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Studieren auf der Orchideenfarm

Nora Koim analysiert den Waldschutz in Kolumbien

Ein Fan des Büro- oder Laboralltags wird Nora Koim wohl nie werden. Für ihre Masterarbeit jedenfalls hat die 27-Jährige wie schon so oft ihre Heimatstadt Berlin und den Campus verlassen – und ist in den Dschungel aufgebrochen. In der kolumbianischen 500 000–Einwohner-Stadt Pereira in der so genannten Kaffeezone der mittleren Andenkette, fand Koim das passende Thema für ihre Abschlussarbeit.

Nora Koim„Diese Stadt boomt. Überall entstehen Wohnanlagen und riesige Einkaufszentren. Doch es gibt kaum Grünflächen und Parkanlagen. In Kooperation mit der örtlichen Umweltbehörde habe ich die noch vorhandenen Waldfragmente rund um Pereira untersucht und nach ihrer Eignung für Schutzmaßnahmen verglichen“, erzählt Nora Koim. Auf einer Orchideenfarm hat sie mit ihrem Freund Olivier, der als Lehrer an der französischen Schule der Stadt arbeitet, eine kleine Finca gemietet.

Koim selbst bringt reichlich Auslandserfahrung mit: nach dem Abitur Sozialdienst in Uganda, anschließend Auslandssemester in Costa Rica und Kuba während des Bachelorstudiums „International Forest Ecosystem Management“ an der Fachhochschule Eberswalde – und schließlich vier Monate Kamerun als Praktikantin der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.

„Alle Menschen, die ich hier bisher getroffen habe, sind herzlich und authentisch und haben mein Vorhaben von Beginn an unterstützt“, sagt die Master-Studentin des Fachgebietes Urbane Pflanzenökophysiologie an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der HU. So war der Kontakt zur örtlichen Umweltbehörde in der Provinz Risaralda nach ihrem ersten Besuch im Sommer 2007 über die Technische Universität in Pereira schnell hergestellt. Das dortige Biodiversitäts- und Gen-Forschungszentrum Ciebreg ist an Koims Arbeit besonders interessiert: Die durchschnittlich nur 16 Hektar großen Waldfragmente, die sie untersucht hat, könnten in Zukunft als stadtnahe Erholungsgebiete oder Schutzareale dienen.

Anhand eines Satellitenbildes hat die Studentin zunächst ausgewertet, welche Landnutzungsarten in der untersuchten Region vorherrschen und die Fragmentierung analysiert. „Die Wälder sind in privatem Besitz und werden vorwiegend von Viehweiden eingeschlossen. Gerade einmal acht Prozent machen die Wälder in dem von Landwirtschaft geprägtem Tal aus“, berichtet die 27-jährige Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Inmitten von Stechmücken und Schlingpflanzen hat sie anschließend in den sieben größten Waldfragmenten – mit einer Fläche zwischen 50 und 200 Hektar – die am häufigsten vorkommenden Baumarten bestimmt. Keine leichte Aufgabe, da die tropischen Bäume den deutschen so gar nicht ähneln: „War ich mit meinem Latein am Ende, habe ich die Proben im Botanischen Garten der Uni vom fachlich geübten Auge bestimmen lassen“, sagt Koim. Zuletzt hat die Masterstudentin im „Integrated Natural Resource Management“ Empfehlungen für die kolumbianische Umweltbehörde zusammengetragen: „Es wird beispielsweise darüber diskutiert, die Grundbesitzsteuer für die Eigentümer zu senken und ein ziviles Schutznetzwerk zu erschaffen, um einen Zusammenschluss kleiner und nah beieinander liegender Wälder zu ermöglichen. Denn je größer ein Wald ist, desto besser für eine artenreiche Tierwelt“, resümiert Koim.

Momentan ist die Studentin auf Heimaturlaub. Sie hat ihrer Arbeit den letzten Schliff gegeben. Dieser Tage steht die Verteidigung bei ihrem betreuenden Professor, Christian Ulrichs, an, dann fliegt die Berlinerin zurück nach Kolumbien. „Ich habe dort guten sozialen Anschluss gefunden und fühle mich sehr wohl. Und natürlich bin ich auch gespannt, ob und wie meine Vorschläge vor Ort umgesetzt werden“, sagt Koim, die auf eine weitere Zusammenarbeit mit der Umweltbehörde hofft. Höchstens ein Jahr möchte sie noch in Kolumbien bleiben. Denn eines stört die Idylle doch erheblich – und es ist nicht die permanente Militärpräsenz in der Stadt: „Dieser ständige Regen schlägt aufs Gemüt. Der Himmel über Pereira ist einfach immer bewölkt.“

Constanze Haase