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Das Lautarchiv der HU in der Humboldt-Box

Die einzigartige Lautsammlung ist Teil der Ausstellung „[laut] Die Welt hören“

Das Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ist Teil der Ausstellung „[laut] Die Welt hören“, die vom 22. März bis 16. September 2018 vom Humboldt Forum in der Humboldt-Box gezeigt wird. Mit der Ausstellung wird das Lautarchiv erstmals ausführlich und in der konsequenten kritischen Befragung seiner Relevanz der Öffentlichkeit vorgestellt. Präsentiert werden unter anderem Schellackplatten, Fotos und Personalbögen von Aufnahmesitzungen sowie historische Sprach- und Musikaufnahmen.

Sammlung von Schellackplatten
Foto: Heike Zappe

Das Lautarchiv der HU verfügt über eine akustische Sammlung in Form von ca. 7.500 Schellackplatten, Wachswalzen und Tonbändern. Sie enthalten Stimmenportraits berühmter Persönlichkeiten des Deutschen Kaiserreichs sowie der Weimarer Republik, Aufnahmen für den Fremdsprachenunterricht und dokumentieren - unter anderem in sensiblen Sprachaufnahmen aus Lagern des Ersten und Zweiten Weltkriegs - eine Vielzahl von europäischen und außereuropäischen Sprachen, Dialekten und Mundarten.

 

Die Sammlung wird Teil des Humboldt-Labors sein, das die HU ab 2019 im Humboldt Forum einrichtet. Die Ausstellung dient als Pilotprojekt, um Möglichkeiten zu erproben, Klangarchive in Bezug zu gesellschaftlicher Praxis von Geschichte, Erinnern und kultureller Identität zu präsentieren.

Ausgehend von Fragestellungen der Forschung kontextualisiert die Ausstellung die Bestände des Lautarchivs sowie des bislang am Ethnologischen Museum in Dahlem beheimateten Berliner Phonogramm-Archivs und legt deren Einbettung in wissenschaftliche, evolutionäre und ästhetische Überzeugungen offen, die in Wechselwirkungen mit Technologien der Aufzeichnungen treten. Sie reflektiert die der Sammlung zugrundeliegenden Prozesse der Wissensbildung ebenso wie deren ideologischen Hintergründe. Im Falle des Lautarchivs wurden Klassifizierungen wie „Eigen/Fremd“, „Primitiv/Hoch entwickelt“ auf ganze Kulturen beziehungsweise auf deren Sprachpraxis angewandt. Diese Kanonisierungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert wirken bis heute nach und werden in der Ausstellung kritisch befragt.

Die Ausstellung zeigt das Potential einer klanggeleiteten Annäherung an die Vergangenheit und Gegenwart. Kulturen, die damals Objekt der Wissenschaften waren, die unablässig dokumentiert, klassifiziert, bewertet und verglichen wurden, sind heute als aktive Subjekte und Forschungspartner am wissenschaftlichen Prozess selbst beteiligt. So arbeiten an der Erschließung des Lautarchivs beispielsweise Partner aus Indien, Georgien und Südkorea mit. Die Ausstellung unterstreicht die Bedeutung dieser neuen kooperativen Projekte und möchte diese ausdrücklich stimulieren.

Ebenso vermittelt die Ausstellung in kritischer Weise die Verbindungen zwischen Strategien der Wissenschaft und deren Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft.

Die Audio-Objekte des Lautarchivs haben im Laufe ihrer Geschichte ihre ursprünglichen Bestimmungen überschritten und sind in neue Nutzungs- und Interpretationskontexte eingetreten. So liegen der heute vom Bundesamt für Migration eingesetzten Software zur Identifikation der Herkunftskultur von Geflüchteten Sprachatlanten zugrunde, die unter anderem im Rahmen der sprachwissenschaftlichen Pionierforschung des Lautarchivs entwickelt wurden.

Termin Pressekonferenz

[laut] Die Welt hören
Mittwoch, 21. März 2018, 11 Uhr,
 
ab 10 Uhr kann die Ausstellung im 2. und 3. OG besichtigt werden
Ort: Humboldt-Box, 4. OG, Schloßplatz 5, 10178 Berlin
Anmeldung bis Montag, 19. März 2018 an: m.mathis@humboldtforum.com
 

Weitere Informationen

Webseite des Lautarchivs

Webseite der Ausstellung "[laut] Die Welt hören"

Kontakt

Sebastian Klotz
Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft
Humboldt-Universität zu Berlin

Tel.: 030 2093 – 2917
sklotz@hu-berlin.de

 

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