"Ich möchte mehr von dem Buch erzählen, an dem ich gerade schreibe -
eine Art »Enzyklopädie meiner Städte«. Dieses Projekt wäre vor allem
eine neue Verkörperung meiner langjährigen Geopoetik – einer
spezifischen Kreuzung von Literatur und Geographie, meiner persönlichen
Version dessen, was Literaturwissenschaftler cognitive mapping
nennen.
Die alphabetische Reihenfolge, in der sich die Städte in die Struktur
des Buches einfügen werden, erlaubt es, überkommene Hierarchien und
Koordinatensysteme aufzubrechen – vor allem die des Raums, denn Detroit
wird sich neben Dnipropetrowsk wiederfinden, Izmir neben Kaliningrad,
Marburg neben Minsk und Czernowitz neben Chicago. Nicht weniger
interessant ist die Möglichkeit, die Zeiten zu vermischen. Und dann
vielleicht entsteht daraus eine völlig unerwartete Ganzheit:
konzentriert-meditativ, an der Grenze von Roman, Essay, Novelle und
Poem, irgendwo in der Mitte zwischen einer fiktiven Autobiographie und
einer realen Dokumentation der letzten vier Jahrzehnte dieser
Welt."
Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem
früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als
Lyriker. 1985 war er Mitbegründer der legendären literarischen
Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). In deutscher
Sprache erschienen u.a. im Suhrkamp Verlag: "Das letzte Territorium.
Essays" (2003), die Romane "Zwölf Ringe" (2005) und "Moscoviada"
(2006). Zuletzt: "Engel und Dämonen der Peripherie. Essays" (2007) und
"Geheimnis: Sieben Tage mit Egon Alt" (2008).
Mit freundlicher Unterstützung der Mosse Foundation New York, Gerda
Henkel Stiftung und
Stiftung Preußische Seehandlung.
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