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Das ethische Erbe für die Gegenwart erschließen

Serdar Kurnaz wurde zum Professor für Islamisches Recht am Berliner Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin berufen.


Prof. Dr. Serdar Kurnaz, Foto: Martin Ibold

In unserer neuen Reihe Neue Studiengänge – neue Gesichter stellen wir Lehrende und Studierende der neuen Studiengänge an der Humboldt-Universität zu Berlin vor. Die erste Folge ist ein Portrait über Serdar Kurnaz, Professor für Islamisches Recht am Berliner Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität.

Wir brauchen eine Auseinandersetzung mit dem Islam. Dieser Forderung würde wohl kaum jemand widersprechen – wenn es denn so einfach wäre, wie es für Außenstehende auf den ersten Blick erscheint: „Es gibt ‚den Islam‘ nicht“, sagt Serdar Kurnaz. Der kürzlich berufene Professor für Islamisches Recht am Berliner Institut für Islamische Theologie (BIT) der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) befasst sich mit Theologie, Ethik und Recht im Islam: „Wenn man sich ansieht, welche islamischen Gelehrten sich wann und wie zu welchem Thema geäußert haben, bemerkt man die Pluralität innerhalb des Islam.“

Kurnaz Forschung erstreckt sich auch auf Fragen der Sexualethik, historisch wie aktuell – bis hin zu Homosexualität: Welche Antworten geben islamische Schriften etwa auf eine Frage wie ‚Darf ich die Hand eines Freundes halten‘?

Die Rolle der Ethik und des Rechts in der Islamischen Theologie hat der Wissenschaftler auch in seiner Habilitation thematisiert. Darin kommentierte und analysierte er zwei Kapitel des rechtsvergleichenden Werks Bidāyat al-muǧtahid vom Philosophen Ibn Rušd. „Daraus ergab sich die Bearbeitung der Frage nach der vermeintlichen Göttlichkeit des islamischen Rechts und der Grenzen klassisch-islamischer Erkenntnislehre“, so Kurnaz. „Im nächsten Schritt habe ich eingeordnet, wie relevant die islamische Theologie für das islamische Recht ist.“

Jenseits der wissenschaftlich-theoretischen Seite hat er auch praktische Erfahrungen mit dem Islam gesammelt. Kurnaz war als Student in den Jahren 2007 bis 2011 in Großraum Frankfurt hin und wieder als Imam tätig, an einzelnen Wochenenden oder an den Wochenenden eines ganzen Monats. „Ich habe den Imam vertreten, wenn er krank war, das Freitagsgebet geleitet und mit Kindern im Koran gelesen.“ Den Bogen von der Theologie in den praktischen Alltag hat Kurnaz unter anderem auch an der schweizerischen Université de Fribourg geschlagen. Dort leitete er von September 2015 bis August 2016 das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft: „Der Schwerpunkt dort lag auf sozialwissenschaftlicher Religionsforschung, mit Blick auf Konfliktforschung in einer pluralen Gesellschaft.“ Das 2015 gegründete Institut bietet unter anderem Fortbildungen für Imame, Lehrer und Polizisten an. „Neben der Lehre und einem Forschungsprojekt war hier vor allem organisatorische Aufbauarbeit gefragt.

Sein Fokus verlagerte sich wieder stärker auf die Forschung, als Kurnaz danach eine Juniorprofessor für islamische Theologie mit dem Schwerpunkt islamisches Recht und Ethik an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg antrat. Von dort führte eine Gastprofessur ihn 2019 an die Humboldt-Universität zu Berlin.

Autor: Lars Klaaßen

Weitere Informationen

Webseite des Berliner Instituts für Islamische Theologie 

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