Blackness Imagery in the Construction of European Identity/ies: The Case of the Czech Lands in a Transnational Perspective

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2022  – 09/2024
DFG-Fachsystematik

Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft

Literaturwissenschaft

Förderung durch

Horizon Europe: Postdoctoral Fellowship EU (PF-EU)

Projektbeschreibung

Das Projekt erforscht Formen wie Funktionen imaginierter Schwarzer Menschen für die Konstruktion europäischer Identität(en). Im Zentrum stehen die französisch-tschechischen und deutsch-tschechischen Kulturbeziehungen vom 19. Jahrhundert bis in die Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Anthropologische Spektakel und ihre mediale Interpretation sollten im frühen 19. Jahrhundert z.B. die "Reife" der jungen tschechischen Nation nachweisen und die Zugehörigkeit der böhmischen Länder zu den Kolonialmächten symbolisieren. Tschechische Nationalist:innen instrumentalsierten darüber hinaus Afrika-Metaphern und Kolonial-Narrative im politischen Kampf gegen die Deutschen mitunter als rhetorische „Selbst-Afrikanisierung“. Zugleich spielt auch der Slawen-Diskurs eine zunehmende Rolle, d.h. die Slaw:innen zugeschriebene "schwarze" Identität als "inner colonial discourse". Die folgenden Bereiche werden besonders in den Blick genommen: Formen der Darstellung Schwarzer Menschen in der tschechischsprachigen Literatur, Übersetzungen mit "kolonialen" Motiven ins Tschechische, Bedeutungsverschiebungen in der Fachterminologie, Herstellungsmodi und Instrumentalisierungen Schwarzer Alterität in den böhmischen Ländern, Verknüpfungen von Fin-de-siècle-Misogynie und "discursive colonization". Mithin geht es um eine so nuancierte wie umfassende Betrachtung, inwieweit die kulturelle, intellektuelle und wissenschaftliche Produktion einer "nicht-kolonialen" kleinen Nation kolonial partizipieren kann – und zwar auch dann, wenn die Mitglieder dieser Nation selbst als kolonisierte Objekte betrachtet und dargestellt werden.