WEALTH & SPACE

Auf einen Blick

Laufzeit
11/2022  – 04/2023
DFG-Fachsystematik

Humangeographie

Förderung durch

Volkswagen Stiftung Volkswagen Stiftung

Projektbeschreibung

In der sozialwissenschaftlichen Forschung zur (Re-)Produktion von Reichtum und Ungleichheit befasst, kommt Raum und place als gelebter Ort bisher nur eine begrenzte Bedeutung zu., da die ungleichen Geografien der Einkommensverteilung und der Vermögenskonzentration üblicherweise in eher konventionellen georäumlichen Ansätzen dargestellt werden. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich WEALTH & SPACE auf die multiskalaren räumlichen Dimensionen, Mechanismen, Bedingungen, Strategien und Auswirkungen der (Re-)Produktion von Reichtum in Lateinamerika. Damit will das Projekt zu einem differenzierten Verständnis der konfliktreichen Räumlichkeit der Reichtums(re)produktion beitragen. Dabei konzentriert sich das Projekt auf vier verschiedene geografische und wirtschaftliche Gegebenheiten (Mexiko, Brasilien, Chile und Ecuador). Im Einzelnen konzentriert sich WEALTH & SPACE darauf, (1) ein differenziertes Verständnis für die Rolle zu entwickeln, die die Geschichte von Raum und Ort für zeitgenössische Prozesse der (Re-)Produktion von Reichtum spielt, (2) vergleichende Einblicke in die Art und Weise zu geben, wie genau Raum und Reichtum in Lateinamerika ko-produziert werden, und (3) die aktuellen Modifikationen und Trends der (Re-)Produktion von Reichtum vor dem Hintergrund dramatischer Veränderungen im Weltwirtschaftssystem zu analysieren, die auf den Wandel hin zu einer "grünen Wirtschaft" und eine Verstärkung der Finanzialisierung als entscheidende Form der Reichtumsakkumulation zurückzuführen sind. Die Wahl Lateinamerikas, der Weltregion mit der größten Vermögensungleichheit, folgt einer Logik, die den Kontinent als Paradefall und außergewöhnliches epistemologisches und theoretisches Laboratorium versteht. Konzeptionell basiert das Forschungsprojekt auf dem Verständnis, dass der Raum konstitutiv für alle sozialen Beziehungen ist, einschließlich der Reproduktion von Reichtum. Es stützt sich insbesondere auf die reichen lateinamerikanischen Traditionen der Raumtheorie zur Entstehung und (Re-)Produktion von Reichtum: von der klassischen Dependenztheorie über Theorien zur peripheren Urbanisierung, zur Räumlichkeit des peripheren Kapitalismus und zur Territorialisierung bis hin zu neueren Arbeiten über (Neo-)Extraktivismus, Green Grabbing und die Rassifizierung und Feminisierung der wirtschaftlichen Ausbeutung. Der methodische Ansatz ist in der zeitgenössischen Diskussion über komparative Forschung verwurzelt und zielt auf die Konstruktion eines differenzierten Verständnisses von Fallstudien ab. In dem Projekt werden wir einen gemischten Methodenansatz anwenden, der quantitative Forschungsmethoden zur Analyse von Sozialdaten, qualitative Methoden zur Netzwerkanalyse und Interviews mit verschiedenen Interessengruppen sowie georäumliche Methoden wie partizipative Kartierung und kritische Kartografie kombiniert.