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Humboldt-Universität zu Berlin

„La Daguerréotypomanie. Eine Allegorie der Revolution“

Louisa Denker studiert Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt-Universität. Für ihre Bachelorarbeit wurde sie mit dem Humboldt-Preis 2018 ausgezeichnet.

Alternativtext
Louisa Denker, Foto: privat

Zusammenfassung

In meiner Arbeit „La Daguerréotypomanie – Eine Allegorie der Revolution“ untersuche ich die Bildsprache der Lithografie La Daguerréotypomanie von Théodore Maurisset, die am 08. Dezember 1839 in der Karikaturenzeitschrift La Caricature in Paris erschien.

La Daguerréotypomanie wird regelmäßig in der Literatur zur Fotografiegeschichte und -theorie abgebildet, um das große Interesse und die Begeisterung, die der Daguerreotypie entgegengebracht wurden, zu illustrieren. Die Forschung zu dieser Lithografie legt ihren Fokus auf den historischen Kontext, indem sie die Lithografie zeithistorisch einordnet, abgebildete Persönlichkeiten der Zeitgeschichte identifiziert und die Beziehungen des Inhalts zu Industrialisierung, positivistischen Tendenzen und Erfindungen des frühen 19. Jahrhunderts thematisiert.

Ich argumentiere in meiner Arbeit dafür, dass die einzelnen Bildelemente auf Bildmotive aus dem Kontext der Druckgrafik der Französischen Revolution Bezug nehmen. Diese These untersuche ich mithilfe von Bildbeispielen der mobilen Druckgrafik des späten 18. Jahrhunderts aus dem Kontext der Französischen Revolution und arbeite zentrale Motive heraus. Im Zentrum meiner Arbeit steht die Lithografie La Daguerréotypomanie, die mir nicht nur einen Einblick in den Stellenwert der Fotografie im Jahre 1839 ermöglicht, sondern zudem die Frage nach der Rezeption der Französischen Revolution im Pariser Bürgertum der 1830er Jahre aufwirft. Mit dem Erscheinen von einer Reihe von Büchern und Tableaus begann ab den 1820er Jahren die Aufarbeitung der Französischen Revolution in Paris, die zu historischem Wissen über die Revolution und zur Kenntnis der Bildmotive der Revolutionsgrafik im Bürgertum führte. So konnte die Zielgruppe der Karikaturenzeitschrift die Referenzen in La Daguerréotypomanie zu den Motiven der Druckgrafik der Französischen Revolution verstehen.

Die Bildmotive auf Maurissets Lithografie werden so eingesetzt, dass ihre Bezüge auf die Französische Revolution erkennbar sind, sie aber dennoch als Bildelemente des Begeisterungssturms um die Daguerreotypie lesbar bleiben. Daher lässt sich das Blatt als eine Allegorie der Revolution verstehen.  Die allegorische Deutung wird als karikaturistisches Mittel genutzt, um die Euphorie gegenüber der Fotografie zu überzeichnen. Maurisset kontrastiert die technische Revolution der 1830er Jahre mit der soziopolitischen des späten 18. Jahrhunderts, indem das Spektakel um die Daguerreotypie an die Stelle der Aufklärung, der freiheitlichen Werte und der Verfassung tritt. Die Analyse der Motive in La Daguerréotypomanie in Hinblick auf ihre Bezugnahme auf die Druckgrafik der Französischen Revolution ist wesentlich, um das karikaturistische Wesen und die Bedeutung der Lithografie sowohl im Medienkontext als auch im politischen Zusammenhang der 1830er Jahre verstehen zu können.