Humboldt-Universität zu Berlin

James Franck und Max Born

Physiker – Nobelpreisträger – Mahner
Max Born und James Franck

James Franck und Max Born vor dem Physikalischen Institut in
Göttingen, Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte

James Franck und Max Born teilten nicht nur wissenschaftliche Interessen, sondern beide verband auch eine enge Freundschaft.

James Franck wurde gemeinsam mit Gustav Hertz für ihre Arbeiten zur Gasentladungsphysik 1926 mit dem Nobelpreis (für 1925) ausgezeichnet, Born erhielt den Nobelpreis 1954 für seine Beiträge zur Quantenmechanik. Franck und Born nahmen ihre Verantwortung als Wissenschaftler aktiv wahr und spielten wichtige Rollen in den Debatten über die politisch-militärischen Folgen der Kernphysik.

James Franck und Max Born gehören demselben Geburtsjahrgang an und entstammten wohlhabenden jüdisch-bürgerlichen Familien.

 

 

Max Born

Borns frühe Karriere führte ihn im Studium von Breslau, Heidelberg (wo beider Freundschaft begann) und Zürich nach Göttingen, wo er mit einer Arbeit zur angewandten Mathematik 1906 promoviert wurde. Franck war von Heidelberg aus gleich nach Berlin gegangen: Im selben Jahr wie Born promovierte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität mit einer Dissertation über die Beweglichkeit von elektrisch geladenen Atomen. Franck setzte nach der Habilitation 1911 seine Forschungen zur Gasentladungsphysik in Berlin gemeinsam mit Gustav Hertz fort. Beide konnten 1913 an Quecksilberdampf experimentell zeigen, dass Elektronenstöße Atome auf eine genau bestimmte höhere Energiestufe bringen können. Dies war aber keine Ionisierung (wie beide zunächst glaubten), sondern stellte sich als Bestätigung des Bohrschen Atommodells heraus, welches im Atom nur bestimmte Energiestufen erlaubte. Hierfür wurden sie 1925 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. 

Arbeiten zur Relativitätstheorie

Born war seinerseits nach Forschungsaufenthalten in Cambridge und Breslau erneut nach Göttingen zurückgekehrt, wo er sich 1909 mit Arbeiten zur Relativitätstheorie habilitierte und eine atomphysikalische Theorie der Kristalle entwickelte. 1914 erhielt er den Ruf an die Berliner Universität zur Unterstützung → Max Plancks auf dem Gebiet der theoretischen Physik. Doch sollte sich Born, wie auch Franck, bei Kriegsausbruch sogleich die Frage stellen, was ihre Wissenschaft für den Krieg leisten könnte. Franck nahm nach kurzem Fronteinsatz an → Fritz Habers Entwicklung von Gaskampfstoffen teil, während Born mit Schallmessverfahren zur Geschützortung befasst war. Beider Einsatz steht exemplarisch für die Mobilisierung der modernen Physik für den Krieg, wie sie 1914-1918 von allen Kriegsparteien systematisch betrieben wurde. Dennoch führten sowohl Franck, seit 1916 als außerordentlicher Professor der Berliner Universität und Mitglied des KWI für physikalische Chemie, als auch Born ihre eigene Forschung während des Krieges fort, soweit es eben möglich war.

Nach Kriegsende verlor Berlin zunächst Born, der mit → Max von Laue in Frankfurt/Main die Professuren tauschte, bevor er 1920 einen Ruf auf die Professur für Theoretische Physik in Göttingen erhielt. Auf Borns Betreiben schuf das Kultusministerium dann auch für Franck ein Ordinariat für Experimentalphysik in Göttingen. Dort sollten beide zusammen mit Robert Pohl (der auch von 1904-1917 an der Berliner Universität Student und Assistent war) Göttingen in den 1920er Jahren zu einem international sichtbaren Zentrum der Quantenphysik machen, das junge Talente aus dem In- und Ausland anzog. Neben → Werner Heisenberg und Pascual Jordan, mit denen Born in der berühmten „Drei-Männer-Arbeit“ die 1925 die Quantenmechanik entwickelte, kamen auch Robert Oppenheimer, Viktor Weisskopf, Eugen(e) Wigner, Edward Teller oder auch Edward Condon, mit dem Franck etwa das Franck-Condon-Prinzip aufstellte. 

 

Konsequenzen der Physiker durch das NS-Regime 

Die nationalsozialistische Machtergreifung markierte einen tiefen Einschnitt in die Karrieren der beiden Physiker wie in die deutsche Wissenschaft insgesamt. Max Born musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft Deutschland verlassen, 1936 entzog ihm das NS-Regime auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er konnte 1933 zunächst in Cambridge und im indischen Bangalore Stellen als „Lecturer“ übernehmen, ehe er 1936 auf eine Professur in Edinburgh gelangte. 1939 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.

