„Man merkt eben doch noch mehr und mehr an den Dingen als man denkt,
daß man sich im Zentrum der eigenen Wissenschaft befindet.“ Dieses
emphatische Bekenntnis für Berlin ist in einem Brief von Heinrich Hertz
an seine Eltern aus dem Jahre 1880 zu lesen, als dieser Student der
Berliner Universität war. Berlin hatte sich in jenen Jahren zu einer
europäischen Metropole entwickelt, in der Wissenschaft und Technik von
zentraler Bedeutung waren. Namentlich in der Physik repräsentierte die
Stadt und ihre Wissenschaftsinstitutionen, allen voran die Berliner
Universität, eine Hochkultur, die in den Jahrzehnten um die
Jahrhundertwende die allgemeine Geschichte der Physik aufs engste mit
der Geschichte der Berliner Physik verknüpfte. Über den Aufstieg und
den Niedergang dieser Hochkultur physikalischer Forschung will die
Ringvorlesung des Instituts für Physik der Humboldt-Universität im
Sommersemester informieren.
Neben den prägenden Persönlichkeiten dieser Epoche – von Hermann von
Helmholtz über Max Planck und Albert Einstein bis zu Walther Nernst –
werden die einzelnen Vorlesungen mit physikalischen
Forschungsrichtungen wie der Thermodynamik oder der Quantenphysik
bekannt machen, die zu den Markenzeichen der Berliner Physik gehörten.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933
bedeutete für die Berliner Physik eine gravierende Zäsur, wurden doch
viele Gelehrte – allen voran Albert Einstein – aus ihren Stellungen
vertrieben und in die Emigration gezwungen. Ein Einschnitt, der bis in
die jüngste Vergangenheit nachgewirkt.
Die Vorlesungen im Einzelnen:
Mittwoch, 14. April 2010
Dr. Stefan L. Wolff (München)
Gustav Magnus – ein Chemiker prägt die Berliner Physik
Mittwoch, 28. April 2010
Prof. Werner Ebeling (Berlin)
Die Berliner Schule der Thermodynamik
Mittwoch, 12. Mai 2010
Prof. Jochen Brüning (Berlin)
Hermann von Helmholtz: Reichskanzler der Wissenschaften
Mittwoch, 26. Mai 2010
Prof. Jürgen Renn (Berlin)
Albert Einstein in Berlin
Mittwoch, 9. Juni 2010
Prof. Dieter Hoffmann (Berlin)
Max Planck, Walther Nernst, Erwin Schrödinger und andere:
Quantenphysik in Berlin
Mittwoch, 23. Juni 2010
Dr. Olaf Engler (Rostock)
Der Berliner Kreis um Hans Reichenbach: Physik und Philosophie in
Berlin
Mittwoch, 7. Juli 2010
Prof. Mark Walker (Schenectady NY, USA)
Physik im Dritten Reich
Donnerstag, 15. Juli 2010
Prof. Wolfgang Klose (Karlsruhe)
Zwischen Invaliden- und Mohrenstraße: Physik in den 50er Jahren in
Berlins Mitte (im Rahmen der Festveranstaltung zur Verleihung des Lise
Meitner-Preises und zur Verabschiedung der Absolventen 2010)
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: S-Bahnhof Adlershof (S8, S9,
S45, S46, S85); von dort ca. 10 Minuten Fußweg
WEITERE INFORMATIONEN
Prof. Dieter HoffmannHumboldt-Universität zu Berlin & Max-Planck-Institut für
Wissenschaftsgeschichte
Institut für Physik
Tel.: 030 2093-7600
E-Mail: href="mailto:dh@mpiwg-berlin.mpg.de">dh@mpiwg-berlin.mpg.de