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Humboldt-Universität zu Berlin

Karl Adolf Christian Jakob Gerhardt

* 05.05.1833 Speyer, † 22.07.1902 Gamburg bei Mosbach
Abbildung
  • 1856 Assistent an der medizinischen Poliklinik Würzburg
  • 1861 Professor und Direktor der medizinischen Klinik in Jena
  • 1872 Professor in Würzburg
  • 1885 Professor für innere Medizin in Berlin und Direktor der Charité

Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin
1888/89

Schon während seiner Schulzeit ent­wickelte Gerhardt ein ausgeprägtes Interesse für Naturwissenschaften und besuchte daher neben dem Gymnasium Chemie- und Physikkurse der Gewerbeschule.

Er studierte Medizin an der Universität Würzburg und wurde 1856 promoviert.

Nach dem Studium war er Assistenzarzt an der medizinischen Poli­klinik. Ab 1858 war er als Assistenzarzt und Privatdozent in Tübingen tätig. In dieser Zeit arbeitete er unter dem Psychiater und Internisten Wilhelm Griesinger. Nach seiner Habilitation in Würzburg übernahm er 1861 eine Professur in Jena. Nach einer weiteren Station in Würzburg erhielt er 1885 einen Ruf nach Berlin an die Friedrich-Wilhelms-Universität. Zuvor hatte er die rechtliche Gleichstellung der ersten und zweiten medizinischen Klinik der Charité durchgesetzt. Seine Rede zum Antritt des Rektorats 1888 hielt er zum Thema "Heilkunde und Pflanzenkunde". Durch das von ihm herausgegebene sechsbändige "Handbuch der Kinderheilkunde" (1877–1896) gilt er als einer der Begründer der Pädiatrie.

Gerhardt war ein hervorragender klinischer Lehrer und Diagnostiker. Er führte die physikalische und chemische Diagnostik ein und entwickelte sie weiter. So gelang ihm beispielsweise der Peptonnachweis im Urin. Außerdem erreichte er Fortschritte im Bereich der Auskultation und Perkussion (bekannt unter dem Begriff Gerhardtscher Schallwechsel) und er bemühte sich um die Einführung der Laryngoskopie. Gerhardt begründete die Lehre der Kehlkopflähmungen und setzte sich für die Bekämpfung der Tuberkulose ein. In diesem Zusammenhang trat er für die Freilufttherapie ein und förderte die Einrichtung der märkischen Heilstätte Grabowsee.

Gerhardt war eine Persönlichkeit, die auf die Medizin seiner Zeit großen Einfluss ausübte. Seine internationale Konsiliarpraxis war stark nachgefragt.