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Humboldt-Universität zu Berlin

„Was man mir nicht nehmen konnte, war meine gute Laune“

Siggi (Siegmund) Gross (*1912) nahm als Hockeyspieler mehrfach an der jüdischen Olympiade teil. Nach dem Abbruch seines Jurastudiums baute er in Israel eine Transportfirma auf und initiierte später das Besuchsprogramm des Berliner Senats für emigrierte jüdische Bürgerinnen und Bürger.

 

 

Siggi (Siegmund) Gross
  • 1912 in Berlin geboren
  • 1930 Teilnahme an der 1. Maccabia
  • 1931-1933 Jurastudium in Berlin
  • 1933 Emigration nach Palästina
  • 1969 Initiator des Berliner Besuchsprogramms
  • 1980 Verleihung des Bundes­verdienst­kreuzes

Jugend in Berlin

Siggi Gross wuchs im Berliner Scheunenviertel auf, wo auch seine orthodoxe Vorschule lag. In Berlin Mitte besuchte er das Gymnasium und arbeitete wie seine Brüder als Statist an der Staatsoper. Die vier Brüder ließen keine Theaterpremiere aus und trieben eine Menge Schabernak. Einmal schlichen sie sich in den Kostümball am Zoo ein und tranken aus den Sektgläsern der Gäste, die sich gerade auf der Tanzfläche befanden.

Leidenschaftlicher Sportler

Zeit seines Lebens begeisterte sich Siggi Gross für Sport. Schon als sechsähriger trat er dem jüdischen Sportverein „Bar Kochba“ bei. Als Jugendlicher nahm er als Läufer und Hockeyspieler an internationalen Wettkämpfen jüdischer Vereine teil. Schon vor seiner Auswanderung fuhr er nach Palästina, um bei der ersten Makkabia 1932, einer Art jüdischer Olympiade, dabei zu sein.

Als Siggi Gross 1933 als Emigrant in Palästina einreiste, wurde er sofort Mitglied im Verein „Maccabi Tel Aviv“. Er war Mitbegründer und Vorstandsmitglied zahlreicher Organisationen der Makkabi-Bewegung. Bei der 16. Makkabia 2001 schließlich zündete er – als Vertreter der ersten Generation – eine Fackel zur Erinnerung an die erste jüdische Olympiade an.

Jurastudium ohne Abschluss

Seit 1931 studierte Siggi Gross an der Berliner Universität Jura. Noch ermöglichte es die Universität religiösen Juden wie ihm, die am Schabbat nicht schreiben dürfen, die Zwischenprüfung an einem anderen Termin nachzuholen. Schon zu Schulzeiten war er Mitglied der zionistischen Verbindung „Kadimah“ und als solcher „KJVer“, also Mitglied im Kartell Jüdischer Verbindungen. In den Mittagspausen trafen sich die Mitglieder dieser und anderer Verbindungen beim sogenannten „Stehconvent“.

Während seines Studiums arbeitete Siggi Gross außerdem als Journalist für das Berliner Tageblatt, er schrieb z. B. kleinere Meldungen über Sportveranstaltungen und Tumulte an der Universität.

Er hatte gerade mit dem Repetitorium zur Vorbereitung auf das erste Staatsexamen begonnen, als er beschloss, das Studium abzubrechen und mit seiner Familie zu emigrieren.

Transportunternehmer in Israel

Siggi Gross' Vater war nach Palästina vorausgefahren und holte die übrigen Familiemitglieder noch im Jahr 1933 nach. Siggi Gross' juristische Kenntnisse nutzen ihm dort nichts, da im britischen Mandatsgebiet das britische Rechtssystem herrschte. Er und drei Freunde aus Berlin fanden jedoch einen Ausweg aus dieser misslichen Lage: Sie mieteten einen Handwagen, um in Tel Aviv Gepäck zu transportieren. Schnell expandierte das Geschäft, sie kauften einen LKW, gründeten eine Speditionsfirma und später auch ein Reiseunternehmen. Die Firma war u.a. für den Instrumententransport und die Konzertreisen der neu geschaffenen israelischen Philharmonie zuständig.

In Israel lernte Siggi Gross auch seine Frau, eine Israelin kennen, mit der er mehrere Kinder hatte. 1969 gründete er den „Verein ehemaliger Berliner“ und organisierte Besuche und Begegnungen für die Vereinsmitglieder in Berlin. Daraus entstand das Besuchsprogramm des Berliner Senats, das bis Ende des Jahres 2010 Reisen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger nach Berlin organisierte und finanzierte. Für diese Initiative wurde Siggi Gross neben dem Verdienstorden des Landes Berlin 1980 auch das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Siggi Gross starb in Israel.

Das Emigrantenprogramm des Berliner Senats ist in seiner ursprünglichen Form mit Gruppenreisen Ende des Jahres 2010 ausgelaufen. Seitdem werden weiterhin Einzelreisen mit Übernahme der Reise- und Aufenthaltskosten für jeweils zwei Personen durch die Senatskanzlei durchgeführt.

Weitere Informationen

Emigrantenprogramm des Berliner Senats