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Wissenschaftskommunikation international

Wissenschaftsjournalismus trifft Wissenschaftskommunikation

Fellow, gezeichnet
Foto: Anne Tilkorn

„Mir geht es darum, die Wissenschaft vom hohen Sockel zu holen, zu zeigen, dass das keine magischen Dinge sind, die da ablaufen.“ Yeen Nie Hoe kommt aus Singapore und arbeitet fürs Fernsehen. „Ich schreibe für meine Großmutter,“ sagt die Wissenschaftsjournalistin Nádia Pontes aus Sao Paulo.

Was ist ein Barcamp?

Das Barcamp „Berlin Science Communication Day“ brachte Menschen aus Wissenschaftsjournalismus und Wissenschaftskommunikation zusammen, um ihre Arbeit zu sprechen, darüber, wie Wissenschaft am besten vermittelt werden kann. Das Workshop-Format ist dabei ganz offen, die Themen werden von den Anwesenden selbst konkretisiert und in verschiedene Panels unterteilt. Es gibt keine vorher festgelegten Rednerinnen und Redner, sondern jede trägt mit ihren Erfahrungen zum lebendigen Austausch bei. 

Gleich zu Anfang kristallisiert sich ein Anliegen heraus: Wie erreichen wir die, die sich erstmal nicht mit Wissenschaft befassen? In Brasilien bedeutet das Zwischen-den-Welten-Kommunizieren noch etwas Anderes als im beschaulichen Berlin, wenn Ureinwohnern durch technische Eingriffe die Lebensgrundlage entzogen wird. Pontes beschreibt eindringlich, wie 2015 giftiger Klärschlamm einen lebendigen Fluss über hunderte von Kilometern verseuchte und indigene Dörfer von der Wasserversorgung abschnitt. Die Wissenschaftsjournalistin will auch die Menschen dort erreichen und sie will alle Seiten von Wissenschaft zeigen, nicht nur die schönen.

 

Comic-Zeichnung
Die Fellows gezeichnet von der Illustratorin Anne Lehmann
Foto: Anne Tilkorn

Das Klischee vom männlichen weißen Wissenschaftler durchbrechen

Eine andere „Randgruppe“ steht im Fokus beim Panel „How to encourage Women in Science“. Die Fernsehjournalistin Yeen Nie Hoo aus Singapor erzählt von der Webentwicklerin Naomi Wu aus China. Deren männliche Kollegen reduzierten sie allein auf ihr aufreizendes Äußeres, bis hin zu der Behauptung, sie existiere gar nicht, sondern sei ein Cyborg. Yeen plädiert dafür, Wissenschaftlerinnen direkt zu fragen, wie sie beschrieben werden möchten.

Renata Fontanetto, die in einem Wissenschaftsmuseum in Rio de Janeiro arbeitet, hat bei diesem Erfahrungsaustausch für sich drei Erkenntnisse gewonnen: „Wir müssen Role Models ermutigen. Wir müssen an uns selbst glauben. Wir müssen gut vorbereitet sein.“

Ähnliche Fragen weltweit

Die Probleme in der Wissenschaftskommunikation sind global gar nicht so verschieden. So beschäftigt auch die Sorge des amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Andrew Curry nicht nur ihn allein. Er fragt sich, wie eine Zukunft aussieht, in der keiner mehr Geld für Zeitschriften ausgeben möchte. Das Magazin National Geographic hatte vor einigen Jahren noch 7 Millionen Abonnenten, jetzt sind es nur noch 4 Millionen. Wird es irgendwann nur noch Wissenschaftskommunikatoren geben und keine -journalistinnen und -journalisten mehr?  

Die Fellows aus Brasilien, Singapur und den USA – Staaten, in denen die Humboldt-Universität  strategische Partnerschaften mit der Universidade de São Paulo, der National University of Singapore und der Princeton University entwickelt hat – haben während des zweimonatigen „Journalist-in-Residence-Program“ nicht nur Gelegenheit die Forschungslandschaft in Berlin hautnah zu erleben, sondern sie inspirieren auch eindeutig die deutschen Wissenschaftskommunikatorinnen mit ihren Sichtweisen.

Eine ausgesprochen schöne Art der Wissenschaftskommunikation und ein wirksames Mittel gegen jede Bleiwüste ist das Graphic Recording. Der Trend, trockene Themen mit einfachen Zeichnungen zu visualisieren, hat vor 10 Jahren in den USA begonnen und jetzt endlich auch Europa erreicht. Auf der Basis einer kurzen Zusammenfassung eines Panels erstellt Anne Lehmann eine treffende Graphik. So entsteht als Ergebnis des Barcamps ein großer Comic, der einprägsam festhält, worum sich die Diskussionen drehten.

Autorin: Anne Tilkorn, Online-Redaktion der Humboldt-Universität

Weitere Informationen

Am Freitag, dem 1.12.2017 geht der in den letzten Wochen erstellte Science Journalist Blog Elevator Science mit dem bisher produzierten Material online. Der Name „Elevator Science“ soll ausdrücken, dass Wissenschaft auch im Aufzug, zwischen ein paar Stockwerken, kurz erklärt werden kann.

Kontakt

Nina Mikolaschek
Stabsstelle Internationalisierung/International Strategy
President´s Office

Tel.: 030 2093-20088
nina.mikolaschek@hu-berlin.de
 

 

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