Humboldt-Universität zu Berlin

Regine Hildebrandt

Biologin – Sozialpolitikerin – engagierte Vertreterin ostdeutscher Interessen in der Transformation nach 1990

Alternativtext
Regine Hildebrandt, Foto: ddrbildarchiv

Regine Hildebrandt war eine der bekanntesten und populärsten Politikerinnen Ostdeutschlands nach der deutschen Vereinigung 1990. Zeit ihres Lebens zeigte sie sich als eigenständige, integre und für andere engagierte Persönlichkeit. Nach dem Biologiestudium an der Humboldt-Universität arbeitete sie zunächst in der Arzneimittelforschung der DDR, ehe sie 1989 politisch aktiv wurde. Sie gewann rasch an politischem Profil und bekleidete bis zu ihrem Tod 2001 mehrere Ministerämter.

Regine Hildebrandt ist am 26. April 1941 in Berlin geboren und verstarb am 26. November 2001 in Woltersdorf bei Berlin. Sie wuchs in der Bernauer Straße in der Mitte Berlins auf und erlebte hautnah, wie die Sektorengrenze die Stadt teilte.

Werdegang

Zunächst sollte ihr ein Studium in der DDR verwehrt werden, weil sie sich, anstelle der FDJ beizutreten, in der Jungen Gemeinde engagierte. 1959 wurde sie an der Humboldt-Universität doch noch immatrikuliert und studierte Biologie, u. a. bei ® Günter Tembrock, und spezialisierte sich auf die Biochemie der Veterinärmedizin. 1961 verlor sie beinahe ihren Studienplatz, weil sie mit Bezug auf die Berliner Mauer gesagt hatte, von einem „Antifaschistischen Schutzwall“ könne nicht die Rede sein: „Wo stehen denn die Kampfgruppen? – Vor dem Brandenburger Tor!“ (Berliner Tagesspiegel 12.10.2001). Die Exmatrikulation konnte abgewendet und in einen „Bewährungseinsatz“ in der Praxis umgewandelt werden. Nach dem Diplom ging sie in die Industrie und war in der Arzneimittelforschung des VEB Berlin-Chemie tätig, später als Bereichsleiterin in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten. 1968 wurde sie als außerplanmäßige Aspirantin an der Humboldt-Universität zum Dr. rer. nat. promoviert.

Engagement in der Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt"

Von 1989 an engagierte sich Regine Hildebrandt, die seit längerem auch in der evangelischen Kirche aktiv war, in der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“. Am 12. Oktober 1989 trat sie in die wenige Tage zuvor gegründete Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) ein. Mit den ersten freien Wahlen in der DDR im März 1990 wurde sie in die Volkskammer gewählt und wirkte von April bis August 1990 in der ersten freigewählten DDR-Regierung als Ministerin für Arbeit und Soziales. Darauffolgend wurde sie als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen Mitglied der brandenburgischen Landesregierung. 

In Brandenburg, aber auch bundesweit war Hildebrandt wegen ihrer Nähe zur Bevölkerung, ihrer direkten und temperamentvollen Art, vor allem wenn es um die Themen Familie (zwischen 1969 und 1974 wurden ihre drei Kinder geboren), soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ging, sehr beliebt. Ihr volksnahes, couragiertes und direktes Auftreten in der Öffentlichkeit, meist im Berliner Dialekt, trug ihr den Spitznamen „Mutter Courage des Ostens“ ein. So verlieh sie den ostdeutschen Landsleuten eine Stimme und spielte durch ihre politischen Ämter, die sie leidenschaftlich und unkonventionell versah, in den 1990er Jahren eine Schlüsselrolle im Transformationsprozess der deutschen Einheit. Am 26. November 2001 erlag sie einem Krebsleiden.

Schriften (in Auswahl)

  • „Wer sich nicht bewegt, hat schon verloren“, Berlin 1996.
  • Herz mit Schnauze. Sprüche und Einsprüche, hg. von Frauke und Elske Hildebrandt/Roswitha Köppel, Berlin 2014.

Literatur (in Auswahl)

  • Schütt, Hans-Dieter: „Ich seh doch, was hier los ist“. Regine Hildebrandt: Biographie, Berlin 2015.
  • Finke, Kathrin/Rainer Karchniwy: „Erzählt mir doch nich, dasset nich jeht“. Erinnerungen an Regine Hildebrandt, Berlin 2003.
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