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Humboldt-Universität zu Berlin

Schreibhemmung

Wissenschaftliches Schreiben ist zentraler Bestandteil im wissenschaftlichen Diskurs und häufig mit Hemmungen und Blockaden verbunden. Hier finden Sie hilfreiche Strategien zur Überwindung.

Das Thema

Wie finde ich den Fokus meiner Arbeit?

Mein Thema ufert immer wieder aus und ich weiß gar nicht mehr, worüber ich eigentlich schreibe.

Nutzen Sie die W-Fragen. Fragen Sie sich:

  1. Was will ich herausfinden? (Formulierung einer zentralen Fragestellung)
  2. Welche Fragen ergeben sich daraus? (Formulierung von Unterfragen)
  3. Welche Ähnlichkeiten weisen meine Fragen zu anderen Fragen auf? (Hier geht es um eine Kontextbetrachtung in Ihrem Forschungsfeld)
  4. Worin unterscheiden sich meine Fragen von anderen im Forschungsfeld? (Dies ist das Profil Ihrer Arbeit. Es geht darum, Unterschiede zu entdecken. Sind sie in der Methode zu finden oder in einer anderen Kombination bestimmter Aspekte etc.?) 
  5. Was könnte ich an meinem Thema noch ändern? (Hier loten Sie verschiedene Varianten aus. Vielleicht müssen Sie Ihr Thema begrenzen, weil es zu viel Material gibt oder den Schwerpunkt verschieben.)
  6. Was soll an meinem Thema unbedingt so bleiben? (Es handelt sich um den Kern Ihrer Arbeit. Was ist warum wichtig; was wollen Sie beweisen oder herausfinden?)
  7. Welchen Platz hat mein Thema in der Forschungslandschaft? (Hierbei verorten Sie sich im wissenschaftlichen Diskurs und klären, welchen Beitrag Sie leisten.)

 

Wie finde ich eine Forschungsfrage?

Ich weiß zwar ungefähr, worüber ich schreiben will, aber ich habe keine Frage.

Eine Methode ist der Themenfächer. Sie gehen dabei schrittweise vor und differenzieren einzelne Aspekte bis zur konkreten Fragestellung.

  1. Legen Sie zunächst den Bereich Ihres Themas fest. (Bsp.: Psychotherapie) 
  2. Definieren nun verschiedene Problemstellungen, die Sie betrachten könnten. (Bsp.: a. Wirksamkeit von Therapien; b. Ausbildung; c. Methoden und d. historische Entwicklung) 
  3. Wählen Sie nun eine dieser Problemstellungen. (Bsp.: c. Methoden) 
  4. Notieren Sie nun mögliche Methoden, die für diese Problemstellung infrage kämen. (Bsp.: i. Metaanalyse zum Vergleich der Effektstärken; ii. Strukturierte Interviews mit Expert*innen; iii. Literaturanalyse) 
  5. Aus 3. Und 4. können Sie nun konkrete Forschungsfragen kreieren. (Bsp.: c+i. Welche Therapiemethoden zeigen die höchsten Effektstärken in katamnestischen Untersuchungen?; c+ii. Welche Interventionsstrategien halten tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeut*innen bei sozialer Phobie für wirksam?; c+iii. Welche neuen Therapiemethoden haben sich in den letzten fünf Jahren im Bereich Verhaltenstherapie vs. Tiefenpsychologie entwickelt?)

 

Die Struktur und Gliederung 

Wie bekomme ich den Überblick über meine Arbeit?

Ich habe inzwischen so viele Textfragmente und Zitate, dass ich nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll.

Probieren Sie die Kartengliederung aus.

  1. Sie nehmen verschieben farbige Karteikarten und ordnen diesen Elemente Ihrer Arbeit (Argumente pro vs. contra, Thesen, Zitate, Verweise etc.) zu, z.B. grün für Pro-Argumente, rot für Contra-Argumente, gelb für Thesen.
  2. Lesen Sie nun alle Textfragmente und übertragen Sie die darin enthaltenen Elemente auf die Karteikarten.
  3. Spannen Sie dann einen roten Faden als Symbol für den roten Faden Ihrer Arbeit an eine Arbeitsfläche, evt. die Wand vor Ihrem Schreibtisch.
  4. Ordnen Sie Ihre Karteikarten einzelnen Abschnitten/Kapiteln auf dem roten Faden zu.

