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Abb.: Philipp Plum

Presseportal

Caroline von Humboldt-Preisträgerin: Johanna Mugler erforscht Phänomene moderner Staatlichkeit

Johanna Mugler, Postdoc an der Universität Bern, forscht zu Themen moderner Staatlichkeit wie Besteuerung,(supra)nationale Umverteilung und geistiges Eigentum. Als Caroline von Humboldt-Preisträgerin der HU wird sie zusammen mit dem Juristen Philipp Dann das Projekt „iFrontiers“ zu geistigem Eigentum und Internet realisieren.

In jungen Jahren wollte sie Regisseurin werden und Filme drehen. Johanna Muglers heutige Arbeit hat damit nichts zu tun, vielleicht minimal, da sie andere Menschen in unterschiedlichen Regionen der Welt in den Fokus nimmt, sie bei der Arbeit beobachtet und befragt – etwa südafrikanische Staatsanwälte oder internationale Steuerexperten. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in ihre anthropologische Forschung ein, mit der sie Fragen zu Themen moderner Staatlichkeit wie Besteuerung, (supra)nationale Umverteilung und digitales geistiges Eigentum zu beantworten sucht. Es sind Fragen, die sich im Hinblick auf eine Welt ergeben, die immer stärker durch Globalisierung und Digitalisierung geprägt ist. Die Nachwuchswissenschaftlerin der Universität Bern wird demnächst eines ihrer Projekte an der Humboldt-Universität realisieren – als Caroline von Humboldt-Preisträgerin 2021.

Studieren und forschen in Südafrika

Johanna Mugler hat in Deutschland, Südafrika und der Schweiz studiert und geforscht. Nach einem angefangenen Magister in Germanistik und Europäischer Ethnologie in München absolvierte sie einen Bachelor (Honours) Degree an der University of Capetown. „Ich bin aus privaten Gründen dort hingegangen, und es erwies sich als Glück, da es dort üblich ist, Studierende schon früh an das wissenschaftliche Arbeiten heranzuführen“, erinnert sie sich. Die Leidenschaft fürs Forschen war geweckt. Sicherheitsstrategien, Kriminalität und Strafjustiz in Südafrika spielen in ihrer Bachelorarbeit, im Magister, den sie nach dem Studium in Südafrika in München abschloss, und auch in ihrer Doktorarbeit eine Rolle – vor dem Hintergrund eines demokratischen Staates, der sich immer noch mit dem Erbe eines Apartheidstaats auseinandersetzen muss.

Rechenschaftspflicht, die Macht von Zahlenwerken

Das Thema ihrer Doktorarbeit lautete „Quantitative Rechenschaftspflicht innerhalb der südafrikanischen Staatsanwaltschaft“. „Mich hat interessiert, nach welchen Kriterien und Mustern südafrikanische Staatsanwälte, die andere für Fehlverhalten zur Verantwortung ziehen, selbst zur Rechenschaft gezogen werden.“ Sie wollte vor allem herausfinden, wie sich die Einführung von Leistungsmessungssystemen auf ihre Arbeit auswirken. „Was passiert mit komplexen Phänomenen wie Gerechtigkeit, Verantwortung und Professionalität, wenn es im Justizsystem üblich wird diese mit Indikatoren, Zielvorgaben, Rates und Rankings zu erfassen“, fasst Johanna Mugler zusammen. Um das herauszufinden, hat sie bei bereits erwähnten südafrikanischen Staatsanwälten im Büro gesessen, intensiv beobachtet, Fragen gestellt. 

Ihre Arbeit betont die „numerische Reflexivität“ von Akteuren, welche tagtäglich mit solchen Kennzahlen konfrontiert sind. Sie stellt eine Fallstudie dar, die zum allgemeinen Verständnis beiträgt: warum schaffen es manche Berufsgruppen und Organisationsfelder, sich der zunehmenden Macht von Zahlenwerken zu entziehen, warum scheitert hingegen der Versuch anderer? Ihre Promotion schloss sie als Doktorandin der Law, Organization, Science & Technology Forschungsgruppe an der Martin-Luther-Universität in Halle innerhalb der interdisziplinären International Max-Planck-Research School on Retaliation, Mediation and Punishment (REMEP), angesiedelt am Max-Planck Institut für ethnologische Forschung ab.

Als Post-Doc am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern beschäftigt sie die Mutter zweier Kinder zurzeit in einer ethnografischen Studie mit der Entstehung von internationalen Steuerrechtsnormen und global organisierten Unternehmen wie Facebook, Google & Co. Sie untersucht, basierend auf der empirischen Beobachtung von Interaktionen internationaler Steuerexpert:innen, wie VertreterInnen der OECD und nationaler Finanzdepartments, aber auch multinationale Unternehmen, auf gesellschaftliche Erwartungen nach mehr Steuergerechtigkeit reagieren. Des Weiteren beleuchtet sie den Umgang mit der Kritik von nicht-OECD Ländern und NGOs an der Transparenz und Legitimation der innerhalb der OECD stattfindenden Entscheidungsprozesse beziehungsweise an den strukturellen Privilegien von spezifischen Akteuren und ihrem Einfluss auf internationales Steuerrecht.

Wem gehören Rechte an Internet-Technologien

In ihrem Projekt „iFrontiers“, dass die Sozialanthropologin in Zusammenarbeit mit dem HU-Juristen Philipp Dann und als Caroline von Humboldt-Preisträgerin durchführen wird, wird es um geistiges Eigentum gehen, genauer gesagt, um die Rechte an den Technologien und der Infrastruktur, die das Internet ermöglichen. „Das ist ein Themenkomplex, der noch nicht ganz verstanden ist“, verdeutlicht die Forscherin. Sie möchte herausfinden, wie das öffentliche Gemeinwohl bei der Ausarbeitung von weitreichenden, internationalen Normen für die digitale Welt konzeptualisiert wird. Um Feldforschung zu diesem Thema zu betreiben, wird sie auch hierfür zu Konferenzen und Verhandlungen nach Brüssel, Genf und Washington reisen, um eine neue Arbeitswelt zu durchdringen und in wissenschaftliche Erkenntnisse über die Emergenz von Distributionsnormen in einer zunehmend ökonomisch und digital verflochtenen Welt einfließen zu lassen.

Autorin: Ljiljana Nikolic

Hybride Preisverleihung 

Die öffentliche Verleihung von Caroline von Humboldt-Professur und -Preis findet am Mittwoch, 17. November 2021, 18 Uhr im Senatssaal der HU statt, und wird von HU-Präsidentin Sabine Kunst eröffnet. Die Festrede hält Edelgard Buhlman, Vorsitzende des Kuratoriums der HU. Die Festveranstaltung findet hybrid statt, für die Teilnahme in Präsenz wird um Anmeldung via E-Mail gebeten. Sie können die Veranstaltung auf dem YouTube-Kanal der Humboldt-Universität im Livestream mitverfolgen.

Weitere Informationen

Caroline von Humboldt-Professur

Caroline von Humboldt-Preis

Caroline von Humboldt-Programm (strategisches Gleichstellungskonzept der Humboldt-Universität zu Berlin)

Kontakt

Kristina Kütt

Referentin der zentralen Frauenbeauftragten
Tel.: 030 2093 12842

E-Mail: kristina.kuett@hu-berlin.de

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