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Humboldt-Universität zu Berlin

Klaus Angerer

Humboldt-Preis für seine Magisterarbeit

Biodiversität, Bioprospektion und Biopiraterie in Ecuador - Diskurse, Praktiken und Materialitäten

Der Verfasser legt eine bemerkenswerte,  umfangreiche und vieldimensionale Arbeit zum Verständnis und zur Politik der Artenvielfalt vor, die einen reichen Literaturbezug aufweist und eigene Feldforschung in Ecuador einschließt.


Zusammenfassung

Diese Magisterarbeit untersucht die Diskurse, Praktiken und Materialitäten der Bioprospektion sowie der Zirkulation und Nutzung biologischer Substanzen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Unter Bioprospektion wird dabei die Sammlung und Erkundung potentiell nützlicher biologischer Materialien pflanzlichen, tierischen, mikrobiellen oder menschlichen Ursprungs mit dem Ziel einer kommerziellen Verwertung z.B. in der pharmazeutischen oder kosmetischen Industrie verstanden. Hierfür wird auf umfangreiche in Ecuador durchgeführte empirische Untersuchungen - v.a. Interviews, und teilnehmende Beobachtungen in Workshops und anderen Veranstaltungen - zurückgegriffen sowie auf die relevante ecuadorianische und internationale, wegen der Weite des Themas zwangsläufig transdisziplinäre Literatur. Den Vorgaben der Actor-Network-Theory entsprechend wird versucht, 'den Akteuren zu folgen', um so die Netzwerke der Bioprospektion nachzuzeichnen.

Wie heftig umkämpft die Erforschung und Nutzung der Biodiversität ist, zeigte sich im Mai 2008 in Bonn bei der neunten Konferenz der Vertragsstaaten der Convention on Biological Diversity (CBD): Die Frage des Zugriffs auf biologische Materialien und der Verteilung etwaiger dadurch generierter Einkünfte gehörte dort zu den umstrittensten und bislang - mehr als 15 Jahre nach Abschluss der CBD - noch ungelösten Verhandlungspunkten. Angesichts der Tatsache, dass das Jahr 2010 zudem von der UNO zum internationalen Jahr der Biodiversität erklärt worden ist, scheint eine Betrachtung der Erforschung und Verwertung biologischer Materialien daher bedeutsamer denn je zu sein. Ecuador wiederum stellt als einer der so genannten Biodiversity-Hotspots einen für eine derartige Untersuchung geeigneten Ort dar.

Obwohl sich im Rahmen dieses Themas mehrere kulturwissenschaftliche Forschungsfelder überlagern (z.B. die Kultur- und Wissensgeschichte des Sammelns, die Betrachtung der materiellen Grundlagen von Medien, Praktiken und Technologien sowie die Erforschung von Experimentalkulturen), werden die Debatten zur Bioprospektion bisher größtenteils von Juristen, Biologen und Anthropologen geprägt. Die Arbeit will diesem Zustand abhelfen und anhand einer empirisch fundierten kulturwissenschaftlichen Herangehensweise diverse bislang nur bedingt miteinander im Dialog befindliche Diskurse zusammenführen. Damit sollen nicht nur neue Perspektiven auf und Lösungsansätze für die Konflikte um den Zugriff auf biologische Stoffe eröffnet werden, sondern auch interdisziplinäre Vorgehensweisen in der wissenschaftlichen Forschung gestärkt werden.