Wer wird gesehen, wer nicht?

Wo Butenandt hing, ist jetzt erklärender Text


In der Galerie der Nobelpreisträger im Hauptgebäude fehlt ein Bild, der Text im Rahmen erklärt nun, warum: „Wer wird gesehen, wer nicht? Eine Leerstelle schafft Raum für Kritik. An dieser Stelle hing in der Reihe der Nobelpreisträger, die an der Berliner Universität gelehrt haben, bis zum 5. Dezember 2014 ein Porträt von Adolf Butenandt, der 1939 den Nobelpreis für Chemie zugesprochen bekam. Studentische Initiativen haben sich in den vergangenen Jahren kritisch mit der Beteiligung Butenandts an rassistischen Forschungen während der NS-Zeit, mit seiner NSDAP-Mitgliedschaft und seinen Vertuschungs und Beschwichtigungsversuchen nach 1945 beschäftigt. Im Dezember 2014 wurde sein Porträt aus der Galerie ,entführt‘, wozu sich eine  Gruppe ,Wissen im Widerstand‘ bekannte.  Dieser Rahmen bleibt vorerst leer, um die Diskussion fortzusetzen. Er stellt Fragen, die über die ,Ahnengalerie‘ hinausgehen: Nach welchen Kriterien werden Persönlichkeiten ausgewählt, um die Universität zu repräsentieren? Welche Menschen werden marginalisiert? Welche herausragenden Universitätsangehörigen kommen in der offiziellen Erinnerung bislang nicht vor? Darüber will die Historische Kommission gemeinsam mit den Studierenden in den nächsten Monaten nachdenken. So ist die derzeitige Situation im Foyer vielleicht nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer neuen, kritischen Erinnerungskultur an der Humboldt-Universität.“