Humboldt-Universität zu Berlin

Liselotte Herrmann

Studentin – Kommunistin – Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus

Liselotte („Lilo“) Herrmann war Studentin der Biologie an der Berliner Universität, kommunistische Aktivistin, die wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Liselotte Herrmann, stammte aus einem gutsituierten, bürgerlich-liberalen Elternhaus in Berlin-Charlottenburg, der Vater Richard war Ingenieur, die Mutter Elise kümmerte sich um die Familie. Schon als Schülerin trat sie dem Sozialistischen Schülerbund, dann dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands. Ostern 1929 machte sie ihr Abitur; im selben Jahr zog die Familie nach Stuttgart.

Eigentlich wollte sie Malerin werden, studierte jedoch auf Druck des Vaters zunächst Chemie an der Stuttgarter Technischen Hochschule, wechselte 1931 zum Fach Biologie und an die Berliner Universität. In diesem Jahr trat sie auch der Kommunistischen Partei Deutschlands bei. Mit rund hundert anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen wurde Lilo Herrmann im Juli 1933 wegen ihrer politischen Aktivitäten von der Universität verwiesen.

 

Widerstand des NS-Regimes

Sie nahm eine Stelle als Kindermädchen an, wirkte im Widerstand und gebar im Mai 1934 einen Sohn. Vater des Kindes war Fritz Rau, Redakteur bei verschiedenen KPD-Zeitungen, der verhaftet worden und im Dezember 1933 im Gefängnis Berlin-Moabit ums Leben gekommen war. Herrmann gehörte dem Abwehrapparat der illegalen KPD an, sammelte Informationen zur Rüstungsindustrie. Seit September 1934 wohnte sie mit ihrem Sohn wieder in Stuttgart, arbeitete im Ingenieurbüro ihres Vaters und war weiter im kommunistischen Widerstand tätig. Im Dezember 1935 wurde sie von der Gestapo verhaftetet. Etliche Monate blieb sie in Untersuchungshaft, im Juni 1937 verurteilte sie der Volksgerichtshof, der auch über Berlin hinaus auch in anderen Städten tagte, in Stuttgart wegen „Hochverrats“ zum Tode.

Zahlreiche Proteste erhoben sich im Ausland gegen die drohende Hinrichtung, die erste einer Mutter in NS-Deutschland. Komitees, die sich für ihre Freilassung einsetzten, bildeten sich in etlichen Ländern; in Paris wurde eine Broschüre „Eine deutsche Mutter in der Todeszelle“ veröffentlicht. Doch waren die Proteste vergeblich. Lilo Herrmann wurde ins Berliner Frauengefängnis in der Barnimer Straße überführt und drei Tage vor ihrem 29. Geburtstag am 20. Juni 1938 in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet.

Ikone der DDR

In der DDR wurde sie zur Ikone stilisiert; nach ihr wurden Schulen, Straßen und öffentliche Einrichtungen benannt. Auf dem Mahnmal im Innenhof der Humboldt-Universität ist ihr Name zuerst genannt. Stefan Hermlin schrieb über sie ebenso wie Friedrich Wolf, der ein Gedicht verfasste, das Paul Dessau 1953 für eine Sprechstimme, sechs Soloinstrumente und Chor vertonte. In Westdeutschland dauerte es bis zum Ende des Kalten Krieges, bis auch der kommunistische Widerstand im offiziellen Gedenken anerkannt wurde. 1988 wurde ein – damals noch umstrittener – Gedenkstein vor der Universität Stuttgart errichtet, 2008 ein Stolperstein an ihrem einstigen Wohnhaus in der Stuttgarter Hölderlinstraße verlegt.

Literatur (in Auswahl)

  • Clemens, Ditte: Schweigen über Lilo. Die Geschichte der Liselotte Herrmann, Ravensburg 1993, Neuaufl. Rostock 2018.
  • Burghardt, Max u. a.: So kannten wir dich, Lilo. Lilo Herrmann, eine deutsche Frau und Mutter, Berlin (Ost) 1954.
  • Wolf, Friedrich: Lilo Herrmann, die Studentin aus Stuttgart. Ein biographisches Poem, Berlin (Ost) 1951.

 

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