Die Ausstellung lädt dazu ein, Literatur kennenzulernen, die nicht auf den üblichen Leselisten steht und nur in wenigen Regalen zu finden ist. Zu sehen sind etwa literarische Schätze, die zwar in den Regalen der Staatsbibliothek liegen, in der Literaturgeschichte aber nicht miterzählt werden. Dazu zählen Texte von schreibenden Frauen im Mittelalter, Werke von Romantikerinnen, die unter falschem Namen publiziert wurden, oder Schwarze deutsche Literatur, die noch wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Prof. Dr. Martina Wernli und Dr. Esther Köhring vom Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) haben die Ausstellung kuratiert. Sie wird am 12. Februar 2026 im Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden, mit einem Grußwort von Julia von Blumenthal, Präsidentin der HU eröffnet.
„Das eigene Leseverhalten und die Auswahl von Literatur hinterfragen“
„Die Ausstellung richtet sich an alle, die gerne lesen und offen sind für unbekanntere Texte“, sagt Martina Wernli. „Neben dem Entdecken von Autor*innen und Texten will die Ausstellung dazu anregen, das eigene Leseverhalten und die Auswahl von Literatur zu hinterfragen. „Die Ausstellung reflektiert, warum welche Literatur in Schulen und Universitäten gelesen wird, welche Werke gesammelt werden und warum manche Bücher vom Markt verschwinden.
Vorgestellt wird auch die Arbeit des von Martina Wernli initiierten Projekts #breiterkanon. Dort arbeiten Wissenschaftler*innen, Autor*innen, Journalist*innen und Übersetzer*innen zusammen, um die öffentliche Diskussion über den Kanon der Literatur zu beobachten, bestehende Kanons zu hinterfragen und vergessene, marginalisierte oder unbekannte Autor*innen in Forschung, Literaturkritik und Lehre sichtbar zu machen. „Seit ich im März 2025 die Professur an der HU angetreten habe, hat das offene Netzwerk #breiterkanoneinen idealen Wirkungsort gefunden“, so Wernli. „Den Austausch mit Nachbarsinstitutionen wie der Staatsbibliothek zu Berlin empfinde ich als sehr bereichernd, er hat schon zu mehreren Kooperationen und Veranstaltungen geführt.“