James Franck war zwar als „Frontkämpfer“ des Ersten Weltkriegs von der ersten großen Entlassungswelle nach Erlass des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 verschont, erklärte aber nur wenige Tage später öffentlich den Verzicht auf dieses zweifelhafte Privileg und legte seine Professur demonstrativ nieder – ein durchaus seltener und umso spektakulärerer Fall von Protest gegen die NS-Politik. Im Sommer 1933 verließ auch Franck Göttingen. Zunächst zwischen Baltimore und Kopenhagen wechselnd, übernahm er 1938 eine Professur in Chicago, wo er bis 1956 lehrte und forschte. 1941 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Auch in dieser Beziehung sind die Lebenswege von James Franck und Max Born exemplarisch für deutsche Wissenschaftler jüdischer Herkunft, die – im günstigsten Fall – ihre Karrieren nach 1933 im Ausland fortsetzten, im ungünstigen Fall freilich vor den Trümmern dessen standen, was sie sich bis dahin in Deutschland aufgebaut hatten.

Weil er – wie andere auch – befürchtete, in NS-Deutschland würde eine Atombombe entwickelt, beteiligte sich Franck wie viele andere europäische Emigranten am US-amerikanischen Atombombenprojekt, dem Manhattan-Projekt. → Albert Einstein selbst hatte US-Präsident Franklin D. Roosevelt auf diese Gefahr aufmerksam gemacht und zum Handeln aufgefordert. Sobald allerdings absehbar war, dass es nicht zum Einsatz einer deutschen „Uranwaffe“ kommen würde, setzte Franck alles daran, den Abwurf amerikanischer Atombomben zu verhindern. Im Juni 1945 legte er gemeinsam mit sieben anderen Wissenschaftlern den „Franck-Report“ vor, der vor der Verwendung nuklearer Waffen warnte.

Politische Themen

Damit hatte er, der sich bis 1933 als unpolitisch verstanden hatte, das zentrale Thema gefunden, das ihn bis zu seinem Tod 1964 umtreiben sollte. Nach Deutschland kehrte er lediglich zu Besuchen bei alten Freunden zurück. Das politische Engagement verband ihn auch nach dem Zweiten Weltkrieg eng mit Max Born, der ebenfalls das gängige Schicksal der emigrierten Wissenschaftler teilte: Ein seriöses Angebot zur Rückkehr nach Deutschland blieb in aller Regel aus. Born nahm nach der Emeritierung seinen Alterssitz in Bad Pyrmont, nicht zuletzt aus finanziellen Erwägungen zur Sicherung seiner Pensionsansprüche. 

Das neue Gewicht, das 1954 der Nobelpreis seiner Stimme in Deutschland gab, setzte Born als Mahner für den Frieden ein. Er war einer der Initiatoren der „Göttinger Erklärung“, in der 1957 achtzehn deutsche Atomwissenschaftler (darunter → Otto Hahn, → Max von Laue und → Werner Heisenberg) eindringlich vor einer nuklearen Bewaffnung der Bundeswehr warnten und sich damit in Opposition zur Bundesregierung setzten.
James Franck und Max Born stehen mit ihrem wissenschaftlichen Oeuvre für die moderne Physik und ihre enge Verzahnung von Experiment und Theorie; für die eminente Bedeutung von Wissenschaftlern jüdischer Herkunft für die deutsche Wissenschaft; für die Internationalisierung der deutschen Physik – und dafür, wie sich Wissenschaftler der gesellschaftlichen Verantwortung für die Folgen ihrer Forschung stellen.

Nachlässe

  • James Franck Papers, University of Chicago Library
  • NL Max Born, Staatsbibliothek Berlin
    Born Papers, Churchill College, Cambridge
Schriften (in Auswahl)
  • Lemmerich, Jost (Hg.): Der Luxus des Gewissens: Max Born, James Franck, Physiker in ihrer Zeit, Berlin 1982. 

Max Born

  • Ausgewählte Abhandlungen, 2 Bde., Göttingen 1963.
  • (zus. mit Hedwig Born) Der Luxus des Gewissens, München 1969.
  • Physik im Wandel meiner Zeit, 4., erw. Aufl. Braunschweig 1966.
  • Mein Leben. Die Erinnerungen des Nobelpreisträgers, München 1975.

James Franck

  • (mit Pascual Jordan) Anregung von Quantensprüngen durch Stöße. Berlin 1926.
  • (Vorsitzender mit anderen, Hg.) Report of the Committee on Political and Social Problems
    Manhattan Project "Metallurgical Laboratory", University of Chicago (The Franck Report), June 11, 1945 

 

Literatur (in Auswahl)

  • Greenspan, Nancy T.: Max Born. Baumeister der Quantenwelt. Eine Biographie, Heidelberg 2008.
  • Schirrmacher Arne: Max Born, in: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler, hg. von Dieter Hoffmann u.a., Heidelberg/Berlin 2007, Bd. 1, S. 216-218.
  • Lemmerich, Jost: Aufrecht im Sturm der Zeit. Der Physiker James Franck (1882-1964), Diepholz u.a. 2007.

 

James Franck: 26. August 1882 (Hamburg) – 21. Mai 1964 (Göttingen)

Max Born: 11. Dezember 1882 (Breslau) – 5. Januar 1970 (Göttingen)

 

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