaron J. Gurjewitsch, der in seinen Forschungen auf der Tradition der russischen Kultur- und Sozialgeschichte fußt.

Die Ereignisse der Jahre 1989/1990 bewogen sie, durch eine praktische Tätigkeit interessante Umgestaltungsprozesse auf regionaler Ebene kennen zu lernen und mitzugestalten. Deshalb übernahm sie 1991 die Leitung des Regionalmuseums des Landkreises Beeskow-Storkow und eröffnete 1993 die Institution an einem neuen Standort auf der Burg Beeskow mit einer Ausstellung zu historischen Migrationsbewegungen in Brandenburg. Das Museum arbeitete fortan nach einem veränderten Konzept, welches die stufenweise Erforschung von Bevölkerungsbewegungen mit ihren regionalen Assimilations- und Integrationsprozessen vom ausgehenden Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert vorsah.

Diese Zeit am Museum wurde unterbrochen von einem zehnmonatigen Forschungsaufenthalt an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS) in Paris.

Seit 1995 ist Leonore Scholze-Irrlitz Leiterin der Landesstelle für Berlin-Branden-burgische Volkskunde an der Humboldt-Universität. Sie verbindet dort ihre wissenschaftlichen Interessen mit einer umfangreichen Lehrtätigkeit und der öffentlichkeitswirksamen Arbeit bis in die kulturell-museale Praxis hinein. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Historische Anthropologie, Wissenschafts- und Wissensgeschichte, Anthropologie ländlicher Räume, Migrations- und Transitionsprozesse sowie Museum und Musealisierung.

Seit längerem gilt ihr verstärktes Interesse den Problemen von Ökologie und Nachhaltigkeit beim Umbau der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse. Nachhaltigkeit ist heute  ein Wort in aller Munde. Oft ist jedoch ist damit im Bereich der Technologien nicht viel mehr als die Frage technischer Lösbarkeit gemeint. Wie aber steht es genau mit der Anschlussfähigkeit der Ressourcen schonenden Verfahren beispielsweise der Erzeugung erneuerbarer Energien oder der ökologischen Agrarproduktion an die sozialen Lebenspraxen der Menschen und in ihrem Verhältnis zur Natur, das ist eine der interessierenden Forschungsfragen?

Publikationen dazu sind u. a.: „Aufbruch im Umbruch. Das Dorf Brodowin zwischen Ökologie und Ökonomie“ (2006) oder „Perspektive ländlicher Raum. Leben in Wallmow/Uckermark“ (2008).

An der Landesstelle ist unter ihrer Leitung ein Spezialarchiv aufgebaut worden, welches Bestände zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde in Berlin und Brandenburg sowie zu Bildmaterial seit den 1930er Jahren umfasst. Als Vermittlungsinstanz zwischen Forschung und musealer Präsentation arbeitet die Landesstelle vor allem konzeptionell eng mit verschiedenen Museen in Berlin und Brandenburg zusammen. Der Transfer von Wissen wird dabei nicht als Einbahnstraße sondern als ein dialogisches Verhältnis von Gesellschaft und Wissenschaft verstanden, an dem schon Studierende mitarbeiten können.
 

Ein guter Arbeitstag beginnt mit …

… einem freien Kopf für inhaltliche Arbeit und möglichst nicht mit E-Mails oder formalen Organisationsaufgaben.

Mit 18 Jahren wollte ich …

… Meeresbiologin werden und in die Welt hinauskommen.

An der Wissenschaft reizt mich …

… Fragen frei von äußeren Beschränkungen und Abhängigkeiten stellen, Zusammenhänge zwischen ganz unterschiedlichen Disziplinen auch in ihrer historischen Genese erkennen und nach „Antworten“ suchen zu können.

Den Studierenden rate ich …

… dem nachzugehen, was sie interessiert und sich dafür eine breite und historisch fundierte Wissensbasis zu erarbeiten sowie dem Mainstream in Gesellschaft und Wissenschaft kritisch fragend gegenüberzutreten.

Ich wünsche mir an der Humboldt-Universität mehr …

… Arbeitsteilung und Zuständigkeit bezüglich der je einzelnen Aufgabenbereiche in Verwaltung, Technik, Presse und Forschung in dem Sinne, dass jeder seine Kompetenzen in die Gesamtheit einbringen kann und nicht immer auf anderen Gebieten dilettieren muss.