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Humboldt-Universität zu Berlin

„Selbstbestimmtes E-Learning und Klausurerfolg: Ein Feldexperiment“

Ruth Maria Wolke studiert Wirtschaftspädagogik mit Zweitfach Englisch an der Humboldt-Universität. Für ihre Bachelorarbeit wurde sie mit dem Humboldt-Preis 2018 ausgezeichnet.

Alternativtext
Ruth Maria Wolke, Foto: privat

Zusammenfassung

Die Motivation für diese Bachelorarbeit bestand darin, die Lehre und somit auch die Klausurerfolge der Studierenden zu verbessern. Zu diesem Zweck wurde das Lernerfolgsforschungsprojekt MAME „Management Accounting Made Easy“ entwickelt, das die Präsenzlehrveranstaltung Kostenrechnung um eine Moodle-basierte Online-Lernumgebung erweiterte und den Studierenden im Laufe des Sommersemesters 2017 zu regelmäßigen Terminen ergänzende Online-Tests zum selbstregulierten Lernen zur Verfügung stellte.

Um zu untersuchen, ob sich solche hybriden Lernszenarien insbesondere im Hinblick auf kontinuierliches Lernen positiv auf den Klausurerfolg auswirken, wurden die Studierenden zu Beginn der Lehrveranstaltung in verschiedene Gruppen eingeteilt. Dabei erfolgte die erste Einteilung mittels Selbstselektion indem die Studierenden sich freiwillig zur Teilnahme am Projekt bereit erklären konnten, damit gewährleistet wurde, dass alle interessierten Studierenden an dem Projekt teilnehmen konnten. In einem zweiten Schritt wurde eine weitere Gruppe der verbleibenden Studierenden per Zufallsprinzip ausgewählt.

Anschließend wurden alle Projektteilnehmenden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die Lerninhalte beider Gruppen identisch waren. Hierbei unterschied sich jedoch der zeitliche Rahmen, in dem auf die Tests zugegriffen werden konnte: Die flexibel lernende Gruppe hatte dauerhaften Zugriff auf die Online-Tests, wohingegen die kontinuierlich lernende Gruppe nur jeweils zwei Wochen Zugriff auf die Tests hatte und somit zum kontinuierlichen Lernen motiviert werden sollte.

Insgesamt wurde deutlich, dass Studierende, die sämtliche Online-Tests bearbeiteten, in der Klausur etwa eine zweidrittel Note besser abschnitten als Studierende, die an keinem Test teilnahmen. Zusätzlich grenzt sich dieses Feldexperiment von den bisherigen Arbeiten in dem Forschungsgebiet des selbstregulierten Lernens vor allem dadurch ab, dass nicht mehr ausschließlich Korrelationsforschung betrieben wird, sondern zudem kausale Treatment-Effekte von den absolvierten Online-Tests auf die Klausurnote gemessen werden. So wird innerhalb der nichtfreiwilligen Teilnehmenden deutlich, dass die kontinuierlich Lernenden bessere Klausurergebnisse und geringere Durchfallquoten erzielen als die flexibel Lernenden oder die Kontrollgruppe. Dies lässt darauf schließen, dass, für nicht freiwillig teilnehmende Studierende, zum kontinuierlichen Lernen motivierende hybride Lernszenarien einen positiven Effekt auf den Klausurerfolg haben.

Dem Humboldtschen Bildungsideal im Sinne der Einheit von Forschung und Lehre folgend, fand die experimentelle Evaluation dieses Projekts im nachfolgenden Wintersemester in einem Open Science Seminar gemeinsam mit Studierenden, die teilweise selbst an MAME teilgenommen, statt. Da auch die fragenbogenbasierte Evaluation des Programmes sehr positiv war, wurde beschlossen, MAME zu verstetigen und im Sommersemester 2018 in der Variante des kontinuierlichen Lernens erneut anzubieten.