Sie erhalten mit dieser Methode schnell einen Überblick, welche Kapitel was brauchen: Kürzungen, Erweiterungen, Nachbesserungen. Viel Erfolg!

 

Wie kann ich den roten Faden meiner Arbeit wiederfinden?

Ich habe mehrere Versionen geschrieben und habe den roten Faden verloren.

Versuchen Sie es mit dem Rückstrukturieren.

  1. Nehmen Sie sich den ersten Text vor und markieren Sie Ihre zentralen Gedanken. Diese können Sie als kurze Stichpunkte auf eine Seite bringen.
  2. Nun verfahren Sie mit den restlichen Texten ebenso.
  3. Am Ende vergleichen Sie die verschiedenen Blätter mit Ihren Stichpunkten und entscheiden, in welcher Reihenfolge Sie Ihre Gedanken bringen wollen. Sie brauchen diese nicht neu auszuformulieren. Nutzen Sie stattdessen bereits fertige Textpassagen.

Auch hierbei gilt: Unterscheiden Sie zwischen der Phase der Textproduktion und der Überarbeitungsphase. Noch sind Sie in der Textproduktion und können sich unsaubere Formulierungen und Wiederholungen leisten.

 

Der Schreibprozess

Wie komme ich ins Schreiben?

Ich habe alle Materialien für meine Abschlussarbeit beisammen und muss nur noch schreiben, bin aber total blockiert.

Schreiben Sie zunächst in Stichpunkten.

  • Die meisten Studierenden überfordern sich mit dem Anspruch, perfekte Sätze gleich am Anfang formulieren zu müssen. Aber zunächst geht es darum, ihre Ideen aufs Papier zu bringen und diese in eine logische Reihenfolge anzuordnen. Unterscheiden Sie also zwischen Rohtexten und Überarbeitung.

 

Warum tue ich mich mit dem Schreiben eigentlich so schwer?

In der Schule habe ich Schreiben gemocht, aber in der Uni ist es nur noch ein Krampf.

Versuchen Sie, sich diese Frage mithilfe eines Schreibsprints zu beantworten.

  • Hierfür nehmen Sie sich nicht mehr als fünf Minuten Zeit.
  • Schalten Sie alle Geräte, die Sie ablenken könnten aus.
  • Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand (keinen Laptop, nicht sinnlich genug).
  • Notieren Sie nun Ihre Frage und schreiben fünf Minuten, ohne den Stift abzusetzen, assoziativ und automatisch, was Ihnen dazu in den Sinn kommt. Wenn Ihre Gedanken stocken, schreiben Sie einfach solange den gleichen Gedanken auf bis sich Ihr Gedankenfluss wieder in eine andere Richtung wendet.
  • Nach fünf Minuten legen Sie den Stift hin und lesen sich Ihren Text noch einmal durch. Auch hierfür limitieren Sie unbedingt Ihre Zeit. Drei Minuten reichen.
  • Markieren Sie im Text interessante, neue, überraschende Passagen und formulieren Sie hierzu einen Fokussatz. Dieser könnte als Überschrift für einen weiteren Schreibsprint dienen, wenn Sie ihre Erkenntnisse vertiefen wollen.

 

Wie kann ich während des Schreibprozesses motiviert bleiben?

Meist fange ich voller Elan an, doch über die Tage und Wochen habe ich immer weniger Lust.

