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Ein einsamer Rekord

Der Forstwissenschaftler Johannes Schubert lehrte 60 Jahre lang
Der Mathematiker, Physiker und Meteorologe Johannes Schubert (1859-1947) auf einer Aufnahme von 1916. Quelle: Porträtsammlung der UB

Der Mathematiker, Physiker und
Meteorologe Johannes Schubert
(1859-1947) auf einer Aufnahme
von 1916.
Quelle: Porträtsammlung der UB

Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine verlängerte Lebensarbeitszeit erscheint diese Zahl unglaublich: Johannes Schubert, der erste Dekan der Forstwirtschaftlichen Fakultät der Universität Berlin, hat in Eberswalde über einen Zeitraum von 60 Jahren Lehrveranstaltungen durchgeführt. Geboren vor 150 Jahren, war er von 1886 bis 1947 an der Forstakademie und Hochschule in Eberswalde tätig, davon über 50 Jahre als Professor.

Der 1859 im Kreis Danzig geborene Johannes Schubert studierte Mathematik und Physik an der Universität zu Königsberg und promovierte 1886 an der dortigen Philosophischen Fakultät. Schon im Frühjahr 1887 nahm er als Assistent des Professors für Mathematik, Physik und Meteorologie an der Forstakademie in Eberswalde seine Vorlesungstätigkeit auf, ab 1889 als Privatdozent. Er gab Vorlesungen im Bereich Geodäsie und angewandter Mathematik, doch nach seiner Ernennung zum Professor im Jahre 1896 widmete er sich verstärkt der Meteorologie. Im Jahre 1904 wurde er „Dirigent der Meteorologischen Abteilung ... in Preußen“ und baute die Hochschulbibliothek maßgeblich aus. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Johannes Schubert am Wiederaufbau der Akademie beteiligt. Sechs Jahre später wurde er zum Rektor der Forstlichen Hochschule ernannt und seine Emeritierung verschoben. Auch nach der Entbindung von seinen amtlichen Verpflichtungen blieb Johannes Schubert bis zum Kriegsende 1945 ununterbrochen im Dienst. Er vertrat sehr oft seinen Nachfolger, der über Schubert sagt: „Den Studierenden war er wahrhaft ein Vater.“

Im Jahr 1936 erhielt Johannes Schubert die „Goldene Doktor-Urkunde“ der Universität zu Königsberg, später die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges bat er, inzwischen 85 Jahre alt, um baldige Wiedereinstellung. Er wollte zum zweiten Mal am Wiederaufbau der Hochschule mitarbeiten, die auf Befehl der Sowjetischen Militär-Administration als Forstwirtschaftliche Fakultät der Universität Berlin wiedereröffnet wurde. Damit schloss sich ein Kreis, war doch schon die 1821 gegründete Forstakademie ein Teil der Universität Berlin. 1830 wurde sie nach Eberswalde verlegt, quasi als „spin off“ der Alma Mater.

Aufgrund seiner Integrität und Lauterkeit, gerade auch in den Jahren von 1933 bis 1945, wurde der Wissenschaftler nach Wiederaufnahme des Lehrbetriebes im Alter von 87 Jahren durch den Rektor der Universität Berlin zum kommissarischen Dekan der Forstwirtschaftlichen Fakultät bestellt, die Anfang der 1960er Jahre geschlossen wurde. Im Lehrplan des Sommersemesters 1947 wurde Schubert mit Vorlesungen und Prüfungen geführt.

Im September 1947 verstarb Johannes Schubert in Eberswalde. Doch seine Hingabe für die Studenten lebt fort: Seit 1996 zeichnet eine Stiftung, die seinen Namen trägt, exzellente Abschlussarbeiten von Studierenden der 1992 als Nachfolgeeinrichtung der Forstwirtschaftlichen Fakultät gegründeten Fachhochschule Eberswalde aus. Mit der Humboldt-Universität verbindet die Fachhochschule weiterhin ein Kooperationsvertrag und gemeinsame Promotionsverfahren.

Andreas Linde