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Humboldt-Universität zu Berlin

Marina Palazova

How temporal attention enhances response activation: A study using the methods of subliminal priming and computational modelling.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät II, Institut für Psychologie

Zusammenfassung der Diplomarbeit

In der vorliegenden Diplomarbeit aus dem Bereich der Allgemeinen Psychologie befasste ich mich mit der Untersuchung von Mechanismen der zeitlichen Aufmerksamkeit und deren Einfluss auf senso-motorische Handlungen. Im alltäglichen Leben ist "Timing" entscheidend, das heißt optimales Verhalten zum richtigen Zeitpunkt. Die Wichtigkeit dessen, wann wir Handlungen ausführen, kann bildhaft anhand eines Beispiels aus dem Straßenverkehr verdeutlicht werden: Wenn man darauf wartet, dass die Ampel auf grün schaltet, weiß man intuitiv in dem Moment, in dem die Ampel gelb wird, wann genau die Kupplung loszulassen und loszufahren ist. Die zeitliche Aufmerksamkeit - das Hinzuziehen von Verarbeitungsressourcen im kognitiven System zu einem bestimmten Zeitpunkt - ist ein mächtiges Instrument, das optimales Verhalten und Handlungsausführung wie in dem genannten Beispiel ermöglicht. Obwohl die Bedeutsamkeit von zeitlicher Aufmerksamkeit hervorsticht, wurden die Mechanismen und Funktionsweisen bis jetzt wenig untersucht. Im Rahmen der vorgelegten Arbeit wurden drei Fragestellungen zum Thema bearbeitet: Die ersten zwei bezogen sich auf den Fokus zeitlicher Aufmerksamkeit und wurden in Analogie zu Erkenntnissen und Fragestellungen aus dem Bereich der räumlichen Aufmerksamkeit aufgestellt - ein Konzept, das viel Beachtung in der Literatur gefunden hat. Die dritte und wichtigste Fragestellung betraf die Frage nach konkreten Mechanismen der Verstärkung von Handlungsaktivierungsprozessen und Optimierung von Verhalten durch die zeitliche Aufmerksamkeit. Zu diesem Zweck wurde neben einer Kombination aus Paradigmen der Allgemeinen Psychologie (Warnreizparadigma und Paradigma des Subliminalen Primings) die Methode der Computationalen Modellierung eingesetzt. Letztgenannte Methode kann als transdisziplinär bezeichnet werden, da mathematische Fachkenntnisse zur Erweiterung und Formalisierung von Erkenntnissen aus dem Bereich der Neurowissenschaften und der Psychologie genutzt werden. In der Diplomarbeit wurde ein computationales Modell von Vorberg et al. (2003) um zwei Annahmen erweitert, die mathematisch formalisiert wurden. Vorhersagen aus dem ursprünglichen und aus dem erweiterten Modell wurden genutzt um konkrete Hypothesen zu formulieren. Anhand von zwei Verhaltensexperimenten und zwei Simulationsexperimenten mit dem computationalen Modell wurden die Hypothesen empirisch überprüft. Dieses Vorgehen erlaubte eine Schlussfolgerung über die Weite (Größe) und Form des Fokus zeitlicher Aufmerksamkeit. Darüber hinaus lieferte die Arbeit Evidenz dafür, dass eine variable und nicht eine konstante Akkumulationsrate mit zunehmender Dauer der Fokussierung auf einen Reiz zu einer verstärkten Handlungsaktivierung führen kann.


Lebenslauf

Marina Palazova
Ausbildung

Erstes Fremdsprachengymnasium in Varna mit Schwerpunkt Englisch und Deutsch (1994 -1999); Prädikat: Abitur mit Sehr Gut

Studium der Kultur- und Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (WS 1999/00 - SS 2000)

Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (WS 2000/01 - SS 2008, davon 2 Beurlaubungssemester): Diplom im Fach Psychologie erworben am 15.09.2008

Promotionsstudentin an der Humboldt-Universität zu Berlin (ab SS 2009)

Praktische Erfahrung

studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie, Humboldt- Universität zu Berlin (2003 - 2007)

Praktikum in interkultureller Psychologie in der "Trainingsfabrik, Beratung, Coaching, Training" (Juni 2007 - August 2007), Kulturvergleichendes Projekt Deutschland- Bulgarien

Studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Babylabor (März 2008 - April 2008)

Studentische Hilfskraft bei ICP 2008 (the XXIX International Congress of Psychology 2008) (Februar 2008 - Juli 2008)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promotionsstudentin am Lehrstuhl für Biologische Psychologie, Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied des Exzellenzclusters "Languages of Emotion" (Oktober 2008 - bis jetzt)

Forschungsinteressen

Aufmerksamkeit und senso-motorische Handlungssteuerung, Emotionale Valenz in der Sprachverarbeitung, interkulturelle Psychologie

Methoden

Reaktionszeitexperimente, computationale Modellierung, ereigniskorrelierte Hirnpotentiale, elektrodermale Aktivität, Elektro-Myographie

Publikationen

TeaP 2005, Vortrag: Palazova, M., Fischer, R., Schubert, T.:  "Die Größe subliminaler Primingeffekte ist graduell modulierbar durch Darbietung eines auditorischen Warnreizes"

TeaP 2006, Vortrag: Palazova, M., Schubert, T. and Hutt, A.: "Die Modulation subliminaler Primingeffekte und ihre Simulation"

TeaP 2009, Poster: Palazova, M., Mantwill, K., Sommer,W. and Schacht, A.: "Effekte von Emotion, Wortklasse und -häufigkeit in der visuellen Wortverarbeitung"

eingereichter Artikel:
Schubert, T., Palazova, M., and Hutt, A.: "The modulation of non-conscious information processing by temporal attention: Evidence for a variable accumulator model"

Artikel in Vorbereitung:
Palazova, M., Mantwill, K., Sommer, W. and Schacht, A.: "Effects of emotion in words are localized in post-lexical processing stages."