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„Vorsicht Stufe!“ – Kunst im Foyer von Ceal Floyer

Ein Projekt der Humboldt-Universität und der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft mit Unterstützung des Ehrenvorsitzenden Dr. h.c. Hartwig Piepenbrock
Ceal Floyer. Foto: Matthias Heyde

Ceal Floyer
Foto: Matthias Heyde

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr der Humboldt-Universität am 12. Oktober 2009, wurde das Kunstprojekt „Vorsicht Stufe!“ als eines der Kernprojekte des Jubiläums eröffnet. Der Präsident der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, der Laudator Thomas Schmidt und der Vorsitzende der HUG, Nikolaus ­Breuel, begrüßten die zahlreichen Gäste und wiesen den Weg zu einer ungewöhnlichen Installation. Die HUG wird Kunst im Foyer – „Vorsicht Stufe!“ ihre diesjährige Jahresgabe an Freunde und Förderer der Humboldt-Universität widmen und dankt ihrem Ehrenvorsitzenden Hartwig Piepenbrock für die großzügige Förderung.

Auszug aus der begleitenden Publikation:

Ceal Floyer (Jg. 1968) wurde im Rahmen eines beschränkten Wettbewerbs unter vier Bewerbern ausgewählt, das im 2. Weltkrieg stark zerstörte und in den 1950er Jahren wieder aufgebaute Foyer im Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin mit ­einer Installation zu gestalten. Der dreiläufige Treppenaufgang wird bis heute von Karl Marx’ 11. Feuerbachthese in goldenen Lettern dominiert: „ Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu ­verändern.“

Die in Berlin lebende Künstlerin blickt bereits auf zahlreiche internationale Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen zurück. Sie überzeugte die Fachjury – bestehend aus Ulrike Brandi, Horst Bredekamp, Regula Lüscher, Thomas Schmidt, Hartwig Piepenbrock und Peter Weibel – mit ihrer reduzierten Formengrammatik sowie mit ihrem tiefen Interesse an dem Nichtsichtbaren und an dem Unausgesprochenen. Floyer hat sich nicht politisch, wissenschaftlich oder philosophisch mit dem Marx-Zitat auseinander gesetzt, sondern kontextualisiert das Zitat und den Raum künstlerisch. Sie zeichnet ein neues Bild des denkmalgeschützten Foyers.

Die Installation von Ceal Flyer für das Hauptfoyer der Humboldt-Universität Unter den Linden trägt den Titel „Vorsicht Stufe!“.

Die Künstlerin hat eine Vielzahl von identischen Messingschildern mit dieser Aufschrift anfertigen lassen und montierte diese auf jeden einzelnen der 56 Stufenabsätze des Treppenantritts und der zwei Treppenarme. Es handelt sich um gewöhnliche Warnschilder aus Messing in reduzierter Form, die uns aus alltäglichen Gewohnheiten beim Durchschreiten von Gebäuden bekannt sind. Das verborgene Potential liegt bei Ceal Floyers Installation nicht in dem einzelnen Warnschild, sondern in der Wahrnehmung der durch die Begriffsreihung erzeugten Situation.

Vom Foyer aus betrachtet scheinen sich diese Schilder bis ins Unendliche fortzusetzen. Es entstehen seltsame Achsenbezüge des von rotem Marmor und DDR-Design dominierten denkmalgeschützten Foyers. Genau in dieser Irritation und in der Frage nach der Gefahr, auf die hier aufmerksam gemacht wird, verbirgt sich erst die Gefahr des Stolperns – physisch und gedanklich. Sie kehrt die Tatsächlichkeit des einzelnen Schildes im täglichen Gebrauch dieser Warnschilder um, banalisiert sie und entkräftet so deren eigentliche Funktionalität. Humorvoll geht die Britin dabei auch mit dem deutschen Ordnungssinn und der DIN-Norm um, nach der Warnungen im öffentlichen Raum reglementiert werden. Ceal Floyer erzählt diese Geschichte jedoch nicht selbst. Sie spielt lediglich mit den Erwartungen des Betrachters. Am Ende steht ein freier Umgang mit der Intervention – ästhetisches Raumerlebnis, Provokation oder Warnung vor Raum und Zitat? Das muss jeder der Foyerpassanten selbst erfahren.

Anke Hervol,
Künstlerische Projektberatung
i. A. Hartwig Piepenbrock