Religion Kunst Wissenschaft
April 2026 - Oktober 2026.
Gespräche. Lectures. Film. Literaturtage. Video. Performace.
Im Himmel steht auch ein Haus,
sagte die vierjährige Alma-Lou vor einiger Zeit zu mir.
Performen was an der Zeit ist.
Prof. Dr. Andreas Feldtkeller und Dr. theol. des. Rosa Coco Schinagl
Einführung in die Reihe.
2 Samuel 7, 1-13 möchte König David Gott ein festes Haus (Tempel) bauen,
da er selbst in einem Zedernhaus wohnt,
während die Bundeslade noch im Zelt weilt.
Description
Im Himmel steht auch ein Haus,
sagte die vierjährige Alma-Lou
vor einiger Zeit zu mir.
Performen was an der Zeit ist.
Ein Haus im Himmel / viele Wohnungen / ein Luftschloss gebaut aus Nächstenliebe / der menschliche Körper ein Tempel / Namaste. Die religiösen Über-lieferungen der Menschheit haben viele Bilder dafür, wie das Göttliche im Menschen Wohnung nimmt und das Menschliche im Göttlichen. Nicht nur Worte malen solche Bilder; auch eine Ikone, ein Ritual, eine Skulptur, eine Auf-führung, ein Musikstück, ja manchmal sogar eine wissenschaftliche Idee fügt dem eine weitere Dimension hinzu. Die Veranstaltungsreihe bringt Religion, Kunst, Wissenschaft mit ihrer jeweils inneren Vielfalt und mit ihren schon immer gegebenen Verbindungslinien ins Gespräch, ins Erfahren, ins Handeln. Sie lädt zum Zuhören ein, wenn Menschen über Häuser im Himmel und Tempel auf Erden sprechen, während sie verschiedenen religiösen und spirituellen Pfaden folgen; sie lädt zum Betrachten und Nachspüren ein, wo der Ausdruck davon sinnlich erfahrbar wird.
Doch das Wohnen des Göttlichen erschöpft sich nicht im Menschen allein. Auch Tiere, Pflanzen und die vielgestaltigen Lebewesen dieser Erde sind Träger von Sinn, Atem und Beziehung. Wälder werden zu Kathedralen, Flüsse zu liturgischen Wegen, Tiere zu Mitgeschöpfen, die uns lehren, was Verbundenheit, Maß und Gegenwärtigkeit bedeuten. In vielen religiösen und spirituellen Traditionen gilt die Schöpfung selbst als lebendiger Text, als Körper, als Mitbewohnerin des Heiligen. Wo das Menschliche im Göttlichen Wohnung nimmt, nimmt auch das Mehr-als-Menschliche Raum ein – verletzlich, würdevoll, unersetzlich. Tiere, Pflanzen, Böden, Gewässer und Atmosphären sind keine Kulissen menschlicher Existenz, sondern Mitbewohner eines gemeinsamen Hauses. Wälder, Meere und Städte bilden ein ökologisches Gefüge, in dem jedes Lebewesen Spuren hinterlässt und Verantwortung trägt. Religiöse Überlieferungen und zeitgenössische Wissenschaft verweisen gleichermaßen auf diese wechselseitige Abhängigkeit: Leben ist Beziehung. Die Frage nach dem Wohnen des Göttlichen wird so zur Frage nach nachhaltigem Handeln, nach Gerechtigkeit zwischen Generationen und Arten, nach einer Kultur des Genug. Es geht darum, durch neue Formen der Resonanz die Kultur eines respektvollen und friedlichen Umgangs zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägungen in Kontakt zu bringen mit Menschen, die bisher die Wegkreuzung scheuen mit Andersdenkenden / Anderslebenden / Andersrespektierenden. Wo der menschliche Körper als Tempel verstanden wird, ist auch die Erde ein heiliger Raum, der Pflege, Achtsamkeit und Schutz verlangt.