Humboldt-Universität zu Berlin

W. E. B. Du Bois

Soziologe – Bürgerrechtler – Panafrikanist

W.E.B. Du Bois
W.E.B. Du Bois, Niagara Delegiertentreffen,
Boston, 1907 / Special Collections and
University Archives, University of Massachusetts
Amherst Libraries

W.E.B. Du Bois war einer der einflussreichsten Vordenker und Aktivisten der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung sowie der Panafrikanischen Bewegung. Anregungen für seine Arbeit als Soziologe wie auch für sein politisches Engagement erhielt er während seiner Studienzeit in Berlin. 1958 wurde Du Bois als erste PoC mit der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität ausgezeichnet.

W.E.B Du Bois entstammte einer freien afroamerikanischen Familie. Nach dem B.A.-Studium an der Fisk University in Nashville, Tennessee, studierte er Geschichte an der Harvard University, wo er 1892 mit dem M.A. abschloss. Als Stipendiat des Slater Fund kam er 1892 nach Berlin mit dem Plan, an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu promovieren. Er besuchte Vorlesungen bei dem Historiker Heinrich von Treitschke und den Ökonomen Adolf Wagner und Gustav Schmoller, bei dem er eine Dissertation zur Geschichte der Landwirtschaft in den Südstaaten der USA schreiben wollte. Da sein Stipendium nach zwei Jahren nicht verlängert wurde, konnte Du Bois die Arbeit nicht abschließen und kehrte 1894 in die USA zurück. Als erster Afroamerikaner wurde er 1895 in Harvard promoviert.

 

 

 

 

Die Berliner Erfahrung

Die Berliner Erfahrungen prägten Du Bois nachhaltig. Er fühlte sich in Deutschland erstmals frei von der rassistischen Diskriminierung, der er in den USA ausgesetzt war. Auch in intellektueller Hinsicht hinterließ das Berliner Studium erkennbar seine Spuren bei Du Bois: Aus dem deutschen Idealismus, wie er ihn in den Schriften Fichtes und Herders kennengelernt hatte, und aus dem Romantizismus Jakob Grimms leitete er Vorstellungen von Rassen ab, die getrennt voneinander existierten, jedoch alle gleichermaßen als Subjekte der Geschichte in Erscheinung träten. In seinem Vortrag „The Conservation of Races“ vor der neu gegründeten American Negro Academy 1897 entwarf er ein durchaus essentialistisches Bild der AfroaAmerikaner, die sich zwar auch als Amerikaner verstünden, zugleich aber ihre Eigenart bewahren müssten. Damit setzte er dem vorherrschenden Eurozentrismus seiner Zeit ein starkes afroamerikanisches Selbstbewusstsein entgegen.

Nach der Promotion setzte Du Bois seine wissenschaftliche Karriere fort, zunächst an der University of Pennsylvania in Philadelphia, dann, 1897 bis 1910, an der University of Atlanta in Atlanta, Georgia. 1899 machte er mit einer großen soziologischen Studie über die afroamerikanische Bevölkerung Philadelphias auf sich aufmerksam („The Philadelphia Negro. A Social Study“). Im strengen Empirismus dieser Arbeit lassen sich wiederum Anregungen aus der Berliner Zeit erkennen. Vor allem aber „The Souls of Black Folk“ von 1903 verschaffte ihm weithin Prominenz. In dieser Sammlung von Essays befasste sich Du Bois mit den psychischen Folgen der Rassentrennung. Die Schrift wurde auch von der deutschen Soziologie rezipiert, Max Weber setzte sich für eine Übersetzung ins Deutsche ein, die allerdings erst 2003 verwirklicht wurde.

Journalistische Tätigkeiten

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit profilierte sich Du Bois zunehmend als Journalist und wurde politisch aktiv. Vor allem sein Engagement für die panafrikanische Bewegung, das er 1910 als Sekretär der ersten panafrikanischen Konferenz in London begann, bestimmte sein weiteres Wirken. 1905 war er einer der Gründer des Niagara Movement, einer afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, aus der 1909 die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) hervorging, eine der maßgeblichsten politischen Organisationen der Afroamerikaner:innen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Du Bois war hier bis 1934 (erneut 1944-1948) im Vorstand aktiv und Herausgeber der Zeitschrift „The Crisis“.

Überlagert wurde seine Tätigkeit in der NAACP von seinem Aktivismus zunächst als Sozialist, bevor er sich unter dem Eindruck der (von ihm als positiv gedeuteten) Entwicklung in der Sowjetunion unter Stalin dem Kommunismus zuwandte. Anlässlich einer Reise in die Sowjetunion besuchte er 1936 erneut Berlin, von wo er journalistisch berichtete. Den herrschenden Antisemitismus der Zeit setzte er mit dem US-amerikanischen Rassismus gleich, wobei er allerdings die Entrechtung und Verfolgung der deutschen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten zu dieser Zeit unterschätzte.

Seine Nähe zur Sowjetunion brachte Du Bois in Konflikte mit dem US-amerikanischen Staat der McCarthy-Ära, erst 1958 erhielt er seinen bis dahin eingezogenen Reisepass zurück. Für sein Engagement in der kommunistischen Weltfriedensbewegung wurde Du Bois 1959 mit dem Internationalen Lenin-Friedenspreis der Sowjetunion ausgezeichnet. Bereits im Jahr zuvor, 1958, verlieh ihm die Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde. Du Bois siedelte 1962 in das unabhängig gewordene Ghana über, wo er im folgenden Jahr verstarb.

Seit 1998 finden an der Humboldt-Universität jährlich die viel beachteten W.E.B. Du Bois Lectures sowie die Distinguished W.E.B. Du Bois Lectures statt. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes Unter den Linden befindet sich (in Kürze) eine Gedenktafel, mit der die Universität erstmals eine afroamerikanische Person ehrt.

Schriften

  • The Complete Published Works of W.E.B. Du Bois, hg. von Herbert Aptheker, 15 Bde., Millwood/White Plains, N.Y. 1980-1986.
  • The Autobiography of W.E.B. Du Bois. A Soliloquy on Viewing My Life from the Last Decade of Its First Century, New York 1968.
  • W.E.B. Du Bois Speaks: Speeches and Addresses, 1920-1963, hg. von Philip S. Foner, o.O. 1970

Literatur (in Auswahl)

  • Appiah, Antony Kwame: Lines of Descent. W.E.B. Du Bois and the Emergence of Identity, Cambridge, Mass. 2014.
  • Bechhaus-Gerst, Marianne: W.E.B. Du Bois in Berlin, in: Ulrich van der Heyden/Joachim Zeller (Hg.), „...Macht und Anteil an der Weltherrschaft“. Berlin und der deutsche Kolonialismus, Münster 2005, S. 231-236.
  • Lewis, David Levering: W.E.B. Du Bois. Biography of a Race, 1868-1919, New York 1994.
  • Lewis, David Levering: W.E.B. Du Bois. The Fight for Equality and the American Century, 1919-1963, New York 2001.
  • Zamir, Shamoon (Hg.): The Cambridge Companion to W.E.B. Du Bois, Cambridge 2008.

 

W. E. B. Du Bois: 23. Februar 1868 (Great Barrington, Massachussetts) – 27. August 1963 (Accra/Ghana)

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