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„Wut als Alarmsystem“

Die Mosse-Lecture von Johannes F. Lehmann am 12. November 2020 im Livestream

Auch in diesem Wintersemester 2020/21 finden die Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Die Vorlesungen zum Thema „Zorn – Geschichte und Gegenwart eines politischen Affekts“ werden nach aktuellem Beschluss nur digital via Livestream gezeigt.

Den Auftakt macht am 12. November Johannes F. Lehmann, Professor für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, mit dem Vortrag „Wut als Alarmsystem – Zur historischen und politischen Dimension von Konzepten des Zorns“. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Joseph Vogl.

Konzepte des Zorns (und verwandter Emotionen wie Wut, Ärger, Empörung, Hass etc.) sind, wie alle Emotionen, historisch variabel. Im Feld des Zorns ereignet sich um 1800 eine grundlegende Verschiebung im Begriff und im Konzept des Zorns. Ergebnis dieses Prozesses ist ein moderner Begriff der Wut, der das Selbstgefühl energetischer Blockaden und nicht länger die Ehransprüche der Mächtigen ins Zentrum stellt. Vor diesem zu entfaltenden Hintergrund entwickelt der Vortrag eine Theorie der Wut als einer genuin politischen Emotion. Sie begreift Wut als eine Art Alarmsystem im Spannungsfeld von Handeln und Zuschauen und fragt nach ihrer Erklärungskraft für politische und populistische Zornphänomene unserer Gegenwart.

„Zorn – Geschichte und Gegenwart eines politischen Affekts“

Die Mosse-Lectures behandeln in diesem Wintersemester das Thema „Zorn“. Der ‚Zorn‘, wie auch ihm verwandte Regungen wie ‚Wut‘, ‚Empörung‘ oder ‚Hass‘, ist in Wort und Tat ein Movens der politischen Auseinandersetzung. Historisch betrachtet handelt es sich um eine von jeher prominente Ausdrucks- und Eskalationsbewegung, die Aufschluss gab über politische Belange. ‚Zorn‘ ist das erste Wort der „Ilias“ und markiert, so gesehen, den Beginn der europäischen Literaturgeschichte. Die Skalierung von Affekt und Leidenschaft ist bis heute Gegenstand der Religionsgeschichte, der Ethnologie und Sozialpsychologie.

Vor diesem affektgeschichtlichen Hintergrund wollen die Mosse-Lectures erkunden, was es mit der politischen Verhaltenslehre des thymós auf sich hat. Erst die Moderne hat ein ambivalentes Verhältnis zum Zorn und seiner politischen Wucht hervorgebracht: mit dem Schreckbild des rasenden ‚Mobs‘ und ‚Pöbels‘ einerseits und der gezielten Mobilisierung von Massen andererseits. Aktuell wird der im Kollektiv gesteigerte Affekt des ‚Wutbürgers‘ als Krisensymptom der repräsentativen Demokratie wahrgenommen. Ist die auch im etablierten Bürgertum aufkommende ‚Wut‘ nur eine militante Form des privilegierten Ressentiments, der selbstbezogenen und selbstgerechten Aggression? Ist die ‚Empörung‘ der offensichtlich Subalternen und Unterprivilegierten, wie etwa Stéphane Hessel behauptet hat, eine aufrichtigere und dadurch legitimere Art des Protests und des Widerstands?

Die Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität werden gefördert von der Mosse Foundation und der Friedrich Stiftung.

Termin

12. November 2020, 19.00 Uhr

„Wut als Alarmsystem – Zur historischen und politischen Dimension von Konzepten des Zorns.“
Johannes F. Lehmann, Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Einführung und Gespräch: Joseph Vogl

Weitere Informationen

Die Lecture wird als Live-Stream zu sehen und zu hören sein.

Webseite der Mosse-Lectures

Kontakt

Denise Reimann
Mosse-Lectures

info@mosse-lectures.de

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