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Humboldt-Universität zu Berlin

Alice Markiewicz

07.09.1912 - 03.02.1943

Alice Markiewicz (geb. Reich) wurde am 7. September 1912 in Berlin-Charlottenburg als Tochter von Else Müller und Hermann Reich geboren.1 Die meisten Informationen über Familie Reich stammen aus dem Archiv des Entschädigungssamtes Berlin. Ihr Vater arbeitete als Bankbeamter, ihre Mutter war seine zweite Ehefrau. Aus erster Ehe hatte er noch eine Tochter Valerie, deren Mutter Walburga am 25. Juli 1910 gestorben war.2 Valerie Reich emigrierte mit ihrem Mann wahrscheinlich noch vor dem Krieg nach Rio de Janeiro.3

Alice Markiewicz Transport

Ein Fragment der Transportliste vom 3. Februar 1943. Quelle: Staatliches Museum Auschwitz- Birkenau in Oświęcim: Gestapo Berlin Auschwitz Transporte -25-28 +4, Sygn. D-RF-3/121/14, nr. inw. 149712

Die Familie Reich wohnte seit 1912/1913 in der Leibnizstraße 31. Später war sie gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen und zog in eine viel kleinere Wohnung (Dahlmannstraße 11), die sie noch mit einer anderen Familie teilen musste. Hermann Reich starb am 15. Februar 1920 noch vor dem Umzug.4

Alice Markiewicz studierte an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin von 1931 bis mindestens Juni 1933.5 Ob sie ihren Abschluss machen konnte, ist uns nicht bekannt. Am 29. April 1937 heiratete sie Hans Markiewicz. Sie wohnten zusammen mit Else Reich in der Dahlmannstraße. Hans Markiewicz war Kaufmann und Alice Markiewicz arbeitete als Stenotypistin.6 Sie hatten keine Kinder. Ihr Schicksal während der ersten Kriegsjahre ist leider nicht genau bekannt.

Else Reich wurde von der Familie getrennt und am 14. Dezember 1942 mit dem 25. Osttransport nach Riga deportiert. Sie gilt seit diesem Zeitpunkt als "verschollen".7

Alice und Hans Markiewicz wurden knapp zwei Monate später mit dem 28. Osttransport am 3. Februar 1943 ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Mit ihnen wurde auch die Familie Ledermann, mit der sie die Wohnung teilten, deportiert.8 Hier die Beschreibung des Transports aus dem Buch von Danuta Czech:

"Mit dem Sonderzug Da15 ist ein Transport (404) des RSHA aus Berlin mit 1000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern eingetroffen. Nach der Selektion werden 181 Männer die die Nummern 99915 bis 100095 erhalten sowie Frauen, die die Nummern 34183 bis 34288 erhalten, als Häftlinge ins Lager eingewiesen. Die übrigen 713 Menschen werden in den Gaskammern getötet."9

Beide Ehepaare, Markiewicz und Ledermann, wurden als "arbeitsfähig" gekennzeichnet.10 Sie haben jedoch nicht überlebt. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs datiert den Tod von Alice Markiewicz und ihres Mannes auf den 3. Februar 1943 in Auschwitz.11


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  1. Vgl. Archiv des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Abteilung I - Entschädigungsbehörde, Akte 62461/A9.
  2. Vgl. ebd. Akte 62461/D2 u. A10.
  3. Vgl. ebd. Akte 62461/D2.
  4. Vgl. ebd. Akte 62461/D2 u. A6.
  5. www.charite.de/medizingeschichte/forschung/HU-Archiv-PRV-Studenten1933-1938.htm, abgerufen am 12.05.2010.
  6. Vgl. Archiv des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Abteilung I - Entschädigungsbehörde, Akte 62461/A8.
  7. Vgl. Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 1986.
  8. Vgl. Archiv des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Abteilung I - Entschädigungsbehörde, Akte 62461/D2.
  9. APMO, D-AUI5/2 Leichenhallenbuch, S. 59 in: Kalendarium der Ereignisse im 1939-1945, Danuta Czech.
  10. Vgl. Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim: Gestapo Berlin Auschwitz Transporte -25-28 +4, Sygn. D-RF-3/121/14, nr. inw. 149712.
  11. Vgl. www.bundesarchiv.de/gedenkbuch, Eintrage zu Alice und Hans Markiewicz, abgerufen am 12.05.2010.