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Humboldt-Universität zu Berlin

Moritz Schulz

Humboldt-Preis für seine Disseration

Dissertation: Counterfactuals and Probability

 

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des hypothetischen Denkens, so wie es in Was-wäre-wenn?-Ausssagen (im Fachjargon: kontrafaktischen Konditionalen) zum Ausdruck kommt.


Kontrafaktischen Konditionalen kommt eine besondere Bedeutung für die Philosophie im Allgemeinen zu, da sie sich zu einem prominenten Analysewerkzeug innerhalb der Philosophie entwickelt haben. Viele Versuche, grundlegende philosophische Begriffe zu analysieren, arbeiten wesentlich mit kontrafaktischen Konditionalen; dies gilt beispielsweise für die Begriffe eines Naturgesetzes, einer Disposition, der Willensfreiheit, der Kausalität oder eines Gedankenexperiments. So wird zum Beispiel versucht, die Kausalaussage, dass ein Seebeben einen Tsunami verursacht hat, durch die kontrafaktische Aussage zu analysieren, dass der Tsunami nicht entstanden wäre, wenn es das Seebeben nicht gegeben hätte.


Daneben spielen hypothetische Urteile eine vielschichtige Rolle in unserer alltäglichen Weltorientierung. So helfen uns kontrafaktische Überlegungen, aus Fehlern zu lernen. Wenn wir beispielsweise zu dem Schluss gelangen, dass sich die Dinge besser entwickelt hätten, wenn wir uns anders verhalten hätten, so k önnen wir zukünftig in ähnlichen Situationen unsere Handlungsstrategien optimieren.


Meine Dissertation greift die gegenwärtige philosophische Debatte über Realismus und Anti-Realismus hinsichtlich kontrafaktischer Aussagen auf. Während Realisten kontrafaktische Aussagen für objektiv wahr oder falsch halten, vertreten Anti-Realisten den Standpunkt, dass solche Aussagen weder wahr noch falsch sind sondern lediglich einer rein subjektiven Bewertung offen stehen.


Ich entwickle in der Arbeit eine Position, auf deren Basis sich die Vorzüge des Realismus mit den Einsichten der Anti-Realisten vereinbaren lassen. Die Grundidee ist, einen drohenden Anti-Realismus durch einen partiellen Skeptizismus zu ersetzen. Ich weise nach, dass die einschlägigen Daten, auf deren Basis ein Anti-Realimus motiviert werden kann, auch so interpretiert werden können, dass sie auf systematische Weise die Grenzen der Wissbarkeit kontrafaktischer Tatsachen reflektieren. Um diese erkenntnistheoretische Hypothese sprachphilosophisch erklären zu können, entwickele ich im Rückgriff auf den ursprünglich von Hilbert eingeführten Epsilon-Operator eine formale Semantik für kontrafaktische Konditionale, welche die derzeit als Standard geltende mögliche-Welten-Semantik weiter entwickelt.