Anfang des Jahres 2019 sorgte eine Studie „Effective Tax Rates of Multinational Enterprises in the EU“ (Janský 2019), die die Grünen im Europaparlament beauftragt haben, für Wirbel: Unternehmen in der Europäischen Union zahlen nur selten den gesetzlich vorgeschriebenen Steuersatz. So auch in Deutschland: Eigentlich liegt hier die Abgabenlast bei 29,5 Prozent, abgeführt an den Fiskus hätten die Unternehmen im Durchschnitt aber nur 19,6 Prozent, hieß es in der Studie. Eine Nachricht, die viele Gemüter erregte und auch politisch Wellen schlug.
Methodische Ungenauigkeiten wiegen schwer
Wie sich nun herausstellt, ist dieses Resultat allerdings weniger brisant, als vielmehr falsch. Zu dem Ergebnis kommen Hans-Peter Huber und Prof. Dr. Ralf Maiterth an der Humboldt-Universität Berlin. Die Berliner Wirtschaftswissenschaftler haben die Studie wissenschaftlich überprüft: „Dabei sind uns methodische Unzulänglichkeiten aufgefallen, die das Ergebnis entscheidend beeinflusst haben“, erklärt Huber.
So enthält die Datenbasis, auf die sich die Studie bezieht, auch gemeinnützige Unternehmen, die in Deutschland regulär von der Steuer befreit sind – und Personengesellschaften, bei denen lediglich die Gewerbesteuer als Steueraufwand des Unternehmens ausgewiesen wird, bei denen aber auch die Einkommensteuer mit zu berücksichtigen wäre. Hinzu kommt, dass zur Errechnung des effektiven Steuersatzes der Steueraufwand ins Verhältnis zum handelsrechtlichen Gewinn gesetzt wurde. Da im handelsrechtlichen Gewinn auch Dividenden enthalten sind, die zur Vermeidung von Mehrfachbesteuerung gesetzlich steuerfrei gestellt sind, weist die Studie von Janský zu geringe effektive Steuersätze aus.