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Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Forschen & lehren | „Für Qualitätssicherung in der Forschung gibt es keine vorgefertigten Lösungen“

„Für Qualitätssicherung in der Forschung gibt es keine vorgefertigten Lösungen“

by Ljiljana Nikolic posted on 20.11.2020 11:20 last modified 20.11.2020 13:03

Der Wissenschaftssoziologe Martin Reinhart berichtet im Interview, wie die Berlin University Alliance Forschungsqualität sichern und weiterentwickeln möchte. Eine wichtige Rolle wird dabei das Center for Open and Responsible Research spielen – kurz: CORe. Dort werden die verschiedenen wissenschaftlichen Expertisen der vier Verbundpartnerinnen gebündelt, um Unterstützungsangebote und Richtlinien zu erarbeiten.

Herr Professor Reinhart, welche Ziele wollen Sie mit „Advancing Research Quality and Value“ erreichen?


Unser Fokus liegt auf der Qualität, Integrität und Glaubwürdigkeit von Forschung. Darüber wird öffentlich meist nur anlässlich von Fehlern und Skandalen diskutiert. Oft vergessen wird dabei, dass die Qualität von Forschung im Forschungsalltag laufend gesichert wird, indem man beispielsweise methodische Standards disziplinenbezogen reflektiert und verbessert. Nur so wird Forschung besser. Im Verbund der Berlin University Alliance schaffen wir einen Ort, um Bestrebungen zur Verbesserung der Forschungsqualität für alle Institutionen und Fachbereiche unterstützen zu können. Eine wichtige Rolle wird dabei das Center for Open and Responsible Research spielen – kurz: CORe. Dort bündeln wir die verschiedenen wissenschaftlichen Expertisen der vier Verbundpartnerinnen, um Unterstützungsangebote und Richtlinien zu erarbeiten.

 

Wissenschaft auf dem Prüfstand: Wie kommt das bei den Forschenden an?

 

Die große Mehrheit jener, die bereit ist, eigene Standards und Methoden zu hinterfragen, sieht dies zurecht als Angebot, bei dem die Wissenschaft nur gewinnen kann. So arbeiten wir auch mit Objective 5 „Sharing Resources“ zusammen, um Forschungsinfrastrukturen aufzubauen, die fachbezogene Standards unterstützen. Wesentlich für die Arbeit von CORe ist zudem die Forschung über Forschungsqualität. Drei neue Arbeitsgruppen werden bisherige Praktiken hinterfragen und darüber hinausgehende Maßnahmen testen. Ebenfalls zentral sind zudem Offenheit und Transparenz: vom Zugang zu Informationen bis zur Entwicklung einer neuen Fehlerkultur in der Wissenschaft.

 

Was ist für Sie persönlich an diesem Projekt besonders interessant?

 

Als Wissenschaftsforscher erlebe ich hier hautnah, wie in verschiedenen Fächern mit Forschungsqualität umgegangen wird und auch welche ganz konkreten Maßnahmen ergriffen werden. Die Medizin und insbesondere das QUEST Center an der Charité sind da sehr aktiv. So wurden dort etwa elektronische Laborbücher eingeführt, die den Umgang mit Forschungsdaten zuverlässiger absichern können. Mittlerweile nutzt man das an der gesamten Charité. Warum künftig nicht auch anderswo in Berlin? Wenn wir uns über solche Erfahrungen und Möglichkeiten austauschen, können die Fächer und Institutionen voneinander lernen. Für Qualitätssicherung in der Forschung gibt es keine einfachen vorgefertigten Lösungen. Deshalb ist es innerhalb der BUA wichtig, herauszufinden: Wer macht was? Welche Vor- und Nachteile haben bestimmte Methoden? Wir werden uns deshalb in den nächsten Wochen auch mit einem Open Call an die Forschenden richten, damit sie ihre Ideen und Anregungen einbringen und dafür Unterstützung erhalten können.

 

Was gefällt Ihnen an der Zusammenarbeit, was erhoffen Sie sich davon?

 

Ich bin weiterhin durch die positive Grundstimmung zur BUA motiviert, die ich insbesondere beim Thema Forschungsqualität auf allen Ebenen wahrnehme, von der Politik über die Präsidien der Universitäten, der Fachbereiche bis zu Forschenden und Studierenden. Ein anhaltender Austausch über Forschungsqualität in diesem großen Netzwerk sehen viele als Chance, sich gemeinsam zu verbessern. Hier kommen viele Kompetenzen zusammen, die durch konstruktive Auseinandersetzung neue Maßstäbe in der Forschungsqualität setzen können.

 

Prof. Dr. Martin Reinhart leitet das Robert K. Merton Zentrum für Wissenschaftsforschung der HU Berlin und ist Mitglied im Steering Committee der BUA „Advancing Research Quality and Value“.

 

Interview: Lars Klaaßen