Jeder längere Schreibprozess ist meist mühsam. Folgendes kann helfen:

  • Setzen Sie sich ein Zeitlimit für Ihre Abgabe. Dies ist ein Signal an Ihre Psyche, dass Ihre Mühen auch ein Ende haben werden.
  • Gleiches gilt für Ihre Schreibtage: Setzen Sie sich einen Feierabend und verbinden Sie ihn mit einem Arbeitsverbot. Anspannungszeiten von Entspannungszeiten zu trennen hilft, Ihre Kraftreserven in der Freizeit wieder aufzufüllen.
  • Arbeiten Sie mit Belohnungen; sowohl für den absolvierten Schreibtag als auch für die schlussendliche Abgabe. Halten Sie kurz inne und schreiben Sie sich auf, was mögliche Belohnungen für Sie sein könnten.
  • Tauschen Sie sich mit Kommiliton*innen über Ihr Thema aus. Austausch hält den inneren Denkprozess lebendig.
  • Holen Sie sich so früh wie möglich Rückmeldung über Ihre geschriebenen Texte und warten Sie nicht bis Sie einen „perfekten“ Text kreiert haben. Teilen Sie Ihrem Gegenüber mit, worüber Sie eine Rückmeldung haben wollen, z.B. über die Logik der Argumente oder die Sprache oder die Lesbarkeit etc.

 

Wie kann ich mich begrenzen, ohne meine Neugier zu verlieren?

Mein Thema ist sehr spannend, aber es frustriert mich, dass ich nicht alle Aspekte unterbringen kann.

Legen Sie ein Forschungstagebuch an. Hierin können Sie alles Interessante notieren: Artikel, Autor*innen, Notizen und Einfälle usw., die Sie zwar in Ihrer Arbeit nicht aufnehmen können, die aber wertvoll für eine mögliche spätere Fortführung Ihrer Arbeit im Rahmen eines Masters oder Promotionsstudiums ist.

 

Wie kann ich meine Schreibstimmung fördern?

Ich habe Angst zu schreiben.

Eine heitere, neugierige und mutige Stimmung ist günstiger für den Schreibprozess als Ängstlichkeit, Zweifel und Hoffnungslosigkeit. Eine günstige Schreibstimmung können Sie wecken, wenn

  • Sie die Aufgabe verstehen, die vor Ihnen liegt
  • Sie sich eine Aufgabe vornehmen, die Sie bewältigen können
  • Sie einen Sinn in Ihrer Aufgabe erkennen können

Wenn Sie sich Erfolgserlebnisse verschaffen, gehen Sie positiver gestimmt an die nächste Aufgabe heran. Auch kleine Rituale am Beginn einer jeden Schreibeinheit können förderlich und einstimmend wirken, z.B. eine sportliche Übung, eine Entspannungsübung, der Lieblingskaffee, eine kleiner Spaziergang etc.

 

Welche Zeitmanagement-Strategien könnten mir helfen?

Ich verzettle mich andauernd und gerate immer wieder unter Zeitdruck.

Zeitmanagement bedeutet vor allem Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Zentrale Regeln sind:

  • Setzen Sie Prioritäten und entscheiden Sie, was ansteht, was Sie verschieben und was Sie abgeben können.
  • Definieren Sie Ihre Arbeitsaufträge realistisch und machbar in einer vorgegebenen Zeit. Sie können z.B. To-Do-Listen mit kleinschrittig formulierten Arbeitsaufträgen nutzen.
  • Schalten Sie Ablenkungen aus. Gehen Sie offline.
  • Achten Sie auf Pausen.

Weitere Informationen zum Zeitmanagement finden Sie auf der Info-Seite Prokrastination.

 

Quellen: Esselborn-Krumbiegel, H. (2015). Tipps und Tricks bei Schreibblockaden. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn. Kruse, O. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main. Scheuermann, U. (2011). Die Schreibfitness-Mappe. Linde Verlag, Wien.

Kontakt

Beratungsbüro Nord: Invalidenstr. 110, 3. Etage, Raum 326, Tel. 030 2093-70272. Terminvereinbarung und Informationen: Mi 13:00 bis 14:00 Uhr.

Beratungsbüro Adlershof: Brook-Taylor-Str. 2, Aufgang C, 1. Etage, Raum 1`302, Tel. 030 2093-5585. Terminvereinbarung und Informationen: Di 11:00 bis 12:00 Uhr.

Beratungsbüro Mitte: Unter den Linden 6, Erdgeschoss, Raum 1047. Termine nach Vereinbarung.

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