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Eine Wiederentdeckung

Die historischen Dialektaufnahmen aus dem Lautarchiv werden im Humboldt Forum zu hören sein

Die Auftaktausstellung der Universität im Humboldt Forum wird eine Sammlung ins Licht der Öffentlichkeit rücken, die bislang wenig Aufmerksamkeit auf sich zog: die historische Dialektsammlung des Lautarchivs. Diese wurde von Wilhelm Doegen, dem Begründer des Lautarchivs, in den 1920er- bis 1940er-Jahren angelegt und ist seit 1934 im Besitz der Universität. Zurzeit wird sie intensiv wissenschaftlich bearbeitet und wird auch nach dem Umzug ins Stadtschloss für wissenschaftliche Zwecke nutzbar sein.

Die 730 Dialektaufnahmen der deutschen Sprache sowie von Varietäten der ihr nah verwandten Sprachen Friesisch und Niederdeutsch wurden an zentralen Orten der jeweiligen Regionen mit dem Grammophon auf Schellackplatten aufgenommen – damals eine spektakuläre, neue Methode der Sprachforschung. Zurzeit werden sie für die Ausstellung transkribiert und übersetzt, da die Besucherinnen und Besucher die meisten Dialekte wohl nicht verstehen würden. Zudem haben sich die Dialekte im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte so sehr verändert, dass sie heute häufig selbst für Dialektsprecherinnen und -sprecher schwer verständlich sind.

Eine interessante Entdeckung waren rund 130 Aufnahmen aus heute teilweise nicht mehr existierenden deutschen „Sprachinseln“ in Europa. Dabei handelt es sich nicht nur um die ältesten, sondern häufig auch um die einzigen erhaltenen Tonaufnahmen einzelner Varietäten des Deutschen. Auch vor diesem Hintergrund sind die Dialektaufnahmen des Berliner Lautarchivs von besonderem Wert.

Die Dialektologie war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eng verbunden mit der Volkskunde und nicht nur wissenschaftlich motiviert. Im Zuge der Grenzziehungen des Versailler Friedensvertrages diente sie politischen Zwecken und wurde „zur Identifizierung historischer deutscher Kulturlandschaften und Siedlungsräume (…) genutzt, um Forderungen nach Grenzrevisionen eine quasi-wissenschaftliche Legitimation zu geben“ wie der Historiker Rainer Schulze in dem Band „Die „Volksdeutschen in Polen, Frankreich, Ungarn und der Tschechoslowakei: Mythos und Realität“ schreibt.

Autorin: Antonia von Trott zu Solz

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